| Während 1886, nach Dr. Seward. | Nach Dr. Robb, 1874–78. | ||||||||
| Monat | 6 Uhr V. | 12 Uhr M. | 6 Uhr N. | Im Durchschnitt des Tags | Maximum | Minimum | Im Durchschnitt des Tags | Maximum | Minimum |
| Jan. | 21 | 21,9 | 21,8 | 21,6 | 23,7 | 20,3 | 22,4 | 23,9 | 20,6 |
| Febr. | 21 | 22,1 | 22,2 | 21,8 | 24,4 | 20,4 | 22,6 | 24 | 20,8 |
| März | 19,9 | 22 | 21,7 | 21,2 | 24 | 18,6 | 22,7 | 24 | 20,6 |
| April | 19,9 | 21,6 | 20,8 | 20,8 | 23,6 | 18,6 | 22 | 23,1 | 20,2 |
| Mai | 19,5 | 21,2 | 20,7 | 20,5 | 23,4 | 18,6 | 21,3 | 22,8 | 19,5 |
| Juni | 18,9 | 20,8 | 20 | 19,9 | 22,4 | 17,7 | 20,6 | 22,1 | 19,1 |
| Juli | 18 | 20,3 | 19,7 | 19,2 | 21,5 | 16,8 | 20 | 21,7 | 18,5 |
| Aug. | 17,8 | 20,6 | 19,5 | 19,2 | 21,8 | 16,6 | 20,1 | 21,9 | 18,5 |
| Sept. | 18,3 | 21,2 | 20,3 | 19,9 | 22,8 | 17,5 | 20,4 | 22,4 | 18,7 |
| Oct. | 18,3 | 21,3 | 20,9 | 20,2 | 23,2 | 16,7 | 21 | 22,8 | 19,1 |
| Nov. | 19,7 | 22 | 21,6 | 21,1 | 24,4 | 19 | 21,7 | 23,2 | 20 |
| Dec. | 20,3 | 21,9 | 21,7 | 21,3 | 24,1 | 19,7 | 22,3 | 23,4 | 20,4 |
| Im Jahr | 20,6 | 23,3 | 18,4 | 21,4 | 22,9 | 19,7 | |||
Betrachtet man die Temperaturentabelle Sansibars genau, so gewahrt man in den Monatsmitteln eine sehr minimale, fast nur in den Decimalstellen sichtbare, allmähliche Abnahme und eine ebenso geartete Zunahme. Auf dem Festland vergrößern sich diese Differenzen und man kann in einzelnen Gegenden das Jahr in eine kühle und in eine heiße Zeit eintheilen. Eine nach europäischen Begriffen gebräuchliche Annahme, in den Gebirgen eine frischere Luft anzutreffen, erweist sich für Ostafrika als Regel unhaltbar. So ist das Gebirgsland Usagara heißer als Sansibar. Auch der Vorstellung muß entsagt werden, daß mit der Zunahme der Bodenerhebung die Salubrität einer Gegend verbunden sei. Kutu ist das ungesundeste Land, ebenso ein großer Theil Usagaras. Die feuchte Wärme aus üppig wuchernder Vegetation ist die Quelle des Fiebers. Wo also hoch entwickelte Fruchtbarkeit existirt, herrscht in minderm oder höherm Grad das Fieber. Absolut gefährlich ist die Nähe von Sümpfen und morastigen Niederungen. Fieberfreie und zugleich fruchtbare Oertlichkeiten findet man in einigen vereinzelten Fällen und zwar da, wo entweder durch besonders günstige Lage oder durch die Cultur der nothwendige Grad von Trockenheit erreicht worden ist.
Die Monotonie des ziemlich hohen Temperaturzustandes ist es nicht allein, welche die Energie des Europäers in Sansibar abschwächt, sondern der hohe Feuchtigkeitsgehalt der Luft: am Morgen 89%, von Mittag bis Sonnenuntergang 73%, das Jahresmittel 81,8%. Der April ist der feuchteste mit 88,7% und der August der trockenste Monat mit 76,2%.
