Der Brief hinter dem Spiegel.

Paris, den ...

Mio Signore!

Ihren kleinen Brief, den Sie mir nach Trouville schrieben, habe ich heute hier vorgefunden, er wurde mir nachgeschickt. Wir bleiben noch einige Zeit in der Seinestadt, dann geht’s nach Hamburg und von da schauen wir, daß wir nach Hause kommen, das heißt von nun an Chigago. Ich bin neugierig, wie ich mich in meiner neuen Heimat fühlen werde. Jetzt werde ich wohl längere Zeit meine Lieben und mein Goldorangenland nicht sehen!

In Trouville war es ganz hübsch. Wir waren die ganze Zeit im Kasino beim Baccarat, ich habe sogar ein wenig gewonnen. Courmachen ist dort nicht üblich, die Menschen haben nichts im Kopfe als das Spiel und le neuf ist ihnen lieber, als die reizendste Frau.

Hier habe ich sehr viel zu tun. Herbsthüte anschauen, Briefschreiben und Dummheiten kaufen. Mein Mann ist furchtbar nett zu mir, er hat sich bereits alle meine Gewohnheiten gemerkt und respektiert sie. Augenblicklich schreibt er die Adressen auf unzählige Karten, zu denen ich Grüße dranzuschreiben habe; an Sie ist auch eine darunter.

Also ich grüße Sie herzlichst und verspreche Ihnen auch eine schöne Ansichtskarte aus Chigago zu senden.

Adelina Farweller.

P. S. Grüßen Sie meine Freundin, die Luise, von mir, wenn Sie wieder einmal bei der Handelsschule warten, Sie Araber!

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