Einen Augenblick nachher war er wieder da. "Die Zeit ist knapp"; er
schloß die Tür hinter sich und ging hastig auf Mary zu, die jetzt am
Fenster stand. Er zog sie diesmal rasch an sich und wollte sie
Küssen…
"Nicht mehr dergleichen!" sagte sie mit ihrer ganzen alten Souveränität und wandte sich ab. Sie ging stolz hinaus ins Vorzimmer, zog sich eine Jacke an, wobei ihr das herzueilende Mädchen half, wählte einen Hut, sah nach dem Wetter und nahm dann einen Sonnenschirm. Das Mädchen öffnete ihr die Haustür, Mary ging rasch hinaus, er hinterher, in seinem tiefsten Empfinden verletzt. Er war sich keiner Schuld bewußt.
Sie gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Aber es kochte so in ihr, daß sie ihren Sonnenschirm fast zerbrochen hätte, als sie ihn schließlich aufspannen wollte. Er sah es.
"Du," sagte sie, und es klang, als habe sie eine ganz andere Stimme bekommen, "ich halte nicht viel vom Briefschreiben. Ich kann auch keine Briefe schreiben."—"Ich soll Dir also nicht schreiben—?!" Er hatte auch eine andere Stimme bekommen. Sie antwortete nicht, und sie sah ihn auch nicht an. "Wenn aber irgend etwas passiert—?" sagte er.—"Nun ja, dann—! Aber dann hast Du ja Frau Dawes."
Als sei es damit noch nicht genug, fügte sie hinzu: "Du bist wohl übrigens auch kein Held im Briefschreiben. Also ist nicht viel dabei verloren."
Er hätte sie schlagen mögen.
Zum Überfluß mußte nun auch noch der alte, wunderliche Finnenhund da an der Brücke sein mit einem von seinen Leuten. Kaum wurde er Jörgen gewahr, da fing das Konzert an. Es nützte alles nichts, soviel seine Herren auch ihm pfiffen und ihn riefen.
Alle wandten sich nach den Ankömmlingen um. Jörgen hatte sich sofort nach einem kleinen Stein gebückt, und Mary hatte ihn leise gebeten, es nicht zu tun. Der Dampfer legte gerade an, die allgemeine Aufmerksamkeit, auch die des Hundes, wurde von ihnen abgelenkt, und auf diesen Augenblick hatte Jörgen gewartet, um ihm den Stein direkt auf den Leib zu werfen, daß er laut aufheulte. Unmittelbar darauf wandte er sich zu Mary und zog den Hut mit seinem verbindlichsten Lächeln und mit tausend Dank für die genossene Gastfreundschaft.
Sie mußte anstandshalber warten, bis der Dampfer abfuhr; ja, sie mußte ein paarmal mit dem Sonnenschirm winken. Lächelnd und triumphierend grüßte Jörgen mit mächtigem Hutschwenken vom Dampfer herüber.
Wütend war sie! Aber er kaum weniger.