»Ja, gern! Du kannst dir wohl denken, dass ich nichts lieber wäre als ein Vogel! Das Schiff bringt mich vom Lande fort und hebt mich erhöhend ins Unendliche hinein! Dann bekomme ich auch den fernen Himmelsstrich zu sehen, der von keinem Winter weiss. Die Vögel erzählten mir davon! So wenig das Grab den Weisen schreckt, so wenig schreckt mich der Ozean in Nacht und Finsternis. Immer voran! Geh ans Werk!«

»Lieber Baum! ich habe dich auch als – Galgen nötig!«

»Fort mit der Axt, du Richter und Henker! Ich bin der Baum des Waldes! Ich bin der Baum der Felsen! Ich trage milde Früchte! Ich gebe den Blumen Schutz! Tut ihr eure Mordarbeit allein mit Blut an den Händen und Unbarmherzigkeit im Hirn! Kommt nicht mit Stricken und Fesseln zu den alten Eichen! Die der Winde Stimmen belauschen, wollen keine Werkzeuge für Verbrechen sein! Ich bin der Sohn der Sonne! Drängt euch nicht in meine heilige Einsamkeit, ihr Kinder der Finsternis! Haltet euch fern mit euern lärmenden Gelagen, und zerrt ihn, den armen Verurteilten, der Unglück und Sünde mit sich schleppen muss, – zerrt ihn zwischen zweien eurer Feste in den Tod hinein! Ich will meine Äste nicht über sein Gespenst breiten! Fort!!«


DER FROSCH

Den ganzen Tag hatte es geregnet. Nun aber war das Wetter umgeschlagen. In flammender Pracht sank die Sonne hinab. Rotglühend lag die Landschaft. Da sass ein Frosch, und schaute alledem zu. Er sass neben einer tiefen und breiten Radspur, die sich zu einer Regenlache gewandelt hatte. Der Frosch war ganz trunken vor Begeisterung. Sogar tiefsinnig war er geworden. Es ist doch wohl auch dem Hässlichen erlaubt, sich betrachtend in das Schöne zu versenken?

Feuer war der Himmel, Purpur das Tal ringsum, und ein blanker Spiegel das Wasser. Sogar die Regenlache hier, auf der Grashalme schwammen, war zu einem Spiegel geworden. Die Vögel sangen noch leise, und zwitscherten immer leiser, je tiefer der Tag sank, bis endlich alles verstummte.

Die Luft war still, das Wasser war still … und der Frosch sass völlig selbstvergessen. Vergessen hatte er, dass er ängstlich, vergessen, dass er hässlich war … er sass nur da und starrte in die sinkende Sonne. Er glaubte gewiss, ein Segen sei über ihn gekommen, ja, auch über ihn. In allem, was lebt, ist ein Widerschein des Ewigen. Kein Auge ist so abstossend, dass nicht das Licht von oben es träfe, manchmal wohl hart, manchmal aber auch mild und sanft … kein Geschöpf ist so hässlich, so niedrig, so unrein, sein Auge fasst doch die Unendlichkeit der Gestirne.