Eine besondere Stellung nehmen die Wadschame ein; sie sind Schmiede und verfertigen mit ungewöhnlicher Geschicklichkeit feine Eisenkettchen (Mikusu von den Händlern genannt und Elbissia von den Masai); dieselben dienen als Schmuck und hauptsächlich als Tauschwaare in den westlichen und nördlichen Ländern.
Die Wadschagga sind ein kräftiger, hochgewachsener Menschenschlag, von etwas hellerer Hautfarbe als die Küstenneger, vom schönsten bis zum häßlichsten Typus. Häufig gewahrt man scharfmarkirte Gesichtszüge, schmale Lippen und stark hervortretende Backenknochen. Von der Anmuth des Wuchses und den vollen Formen der bronzefarbenen jungen Mädchen entwerfen alle Reisenden begeisterte Schilderungen. Die Sprache ist dem Kisuaheli verwandt; einzelne Herrscher, wie Mandara, der Häuptling von Moschi, sprechen es geläufig.
Die Tracht der in zerstreuten Hütten wohnenden Bevölkerung ist sehr dürftig; die jungen Männer gehen ganz nackt, die Mädchen begnügen sich mit einem Bananenblatt um die Lenden oder mit einer handgroßen Schürze von Drahtkettchen. Die ältern Männer tragen ein Fell, das mit der größern Hälfte auf den Rücken herabfällt, oder Stücke von Baumwollzeug, das mit fußlangen Fransen verziert und mit röthlicher Erde beschmiert ist. Ihre Waffen sind fast ausschließlich Schild und Speer; Feuergewehre besitzen sie in sehr geringer Anzahl. Die Frauen schmücken sich einfach mit Gehängen von kleinen rothen Perlen und bedecken ihre untern Blößen mit einem Lederschurz; vornehmere verschleiern mit grünen und rothen Perlenschnüren das Gesicht.
Die beliebtesten Tauschwaaren sind: Baumwollstoffe, Glasperlen und Metallwaaren. Von Kahe wird in großer Menge eine als Salz verwendbare Erde, Emballa, eingeführt.
Bei der Begrüßung von Fremden wird zum Zeichen des Friedens ein Büschel Gras in die Hand genommen und unter dem Ruf „Jambo” emporgehoben. Thut der Fremdling dasselbe, so beginnt die Berathung, das Schauri. Dazu dient ein bestimmter geheiligter Platz, Maschingo genannt, mit Steinen im Kreisrund abgegrenzt, in dessen Mitte eine Hütte und zwischen drei Bäumchen ein Felsblock steht.
Ein Volk, das sich fast ausschließlich dem Krieg und der Jagd ergeben, müßte auch wild und rauh in seinem Benehmen sein. Allein die Kriegs- und Jagdzüge der Wadschagga bestehen häufiger in schlau vorbereiteten Ueberfällen der Wehrlosen und im Fangen des Wildes in Fallgruben, als im offenen Angriff; und so hat sich in ihrem Charakter mehr List und Feigheit ausgebildet, als wirklich mannhafter Sinn. Sich selbst gegen plötzlichen Einbruch von Feinden zu schützen, verstehen sie vortrefflich. Vorposten sind an den die Wohnbezirke umlaufenden Schanzgräben aufgestellt; bei ausgezeichneter Wachsamkeit entgeht ihnen nicht das leiseste Geräusch. Schleicht sich ein Feind heran, so rufen sie sofort die gesammte kriegsfähige Mannschaft zu den Waffen.
Die Wataveta, die nur den Bezirk Taveta bewohnen, scheinen von demselben Stamm zu sein, wie die Wadschagga. Ihr äußerer Typus ist nahezu derselbe, auch ihre Wohnweise. Dagegen haben das üppige Leben in der paradiesischen Ebene und der unausgesetzte Verkehr mit den Karavanen, die hier monatelang lagern, ihren Sitten und Gemüthern den Ausdruck der Friedfertigkeit verliehen, der Bekleidung und dem Schmuck den Stempel der Wohlhabenheit aufgedrückt.
Sie sind Ackerbauer, Fischer, Hirten von Rindern und Schafen und eifrige Bienenzüchter. Trotz des Wildreichthums in der Gegend des nahegelegenen Jipe-Sees ziehen sie selten zur Jagd aus. Zur Vertheidigung ihres von Dschungeln eingefesteten Gebietes gegen die stets verheerenden Masai-Horden sind sie auf sich selbst angewiesen und nur mit Rücksicht auf diese üben sie sich im Handwerke des Kriegers. Niemals treten sie aus ihrem Heim heraus, um Beute aus andern Ansiedelungen zu holen.
Männer und Weiber schmieren den Körper mit gefetteter rother Erde ein. Die Kleidung der Männer besteht entweder aus einem Stück röthlich gefärbten Baumwollzeugs, das um den Hals gebunden wird, oder aus einem über die rechte Schulter hängenden Fell. Zum Schmuck werden verwendet: ein Halsband von Eisen- und Messingdrahtkettchen, darüber eines von Perlen; Holzstäbchen und Scheibchen oder kleine Flaschenkürbisse in den durchlöcherten und unförmlich erweiterten Ohrläppchen; Spangen von Holz, von Eisen- und Messingdraht um Arme und Beine; metallene Schellen um die Knöchel. Meterhohe Schilde von Büffelhaut, Keulen, Schwerter und Speere, auch Messer sind ihre Waffen; selten Bogen und Pfeil.
Der Schmuck der jungen Mädchen zeigt sich in etwas Perlengehäng an den Ohren; sie begnügen sich, allein durch den Reiz ihrer ebenmäßigen Gestalt und vollendet schöner Büsten zu wirken. Die verheiratheten Frauen belasten das Ende ihrer Ohrmuscheln wie die Männer; zur Abwechselung stecken sie eine Schnecke von Eisendraht durch die Läppchen. Mit schweren Messingringen umschließen sie Hals und Beine.