Sansibar, namentlich die Stadt, gilt als gesund für jeden, der sich in Diät und Kleidung tropischen Anforderungen zu fügen weiß. Die Gefährlichkeit des Klimas beginnt auf dem Festland, in der Region der Spaltpilze, welche die Sonnenglut aus den vegetationsreichen, durchnäßten Erdschichten, aus Lagunen und Sümpfen zu fiebererzeugenden Miasmen auskocht.
Die mit Dampf übersättigte Seeluft strömt nach dem Continent, streicht über Küsten und Terrassen nach dem Gebirgswall, verdichtet sich hier zu Wolken und Regen und kommt trocken und klar in die Hochflächen Innerafrikas. Deutsch-Ostafrika liegt also ganz in dem Bereich des dunstigen Himmelsstrichs. Modificationen treten gemäß der Bodengestaltung ein. An der Küste fließen die kühleren Luftschichten dem erhitzten Binnenland zu und verursachen auch während der Trockenzeit unregelmäßige, häufige Niederschläge. Sind die anstoßenden Plateaus von höherer Erhebung und erreichen sie bald den Fuß der Gebirge, so nähert sich ihr Wettercharakter dem des Strandes und der Berge, so in Bondei und Useguha. Steigen sie aber nur langsam empor und treffen sie erst in weiter Entfernung von der See auf die Masse eines Gebirges, so kommt die austrocknende Hitze der Sonne zur entscheidenden Herrschaft und die Regenzeiten beginnen später und sind von geringerer Dauer: so im mittlern Usaramo und wahrscheinlich in dem Land zwischen Rufidschi und Rovuma. In allen Gebirgsgegenden, von Usambara bis Kutu, werden die Luftströmungen der See von kühleren Schichten aufgenommen, und Regen fällt hier fast in allen Monaten des Jahres, verstärkt und gedrängt zu früherm Ausbruch durch die eigentlichen Regenzeiten und gemindert durch die Trockenzeiten.
Ein Theil Deutsch-Ostafrikas fällt jenseit des dunstigen Küstenklimas in den Wetterbereich Centralafrikas: das sind die ebenen Strecken, welche zwischen den Usambara-Bergen und dem Kilimandscharo-Gebirge gelagert sind.
Die geologische Beschaffenheit von Deutsch-Ostafrika ist einfach: das Gebirge und die anstoßenden Plateaus bestehen aus Gneis, die zum Meer sich absenkende schmale Flächenzone aus Sand- und Kalkstein, die Küste aus Korallenkalk. Eruptive Gesteinsmassen findet man am Kilimandscharo und an einigen Stellen im oberen Kutu.
Der Gneis bestimmt in dem Zustand der Verwitterung den Vegetationscharakter des ganzen Landes. In vier verschiedenen Stadien wird er zu rother, graurother, schwarzer Erde und zu Humus.
Die rothe Erde ist das Verwitterungsproduct des Gneises auf horizontaler Fläche, der bekannte poröse, eisenhaltige Lateritboden. Regengüsse zerklüften ihn und die Sonnenglut backt ihn zusammen zu steinharten Klumpen. Hartes Büschelgras, Dorngebüsch, Mimosen, Akazien und Baobabs wachsen auf ihm. Liegt er unter einem Himmel mit Regenfällen, auch während der Trockenzeit, so ändert sich seine Beschaffenheit zu Gunsten gesteigerter Fruchtbarkeit, sodaß er Getreide, Taback und Gemüse erzeugen kann.
Wird die rothe Erde, auf geneigter Ebene liegend, vom Regenwasser nach Abhängen und Bodensenkungen geschwemmt, so wird sie zerrieben, mit verwesenden Pflanzenresten untermischt und zur graurothen Erde. Die Productionskraft ist gesteigert: alle Cerealien gedeihen, ebenso Bananen, Bataten, Taback, Wälder voll schattiger Bäume mit dichtem Unterholz, Wiesen mit Futtergras.