„Ich meine, wir müssen den Wölfen ernstlich auf den Leib rücken und sie in ihren Höhlen überfallen,“ sagte Herr Hennerle von Steifen, ein adliger Mann, der früher selbst der Stadt manchen Schaden zugefügt hatte, dann aber in ihren Dienst und Sold getreten und nun einer ihrer obersten Hauptleute war.

„Das ist von Anbeginn meine Meinung gewesen,“ versetzte Herr Wilibald Ebner. „Wozu haben wir unsern Saturn, unsre Chriemhild mit schweren Kosten angeschafft, wenn sie nicht die feindlichen Burgen brechen sollen?“

„Aber wie wollt Ihr die schweren Geschütze auf den holprigen Waldwegen meilenweit durchs Land schleppen?“ warf ein andrer ein; „bedenkt, daß die Chriemhild allein zehn Wagen und sechs und fünfzig Pferde gebraucht.“

„War die faule Grete, mit welcher der eiserne Burggraf Friedrich von Hohenzollern die Schlösser der aufsätzigen märkischen Junker in Trümmer schoß und ihren trotzigen Sinn beugte, nicht noch schwerer?“ fragte Herr Wilibald dagegen.

„Möglich würde es schon sein,“ fiel Herr Hennerle ein, „aber eine regelrechte Belagerung erfordert viel Opfer an Zeit und Geld. Besser wäre es, die Wölfe zu überraschen und ihre Häupter gefangen zu nehmen; solch ein unerwarteter Streich würde den Bund zersprengen und uns am meisten Nutzen bringen.“

„Und wie wollt Ihr das anfangen, Hauptmann?“

„Wir müssen einen kundigen Mann gewinnen, der uns den Zugang zum Hauptquartier verrät.“

Eine Stille folgte diesem Vorschlag, hie und da ein mißbilligendes Kopfschütteln; doch schien ein jeder die Worte ernstlich zu überlegen.

„Wißt Ihr ein Mittel, um an solchen kundigen Mann zu gelangen, Herr von Steifen?“ fragte der Bürgermeister.

„Wir haben einen Knecht des Junkers von Rotenhahn gefangen. Ich glaube, daß man ihn mit Gutem oder mit Gewalt bewegen könnte, uns die erforderliche Auskunft zu geben.“