Die Urbarmachung des Sigi- und Luengera-Thales muß einer spätern Zeit vorbehalten bleiben.
Da der Eingeborene über den häuslichen Bedarf zu säen und zu ernten gewohnt, auf Gewinn und Verdienst erpicht ist, so stehen auch die nöthigen Arbeitskräfte bei mäßigem Lohn zur Verfügung.
Pare und Ugono.
Das Pare- und Ugono-Gebirge zieht sich in einer Länge von etwas mehr als 100 km oder von 8–10 Tagemärschen mit geringer Breitenausdehnung an der östlichen Seite des Pangani vom Norden Usambaras bis in die Ebene von Aruscha und des Jipe-Sees hin. Das Innere der waldigen Berge ist noch nicht erforscht; Dr. Fischer schätzt die Höhen auf 600–900 m. Die Ostseite fällt ziemlich steil ab; die Westseite ebnet sich sanft gegen den Pangani hinunter. Das Gestein ist Gneis, in Ugono reich an Eisenglimmer. Aus der Mitte der Bergkette schiebt sich von West nach Ost eine niedrige Hügelreihe, die Kisungu, in die Nyika-Ebene vor. Wenn auch die Naturproducte, welche die Bewohner auf die Marktplätze am Rande des Gebirges bringen, auf Fruchtbarkeit und deshalb auf Feuchtigkeit im Innern schließen lassen, so treten doch nur ein paar Flußläufe in Pare nach außen: der Mkomasi bei Gondja, der bei Maurui in den Pangani mündet, der Kiswani, der östlich in der Steppe verrinnt, und auf der Westseite allein die Bäche Wudere und Makujuni, letzterer mit tiefem Thaleinschnitt, dem Uebergang vom Pangani-Thal nach Gondja.
Angebaut werden: Bohnen, Erbsen, Mais, Bananen, Zuckerrohr, auch Taback, und in West-Ugono Ricinusstauden von erstaunlicher Höhe. Rindviehzucht wird überall betrieben und man erhält im Gegensatz zu Usambara eine ganz vortreffliche Butter.
Ugono ist berühmt durch das Vorkommen von Eisen. Man gewinnt es aus dem Sand der Bäche; leicht abgeschwemmt enthält er kleine glänzendschwarze Krystalle. Man schüttet sie in tiefe Gruben, schichtet Holz dazwischen und zündet es an. Nachdem das Feuer fünf Tage unterhalten worden, läßt man die Masse erkalten und verarbeitet die Schlacken in der Schmiede zu kleinen Haken; als solches kommt das Ugono-Eisen in den Handel.
Eine trostlose, dürre Steppe umgibt den Süden, Osten und Westen des Gebirges.
Die begangenste Karavanenstraße führt von Masindi oder von Mbaramu in Usambara längs des Ostrandes der Berge gegen den Jipe-See in langsamer Steigung von 493–727 m. Der Charakter der Ebene bleibt sich fast völlig gleich: eine bräunlich-violettschimmernde Erde, bedeckt von dorniger Savanne oder überzogen von kleinen blauen Disteln und von unzerreißbaren, kriechenden Schlinggewächsen. Ist das Gras von der Sonne verdorrt oder vom Feuer verbrannt, so marschirt man — wie in der Gegend von Ugono — stunden-, ja tagelang in einem fußtiefen, erstickenden Staub. Die wenigen Ortschaften, die man berührt, sind Oasen in der Wildniß. In ihnen versorgt man sich mit Lebensmitteln und namentlich mit Wasser. Denn wasserlos ist die Wüste von Mbaramu bis zum Jipe-See.
Gondja (563 m), die Residenz eines Sohnes des Usambara-Fürsten Sembodja, liegt dreiviertel Stunde von den mit felsigen Zacken gekrönten Bergen entfernt, getrennt durch einen Schilfsumpf. Der Mkomasi stürzt in einer Reihe von Wasserfällen vom Rande des Gebirges herab.