Denn jedes ist sein liebes Kind.
Wohlauf! stimmt ein in meinen Spruch,
Den laut ich bringe aus:
In Lieb’ und Treu’ zusammen
Laßt stehen, die da stammen
Aus eines lieben Vaters Haus!“
Diesmal erscholl lauter Beifall an der jungen Tafel, während an der der älteren Leute besonders die Frauen befriedigt aussahen und Meister Andreas seinem lieben Neffen gar vergnügt zunickte. Der Merker aber sagte ernsthaft: „In welchem Ton habt Ihr das Lied gesungen, Hans Fiedler? Zuerst meinte ich, es sollte die ‚Hageblüt-Weise‘ sein, aber die Reime stimmten nicht dazu; dann schien es ‚Cupidinis-Handbogen-Weise‘ zu werden, aber die Verse waren zu kurz.“
„Ich habe in meinem eignen Ton gesungen,“ versetzte Hans, kühn gemacht durch die Zustimmung der Genossen und den verstohlnen Händedruck der warmherzigen Nachbarin, „oder nennt es die ‚lustige Vöglein-Weise,‘ nach der stimmt es gewiß.“ Der Merker schüttelte den Kopf über die kecke Rede und vermahnte den jungen Gesellen, sich noch eine Zeitlang in den bewährten Weisen älterer Meister zu üben, ehe er eigne Töne zu erfinden suche.
Der sinkende Abend mahnte endlich an den Aufbruch; noch einmal stand Hans Rosenblüt, der geschätzte Briefmaler, auf, erhob seinen Becher und sprach folgenden Weinsegen: „Nun gesegne Euch Gott, lieben Freunde mein, den wir getrunken, den goldenen Wein, bis wir wieder zusammenkommen. Sein Name der heißt Kitzelgaumen; er ist unsrer Zunge eine süße Naschung und unsrer Kehle eine reine Waschung, er ist unserm Herzen ein edles Zufließen und unsern Gliedern ein heilsam Begießen, und schmeckt uns besser, als alle Bronnen, die je aus den Felsen sind geronnen. Beschirm’ mich Gott nun vor dem Strauchen, wenn ich die Stiege hinab muß tauchen, daß ich auf meinen Füßen bleib’ und fröhlich heimzieh’ zu meinem Weib und alles wisse, was sie mich frag’. Nun behüt’ Euch Gott vor Niederlag’. Amen.“ — —
Als Hans den Meister Andreas heimgeleitet hatte und seinen Rückweg antrat, stieß er unversehens auf einen Mann, der ihm entgegenkam; der Mond schien ihm hell ins Gesicht, so daß er ihn erkennen konnte. „Willkommen, tausendmal willkommen daheim, Junker Ulrich!“ rief er freudig erregt, „Gott und Sankt Sebald seien gelobt, daß Ihr wieder da seid! Wie ist es Euch ergangen in all den langen Jahren? o wie froh bin ich, Euch wiederzusehn, liebster, bester Junker!“