Der Bezirk Madschama mit dem Lagerplatz Komboko (1230 m über dem Meere) liegt dicht am Fuße des hier jäh emporsteigenden Gebirges. Kibo und Kimawensi, wie der die Westflanke bildende Schira[8], sind in ihrer ganzen Gestaltung sichtbar. Der Urwald tritt im Süden unmittelbar heran; das 45 m tiefe Thal des Weriweri bildet die östliche, das seichte Bett des Sonja die westliche Grenze. Die Fruchtbarkeit der leicht gewellten Ebene ist dieselbe wie im übrigen Dschaggaland; zu allen Jahreszeiten können die Karavanen sich reichlich mit Vegetabilien verproviantiren. In Komboko werden aus Furcht vor den Masai nur wenige Rinder und gar keine Hühner gehalten.

Rombo, an der Südostecke, zieht sich von der Ebene an den Ufern des krystallklaren und fischreichen Lumi als freundliches Wiesenthal in die Berge hinein und mit seinen Feldern die Hänge hinauf. Lebensmittel aller Art sind im Ueberfluß und billig zu haben: Bananen, Getreide, Yams, Schafe, Milch und Butter. Oberhalb Rombo, 2500 m über dem Meere, befindet sich ein von den Eingeborenen unangetastetes, drei Stunden langes Plateau (die östliche Erhebung und Fortsetzung der Dschaggalandterrasse), ein mit Hügelreihen durchzogenes, von frischem Wasser durchfeuchtetes, mit Blumen übersäetes Wiesenland, geschaffen zu paradiesischer Wohnstätte, wie der Engländer Johnston behauptet.

Bei Kimangelia (1200 m über dem Meere), nordwestlich von Rombo, kommt man in die letzte von Menschen bewohnte Gegend der östlichen Abdachung des Kilimandscharo. Hier ist die Bebauung gering, da Wasser spärlich fließt; nur zur Weide dienen die mageren Triften.

Das Gebirge oberhalb Dschagga.

Da der Kilimandscharo nur an der Südseite, von der verhältnißmäßig kurzen Basis Moschi-Rombo aus, von Forschern durchwandert worden ist, so kann unser Wissen von seiner Bewachsung und Bodengestaltung im ganzen nur ein bedingt richtiges und wenig vollständiges sein.

Den klimatischen Gesetzen folgend müssen sich die einzelnen Vegetationszonen bis zur Stein- und Schneegrenze hinauf gürtelartig um den ganzen Gebirgsstock legen. Die mehr der Sonne und den feuchten Luftströmungen ausgesetzten Ost- und Nordseiten sind die wärmern, die Süd- und Westseiten die kühlern. Es läßt sich daher annehmen, daß die Vegetationszone, wo es die Gebirgsformation erlaubt, im Osten und Norden weiter hinaufrückt als im Süden und Westen. Für die Höhen oberhalb Rombo ist dies wenigstens festgestellt.

Aus den Bananenhainen und Wiesengründen des Dschaggalandes tritt man in einer Höhe von 1800 m in eine parkartige, langsam ansteigende Landschaft, deren oberer Rand von dichtem, niedrigem Buschwald und Brombeergestrüpp begrenzt wird.

Von 2000 m an beginnt im allgemeinen (von 1500 m oberhalb Moschi und von 2500 m oberhalb Rombo) die Urwaldregion und endet bei 3000 und 3500 m. Der Böschungswinkel wird steiler (25–30°). Auf dem weichen, theilweis morastigen und schlüpfrigen Boden ragen ungeheuere Wollbäume und Banianen empor; Massen von Moos und Flechten überziehen die Aeste und Stämme und machen sie morsch durch ihre erstickende Last; Schmarotzer- und Schlingpflanzen bilden mit riesigen Farrnkräutern ein fast undurchdringliches Unterholz. Die hier hausenden Elefanten haben die Bahn für den Menschen gebrochen; doch gerade auf ihr liegen gutverdeckt die dem Fremden gefährlichen Wildgruben.

Nördlich des Urwaldes breitet sich in gelinder Steigung eine Wiesenzone mit Busch von 3000–4000 m aus. Die Pflanzendecke ist auf das mannichfaltigste zusammengesetzt: aus Papyrus ähnlichen Riedgräsern, Ginstergebüsch, krautartigen Stauden, violetten Glockenblumen und Orchideen, aus rosarothem Gladiolus und stiellosen, 1½ m im Umfang betragenden Disteln, sowie aus einem 6–9 m hohen Staudengewächs (Senecio Johnstonii), mit einem schwärzlichen, sehr weichen Stamm und einer mächtigen Krone von breiten Blättern und gelben Blütenbündeln.

Mit 4000 m ist der letzte Vegetationsstreifen, ein buschloses Mattenland, erreicht; es geht bei 4500 m in ein quellenloses, graufarbiges Lava- und Steintrümmerfeld über. Die beiden letztgenannten Zonen bedecken die zweite, 4300 m, und die dritte, 4800 m hochgelegene Terrassenstufe. Auf der letztern, einem 5 km nach Norden und 7 km von West nach Ost ausgedehnten Plateau ruhen der Eisdom des Kibo und die niedrigere, zerklüftete Felsenspitze des Kimawensi, beide Gipfel getrennt durch einen Sattel von sechs vulkanischen Kegeln.