„Laßt den Gefangenen hereinführen!“ gebot der Bürgermeister. Nach kurzem Warten öffnete sich die Thür, und, von der Wache geleitet, trat ein Mann in den Saal, derselbe, der einige Tage zuvor mit Ulrich zusammen eingebracht worden war, in abgerissener Kleidung, mit wirrem Haar und einem finstern Blick, der beharrlich am Boden haftete.

„Euer Name?“ fragte der Bürgermeister. Der Gefangene antwortete nicht; erst, als ihm der wachehabende Stadtsoldat einen Rippenstoß gab, murmelte er trotzig: „Ihr kennt mich, ohne daß ich’s Euch sage.“

Herr Volkamer warf einen forschenden Blick auf den finstern Gesellen, flüsterte mit seinem Nachbar und sagte dann in strengem Ton: „Wohl kenne ich Euch, Klaus Zworrer; Ihr habt einst im Dienste dieser wohllöblichen Stadt gestanden, aber Ihr habt Euren Schwur gebrochen und seid treulos zu unserm ärgsten Feinde übergegangen. Wißt Ihr, daß wir Euch dafür ohne weiteres an den Galgen hängen können?“

„Ich weiß es,“ versetzte Klaus düster, „macht’s kurz, wozu die vielen Reden?“

„Es gäbe ein Mittel, um Euch Gnade und Leben zu erkaufen, einen Weg, um Eure Schuld zu sühnen und ein ehrlicheres Leben zu beginnen,“ sagte der Bürgermeister langsam und mit Nachdruck.

Klaus schaute auf. „Und das wäre?“ fragte er hastig.

„Ihr habt seit Jahren dem Junker von Rotenhahn gedient und seid ohne Zweifel mit seinen Plänen und Schlupfwinkeln genau bekannt; liefert uns die Häupter des Wolfenbundes ohne Aufsehen in die Hände, und Ihr sollt die Freiheit und reichen Lohn erhalten.“

Der Gefangene blickte finster zu Boden; in schweigender Spannung sahen die Beisitzer des Rates auf ihn. „Ich kann es nicht,“ sagte er endlich mit fest zusammengezogenen Brauen.

„Und warum nicht? ist Euch das Leben nichts mehr wert? wollt Ihr aus diesem Saal sofort auf den Richtplatz wandern?“

„Herr,“ erwiderte Klaus mit rauhem Ton, „ich habe einmal meine arme Seele verkauft, um mein elendes Leben zu retten, als ich Euch meinen Eid brach, — soll ich es zum zweiten Mal thun und ohne Erbarmen zur Hölle fahren?“