„Empfindet wirklich einer der alten Freunde noch Freude über meine Rückkehr?“ fragte Ulrich wehmütig. „Habe Dank für deinen herzlichen Gruß, mein wackerer Hans; ich meinte schon, ich wäre Euch allen fremd geworden!“

„Ihr müßt es freilich daheim sehr verändert gefunden haben,“ sagte Hans teilnehmend, „auf der Burg ist es wohl leer geworden, seit Herr Werner und Fräulein Irmgard fehlen. Auch Berthold ist nicht mehr da, — aber Jungfer Margarete ist die alte geblieben, habt Ihr sie schon gesehen?“

„Nein,“ versetzte Ulrich abwehrend, „als ich im Ebnerhause vorsprach, war nur Frau Ursula daheim, und ich muß morgen in aller Frühe fort.“

„Wie, Junker Ulrich, Ihr wollt fort, ohne Margarete gesprochen zu haben? Und sie hat Euer doch so treu gedacht, und unzählige Male haben wir von Euch gesprochen!“

„Du vielleicht, mein treuer Hans; sie hat, wie ich fürchte, die Kinderfreundschaft längst vergessen.“

„Wie Ihr nur redet, Junker!“ rief Hans entrüstet, „Margarete ist keine von denen, die so schnell vergessen, und Ihr habt sie noch nicht einmal auf die Probe gestellt. Ihr werdet Euch wahrlich Eurer Zweifel schämen, wenn Ihr ihren freudigen Empfang sehen werdet!“

„Meinst du, alter Freund?“ sagte Ulrich mit schmerzlichem Lächeln, „nun wohl, wir wollen es abwarten.“

Als Margarete an diesem Abend nach Hause kam, konnte sie ihre Thränen kaum zurückhalten und eilte, sobald sie konnte, in ihre Kammer, um ungestört zu weinen. Sie fühlte, daß sie den Freund, der ihr so warm entgegengekommen war, tief verletzt habe; sie sehnte sich, ihm all ihr Mitgefühl auszusprechen und das seine zu empfangen — und hatte doch die Empfindung, als würde das nie geschehen, als hätte sie den Freund ihrer Kindheit für immer verloren!

Vierzehntes Kapitel.
Zwei Heimgekehrte.