Die Wataveta gelten als friedlich, gastfrei und ehrlich.

Die Art, wie sie Blutsbrüderschaft schließen, schreckt die Europäer vor der persönlichen Ausführung zurück: man spuckt auf ein Stück gebratenen Fleisches und steckt es sich gegenseitig in den Mund.

Die Masai gehören zum Stamme der Galla; ihr Verbreitungsbezirk läßt sich bei ihrem fortwährenden Wanderleben von Land zu Land nur annähernd bestimmt angeben; doch kann man als Grenzen, die sie bisjetzt dauernd nicht überschritten, bezeichnen: den Naiwascha-See, Ukamba, den Lauf des Sabaki, die Gebirge von Pare, Nguru, Usagara, Uhehe, das Hochplateau von Unjamwesi und der östlichen Ufer des Victoria-Nyanza.

Sie sind ein Krieger- und Hirtenvolk, ohne feste Wohnsitze immer bereit zum Kampf. Die jungen Leute (Elmuran) bilden die Kriegerkaste; sie nähren sich ausschließlich von Fleisch und Milch. Die verheiratheten ältern und wohlhabendern Männer (Elmorua) und die Weiber nehmen nicht theil an den Kriegszügen, sondern bleiben im Kreise ihrer ungeheuern, oft bis zu 10000 Stück zählenden Heerden, von einem Lagerplatz zum andern ziehend; ihr Wandertrieb drängt und treibt nach Veränderung, wenn auch Futter und Wasser reichlich vorhanden sind. Da nur der Besitzende heirathen kann und nur Rinder als werthvoller Besitz gelten, so ist die Veranlassung zu Raubzügen immer gegeben; im großen Stile werden diese meistens im August, September und October unternommen; sie führen die kriegslustigen Horden bis an die Küste zwischen Mombas und Tanga. Stets wird die Jugend von einigen Männern, reich an Erfahrung und älter an Jahren, begleitet.

Die Männer sind groß, kräftig und schlank, die Gesichtszüge sehr verschieden, vom Angenehmen bis herab zum Thierischen; die jungen tragen wie Stutzer alle möglichen Haarfrisuren, die verheiratheten rasiren den Schädel. Für gewöhnlich werden als Bekleidung benutzt größere oder kleinere Felle, die über die Schulter geworfen werden, oder förmliche Ledermäntel. Zum Kriegsanzug gehört vor allem ein lang herabwallender Mantel (Neiwera) von 2 m Baumwollenstoff, mit einem 2 cm breiten bunten Streifen besetzt (er wird um den Hals gebunden) und ein Ziegenfell um die Hüften; als Schmuck Ohrringe von Perlenschnüren, Eisenkettchen und Messingdraht, Armbänder von Elfenbein, langhaarige Affenfelle um die Knie und Schellen um die Knöchel. Das Gesicht wird durch einen mächtigen Kranz von schwarzen und weißen Straußenfedern eingerahmt. Als Waffen verachten sie Bogen und Pfeile wie auch Feuergewehre; sie tragen nur enorm lange Speere mit breitem Blatt, ein kurzes Schwert, Keule und Schild.

Das weibliche Geschlecht ist nichts weniger als anmuthig; hagere Körper, etwas schwulstige Lippen mit vorstehenden oberen Schneidezähnen, glattrasirte Köpfe. Diese Gestalten hüllen sich in einen weiten, rothbeschmierten Ledermantel und beschweren panzerartig den Hals mit Ringen von dickem Eisendraht und Arme und Beine mit dichten Metallspiralen, die Ohren mit Gehängen von Perlen und Messingschnecken.

Die Masai scheinen einen wirklichen Nationalstolz zu besitzen; sie verachten die sie umgebenden ackerbautreibenden Völker. Sie haben weder Sklaven noch Sklavinnen. Das Rind ist ihnen alles; sie hegen und pflegen dasselbe fast mit Zärtlichkeit, dafür kämpfen und sterben sie.

Das ganze Masai-Volk besitzt eine Art von gemeinschaftlichem Oberhaupt, einen Hohenpriester, Mbatian genannt, der sich meistens im Gebiet Kisongo bei dem Berge Meru aufhält. Er bezeichnet Richtung und Zeitpunkt der großen kriegerischen Unternehmungen und verleiht durch besondere Zaubermittel die sichere Aussicht auf Erfolg; sein Rath wird von allen gesucht und ist entscheidend.

Sonst leben die Masai in patriarchalischer Verfassung sippenweise beisammen. Jede Sippe hat ihren eigenen Zauberer oder Priester, Leibon, der die bösen Geister beschwört und Regen erwirkt. Hat er Miserfolg, so wird er abgesetzt oder in schwerern Fällen sogar ermordet.

Von Bedeutung für den auswärtigen Verkehr ist, daß jede der drei Klassen der Elmorua einen Sprecher, Leigwenan, besitzt.