Leuchtende Sterne winken ihm zu.
Dank dir, o Mägdlein! Stürme der Seele
Sang deine schmeichelnde Stimme zur Ruh!“
So hatte Margarete einen Weg gefunden, um mit Ulrich zu verkehren, ohne das strenge Verbot des Vaters zu übertreten. So oft ihre Pflichten es erlaubten, saß sie unter dem Baum, und auf Flügeln des Gesanges tauschten beide ihre Herzen aus. Freilich achtete sie sorgsam darauf, daß Herr Wilibald niemals Zeuge dieses poetischen Zwiegespräches wurde, denn sie hatte ein leises Gefühl, daß es seinem nüchternen Sinne allzu romantisch erscheinen würde.
Sechzehntes Kapitel.
Kampf und Frieden.
Nicht mehr trotzet der Freche; ihn traf der Arm des Gesetzes.
Aber Unwürdige selbst adelt der nahende Tod.
Schon einige Wochen lang währte die Fehde, und kein Tag verging, an dem nicht lodernder Feuerschein am Himmel gezeigt hätte, daß hier und dort eine Scheune oder ein Wohnhaus in Flammen aufginge und arme, vielgeplagte Menschen ihrer dürftigen Habe oder ihres armseligen Obdachs beraubt würden. Noch war kein entscheidender Schlag gefallen, und die Wölfe drängte es auch gar nicht, ihre Streitkräfte der überlegenen, städtischen Heeresmacht gegenüberzustellen, vielmehr ging ihr ganzes Streben nur dahin, durch fortgesetzte Plänkeleien die Kräfte des Gegners zu ermüden und zu zersplittern. Für die raublustigen Ritter mit ihrem besitzlosen Anhang war dieser Zustand gerade erwünscht; sie fanden dabei Beute genug und ließen sich die Gelegenheit zu Kampf und Aufregung wohl gefallen.
Ganz anders lagen die städtischen Interessen. Im ersten Augenblick war der kriegerische Geist der Bürgerschaft auch nicht zu verachten; nicht nur der große und kleine Rat, in welchem die Häupter des Stadtadels Sitz und Stimme hatten, sondern auch die Versammlung der „Genannten“, d. h. die Erwählten der Zünfte und kleinen Handelsleute, welche man nur bei ganz besonderer Gelegenheit zur Mitberatung einberief, waren fast einstimmig für die Aufnahme des Kampfes gewesen, denn jeder einzelne brannte in seinem reichsstädtischen Selbstbewußtsein darauf, die adligen Widersacher zu züchtigen und unschädlich zu machen. Mit jedem Tage aber wurden die Opfer, die alle bringen mußten, fühlbarer und drückender; Handel und Wandel stockten, der Verdienst blieb aus, die Lebensmittel wurden täglich teurer. Da ließen sich denn bald unzufriedene Stimmen hören, der Dienst mit den Waffen wurde widerwilliger geleistet, Auflehnungen gegen die strenge Mannszucht kamen häufiger vor. Schon mehrmals hatten die Väter der Stadt lange Beratungen darüber gepflogen, wie der Fehde ein Ende zu machen sei; auch heute hatten sie sich im Ratssaale vereinigt und erwogen in Rede und Gegenrede die Wege, um den ersehnten Frieden herbeizuführen.