Die Sumpfwaldzone drängt sich nördlich der Steppe theilweise bis hart an den Aufstieg des Gebirges heran. Es ist ein düsterer, hochstämmiger Wald, stellenweise ganz aus Baobabs bestehend, die 25–30 m voneinander entfernt emporstreben, voll von Schilfmorästen, deren größter südlich von Moschi bis an die Savanne reicht. Das Unterholz wird von so dichtem und zähem Gestrüpp gebildet, daß man nur mit der Axt sich Bahn brechen kann. Als Wege dienen die von Rhinocerossen, Elefanten oder Büffeln getretenen Pfade, ein Wirrsal, aus dem allein Eingeborene sich herausfinden können. Eine Menge von 4 m tiefen, wohlverdeckten Wildgruben steigert die Unwegsamkeit. Die Gebirgsbäche und Flüsse stürzen in bis 4 m tiefen schilfbewachsenen oder felsigen Schluchten dahin, einige mit einer Breite von 6–8 m.

Da der Wald die Ufer des Sonja und des obern Nabali nicht überschreitet, so kann man, ohne ihn durchkreuzen zu müssen, das Dschaggaland erreichen, entweder von Aruscha über Komboko nach Madschama oder von Taveta nach Marangu.

Das Kilimandscharo-Gebirge[6] mit dem Dschaggaland.

Das über 6000 m hohe Gebirge steigt an der Südseite aus der Hochebene, die im Westen 1230 m und im Osten 780 m über dem Meere liegt, ganz allmählich in drei großen Terrassen empor; die unterste, breiteste Terrasse ist zwischen 1000 und 1800 m Höhe, die zweite in der Höhe von 4300 m und die letzte in der Höhe von 4800 m gelagert.

Zwischen der Sumpfwaldzone der Niederung und der untersten Erhebung zieht sich stückweise ein Savannenstreifen hin, bedeckt theils mit scharfkantigem Gras, Dornengebüsch und leichtem Gehölz, theils mit Lavaasche und trachitischem Gestein, durchfurcht von den steilen, schwierig überschreitbaren Rinnsalen der Bäche und Flüsse, unterbrochen von vulkanischen Kegeln und Höhenzügen. Dadurch ist die Gangbarkeit längs des Fußes des Gebirges ungemein erschwert; die Eingeborenen benutzen deshalb die hoch am Berg gelegenen Verbindungswege, die von Ost nach West in die einzelnen Gebiete führen.

Die erste, unterste Terrasse (1000–1800 m über dem Meere), welche sich durch mächtige Laubbäume, zierliche Palmen und blumengeschmückte Wiesen ankündigt, bildet den bewohnten Theil des Gebirges und ist das vielgepriesene Dschaggaland. Als ein bis zu 16 km breiter Gürtel umfaßt es die Bezirke von Madschama, Uru, Moschi und Marangu; es setzt sich im Osten oberhalb Rombo zu einem nicht cultivirten, aber culturfähigen, 2500 m hochgelegenen Plateau fort.

Die von Norden nach Süden herabfließenden Gewässer zertheilen die Terrasse in tiefe, enge Thäler. Die Wohnstätten und Felder der Bewohner liegen auf scharfgetrennten Bergrippen. Die Unzugänglichkeit des Geländes haben die Eingeborenen zum Schutz gegen feindliche Ueberfälle ausgenutzt und künstlich verstärkt, indem sie die Schluchten, welche ihre Staaten begrenzen, mit dreifachen Palissadenreihen krönten und die Breitseiten mit Schanzgräben überquerten.

Der Zugang wird im friedlichen Verkehr durch breterschmale Brücken ermöglicht; Lastthiere müssen an einzelnen weniger abschüssigen Stellen hinabgeschleift und hinaufgezogen werden. Innerhalb der Befestigungen wohnt die Bevölkerung in Hüttengruppen. Die Fruchtbarkeit ist allenthalben die üppigste; zwischen Wiesen von zartem Gras und buntfarbigem Blumenflor und zwischen Hainen der vorzüglichsten Bananen erstrecken sich die Felder mit Bohnen, Hirse, Mais, Bataten und Yams. Rinder, langhaarige Schafe und Ziegen werden in Menge gehalten. Kleine Kanäle, welche aus den höhergelegenen niedrigen Bachbetten den Bergrücken hinabgeleitet oder durch Röhren von Abschnitt zu Abschnitt geführt werden, bewässern die Culturen.

Vom Dschaggaland steigt in der weiten Entfernung eines Tagemarsches die mit Urwald bekleidete zweite Terrasse empor.

Das ist das Landschaftsbild der, sozusagen, inneren Dschaggastaaten, von Uru, Moschi[7] und Marangu. Einen veränderten Anblick bieten Madschama im Westen, sowie Rombo und Kimangelia im Osten.