Die südliche Niederung im Netz der Gebirgswässer bis zum Zusammenfluß im Bett des Pangani bei Klein-Aruscha besteht zonenweise aus Culturland, Savanne und Sumpfwald.
Die Culturzone.
Sie beginnt im Westen in der Umgebung von Klein-Aruscha und reicht zusammenhängend bis in die Landschaft Kahe, jenseit der Mündung des Kilema in den Jipe-Fluß. Nach einer Unterbrechung durch eine etwa 30 km lange Strecke einförmiger Steppe tritt sie mit üppigster Entfaltung wieder in der Bodensenkung von Taveta am untern Lumi auf.
Klein-Aruscha (730 m über dem Meere) am Weriweri (hier Ronga genannt) im Westen von den 1500 m hohen Litaema-Bergen begrenzt, die gegen das rechte Ufer des Pangani als Sogonoi-Gebirge sich abflachen, liegt mit seinen Hüttengruppen versteckt in den über die äußerst fruchtbare Ebene zerstreuten Waldgebüschen. Die hier angesiedelten Wakuafi bauen Bananen, Mais, Bohnen, Erbsen, auch Zuckerrohr; Rinder halten sie wenige, aus Furcht vor den Masai. Die vom Pangani kommenden Karavanen lagern in Klein-Aruscha wochen-, ja monatelang, um entweder Handel mit den Masai zu treiben oder Streifzüge nach Norden zu unternehmen. Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft hatte hier eine Station eingerichtet, mit Rücksicht auf den lebhaften Handelsverkehr und auf den ungeheuern Wildreichthum der nächsten Umgebung.
Die Landschaft Kahe, von größerm Umfang als Taveta, schmücken hochstämmige Waldungen, Palmengruppen, Anpflanzungen von Bananen und Wiesengründe von weichem Gras. Eine Besonderheit ist der Salzgehalt des Bodens. Die Einheimischen füllen die Erde in große, unten mit Löchern versehene Gefäße; die nach einem Wasseraufguß abrinnende Flüssigkeit wird über Feuer abgedampft und das so gewonnene Salz in den Handel gebracht.
Taveta (730 m über dem Meere), ist keine Ortschaft, sondern eine Landschaft von 11 km Länge und 1½ km Breite, welche der Lumi in einem Netz von Kanälen und stellenweise unterirdisch mit auffallend kühlem Wasser durchströmt. Sie wird von einem dichten Dschungelzaun umgeben, durch welchen nur wenige Thorgänge wie Tunnels führen, und welcher Waldparcellen von Banianen, Bambusa und Phönixpalmen, dann Bananenhaine und Getreidefelder und die gruppenweise zerstreuten Hütten der Eingeborenen schützend umschließt. Taveta ist das Paradies der Karavanen; hier können sie sich verpflegen mit Bananen, Zuckerrohr, Maniok, Bataten, Erbsen und Bohnen, mit Milch und Honig, mit Schafen, Hühnern und Fischen.
Südlich von Taveta breitet sich in geringer Entfernung in einem mächtigen Schilfkranz der seichte Jipe-See aus (716 m über dem Meere; 16 km lang und 5 km breit). Sein Wasser ist wohlschmeckend und von ockergelber Färbung. Am Ostufer erheben sich einige Hügelreihen; die daranstoßende weite Grasebene geht in der Richtung auf Teita in eine wasserlose Wüste über. Die Westseite bedeckt kahler, rother Lehmboden, auf welchen der See eine Unzahl von weißen Muscheln gespült hat. Das Nordende biegt gegen Westen in einen breiten Sumpf von außergewöhnlich, bis zu 4½ m hohen Papyrusstauden um.
Nördlich von Taveta liegt in einem isolirten Bergring eingebettet der Dschalla-See, 10 km im Umfang; Steilwände umschließen ihn. Er wird als das jüngste Product der frühern vulkanischen Thätigkeit des Kilimandscharo betrachtet. Die Eingeborenen haben eine heilige Scheu vor ihm und begleiten den Europäer ungern, der zu ihm hinabklettert. Eine blühende Landschaft soll da begraben sein mit Menschen und Vieh, deren Stimmen man nachts zu vernehmen glaubt. Sein Wasser ist süß und wohlschmeckend, ähnlich wie Regenwasser.
Die Savannen- und Sumpfwaldzone.
Die Savannenzone dehnt sich als 10–30 km breiter Gürtel von Komboko im Westen, oberhalb des fruchtbaren Landstriches von Klein-Aruscha und Kahe, dann den Kilema, Jipe und Nabali aufwärts, bis dicht nach Taveta und dem Flusse Lumi aus. Sie ist eine Steppe hohen, harten Grases, deren Monotonie von Baobabs, durch Gebüsche von Fettpflanzen, Armleuchter-Euphorbien und Wolfsmilchbäumen, und durch die Galeriewälder an den Ufern der zahlreichen Flüsse unterbrochen wird. Sie ist der Tummelplatz für Antilopen, Gazellen, Giraffen, Strauße, Büffel und Nashörner.