Sie war sehr blaß und still. Ohne ein Wort zu sagen, begann sie die Mahlzeit für die Hirtenjungen zu bereiten, packte ihnen Mundvorrat ein und half ihnen dann beim Melken.

Der Nebel hing noch schwer über den niedrigen Bergrücken, das Heidekraut auf der braunroten Weide glitzerte vom Morgentau, es war ziemlich kalt, und wenn der Hund bellte, hallte es von allen Seiten wider. Die Kühe wurden herausgelassen, sie brüllten in der frischen Luft, und eine nach der andern ging den Fußsteg entlang; dort aber saß der Hund schon, nahm sie in Empfang und hielt sie zurück, bis alle herausgekommen waren, worauf auch er sie durchließ; das Schellengeläute tönte über den Bergrücken hin, der Hund bellte so, daß es durch das Läuten drang, die Jungen versuchten, wer am lautesten jodeln könnte. Von all diesem Lärm wandte sich Synnöve ab und ging nach der Stelle auf der Alm, wo Ingrid und sie zu sitzen pflegten. Sie weinte nicht, still saß sie da und starrte vor sich hin und vernahm nur von Zeit zu Zeit das lebensfrohe Geräusch, das sich immer mehr entfernte und harmonischer ineinanderfloß, je größer die Entfernung wurde. Währenddes fing sie an, eine Melodie leise vor sich hin zu summen, dann sang sie ein wenig lauter, und schließlich erscholl mit klarer, lauter Stimme folgendes Lied. Sie hatte es einem andern nachgebildet, das sie von Kindheit an gekannt hatte.

»Nun habe Dank für alles, seit wir klein
Zu frohem Spiele reichten uns die Hände,
Ich dachte mir, so sollt es immer sein,
Ja, bis an unsrer Tage Ende.

Ich hoffte, daß vom Birkenbaum hinaus,
Dem schimmernden, das frohe Spiel uns führe
Bis in das sonnig helle Vaterhaus
Und zu des roten Kirchleins Türe.

Ich saß und schaute nach dem grünen Tann
Und wartete in vielen Abendstunden,
Doch Schatten schlich den dunkeln Berg hinan,
Und nie hast du den Weg gefunden.

Ich saß und wartete und hoffte noch:
Ja, morgen findet er den Weg herüber.
Und es erlosch die schwache Flamme doch,
Es kam der Tag und ging vorüber.

Das arme Auge, vom gewohnten Ziel
Wird es ihm schwer, für immer sich zu trennen;
Ach auf kein andres je der Blick noch fiel,
Heiß fühl ichs unterm Lide brennen!

Ihr meint, ich fände Trost an einem Ort:
Das Kirchlein ist es an der Bergesleite.
O schweigt! wie fände ich wohl Ruhe dort:
Da sitzet er mir ja zur Seite!

Wohlan, so weiß ich doch, wer uns so nah
Die Höfe setzte, einen bei dem andern,
Wer unserm Blicke wies die Straße da
Und ihm erlaubte, sie zu wandern.

Wohlan, so weiß ich doch, wer uns so nah
Des Kirchleins Stühle fügte wie zum Paare
Und machte, daß sie eng verbunden da
Hinüberschauen zum Altare.