DER BAUM
Nun ist die Erde bald hart wie Granit. Und die Bäche starr wie Marmor.
»Lieber Baum! Willst du mir Wärme geben?«
»Ja, gern! Ich kam zur Welt, um Holz zu werden. Und ich möchte so gern als Feuer gen Himmel fahren! Fäll' mich! Vater und Grossvater sollen es gut haben. Bauer und Bäurin, setzt euch an den Herd! Wärmt eure Hände am Feuer und eure Seelen an Gott!«
»… Aber, lieber Baum – willst du mir auch beim Pflügen helfen?«
»Ja, gern! Ich will mithelfen, die schwarze Erde aufzureissen, dass die Ähre goldgelb emporschiessen kann. Wenn die Furchen leise sich öffnen, ist es, als ob der Friede daraus emporstiege und die Morgendämmerung mit Freudetränen ihm entgegenlächle!«
»Du lieber Baum da drinnen im finsteren Dickicht – Damhirsche verstecken sich hinter dir: willst du mir auch ein Haus bauen helfen?«
»Ja, gern. Schlag du nur wacker auf mich ein! Ich kann gewiss auch ein Hausdach tragen, ich, der Vogelnester trägt! Unter dem Dache magst du dann in der Dämmerstunde deine Gedanken sammeln, in der Liebesstunde … Kinderstimmen sind mir wie Blaudrosselgezwitscher!«
»Lieber Baum! Willst du mir auch ein Schiffsmast sein?«