Er leitet mit großer Beredsamkeit die Unterhandlungen und hält auf parlamentarische Ordnung. Nur wer es versteht, ihm richtig zu antworten und kluge Gegenvorstellungen zu machen, ist ein brauchbarer Dolmetscher im Masai-Lande. Man begrüßt sich durch Händeschütteln. Der ausgespuckte Speichel gilt als Zeichen der Weihe. Der Leibon spuckt dem ihn Besuchenden auf die Hand; ebenso verlangen die Masai, daß der Europäer, wenn er als Zauberer geachtet wird, allen, soviel sie auch sein mögen, in die Hand spucke. Ein verkaufter oder verschenkter Gegenstand muß angespuckt werden, zum Zeichen, daß man endgültig auf seinen Besitz verzichtet.

Die Sprache ist ganz verschieden von dem Bantu-Dialekt; gezählt wird nur bis funfzig entweder mit Worten oder mit einer eigenthümlichen Fingersprache.

Da das unausgesetzte Wanderleben das Anlegen von Dorfschaften unmöglich macht, so erbauen die Masai ihre Hütten auf die einfachste und flüchtigste Weise: über einige in den Boden gesteckte und zusammengebogene Stangen werden Häute gelegt und diese mit Kuhmist eingedeckt. In dem durch Dornhecken geschützten Kreis von Hütten lagert nachts die Heerde. Das Weib verrichtet alle häuslichen Arbeiten, erhält zur Nahrung Eingeweide und Gehirn der geschlachteten Rinder, Ziegenfleisch und Ziegenmilch und darf sich Pflanzenkost bei benachbarten Ackerbauern erhandeln. Es genießt im Verkehr außerhalb des Stammes große Freiheiten. Die Frauen können unbelästigt selbst diejenigen besuchen, die mit ihren Männern und Brüdern in Fehde stehen; sie bringen den Karavanen Nahrungsmittel und oftmals heimliche Botschaft von drohenden Ueberfällen. Bei den Wanderungen haben sie einen Theil der Lasten zu tragen; das schwere Gepäck wird auf Ochsen und Eseln verladen. Letztere sind wahrscheinlich von Norden eingeführt und gelten als das charakteristische Lastthier der Masai.

Die Wakuafi gehören auch zum Stamm der Galla; ob zu dem der Masai, erscheint sehr fraglich. Denn sie werden von den letztern verachtet oder auf das feindseligste verfolgt. Der Hang zur Seßhaftigkeit ist ihnen, im directen Gegensatz zu den Masai, eigenthümlich und damit die Neigung zu mildern Sitten. Es dürfte demnach die Annahme richtig sein, daß sie, ein gesonderter Stamm, aus den frühern Wohnsitzen zwischen Kilimandscharo und Naiwascha-See von den Masai theilweise versprengt wurden und ihre Niederlassungen da gegründet haben, wo ihre Feinde sie duldeten oder wo sie vor denselben Schutz fanden. Derartige selbständige Wakuafi-Ansiedelungen befinden sich im Kilimandscharo-Gebiet in Klein-Aruscha und Kahe, wahrscheinlich auch in Komboko. In Taveta leben sie vermischt unter den Einheimischen.

Im äußern Habitus und in vielerlei Sitten gleichen sie den Masai. Statt der Viehzucht, welche die räuberischen Horden anlocken würde, treiben sie Ackerbau. Ihr Benehmen ist friedliebend, treu und zuverlässig. Die Pangani-Karavanen lassen sich bei ihnen in Aruscha nieder, deponiren hier vertrauensvoll einen Theil ihrer Waaren, während sie ihre Streifhandelszüge in das eigentliche Masai-Land unternehmen.

Die Wandorobbo zählen zur Gruppe der Völkersplitter. Niemand weiß, woher sie kamen und zu welchem Stamm sie gehören. Sie sind ausschließlich nomadisirende Jäger; in dringender Noth vermiethen sie sich als Rinderknechte an die Masai, die sie verächtlich behandeln. Man trifft ihre im Dickicht versteckten Hütten in größerer Anzahl bei Useri an der Ostseite des Gebirges. Ihre Sprache wird nur von den Stammesangehörigen verstanden. So furchtsam und mistrauisch ihr Benehmen gegen die Nachbarstämme ist, so tapfer und schlau zeigen sie sich bei der Jagd auf Elefanten. An sie wenden sich gelegentlich die Karavanen beim Einkauf von Elfenbein.

Politische Verhältnisse.

Muini Mkoma soll vor 150 Jahren aus dem Pangani-Thal gekommen sein und am Fuß des Kilimandscharo das Fürstenthum Kilema gegründet haben. Sein Urenkel Masaki war noch 1848 der mächtigste Herrscher in Dschagga; nach dieser Zeit galt als solcher Mamkinga von Madschama und blieb es mindestens bis zu Anfang der sechziger Jahre.

Gegenwärtig genießt Makindara oder (auf Kisuaheli) Mandara in Moschi den Ruf, die umfangreichste Gewalt zu besitzen, aber doch nur insofern mit Recht, als er die größten Raubzüge im Verein mit den Masai gegen Useri oder Ugono unternimmt; denn unterthan sind ihm keine andern Häuptlinge.

Mandara war zu den Zeiten Rebmann’s ein Knabe, zur Zeit von der Decken’s ein Jüngling, bei Thomson, Johnston und Dr. Hans Meyer ein Mann. Er hat immer Nutzen aus dem Besuch von europäischen Gästen gezogen und ist so klug, ihren dauernden Aufenthalt zu wünschen, denn sie müssen sich seinen freundschaftlichen Erpressungen fügen und vermehren auf diese Weise ständig seine Einkünfte. Von ähnlich zuvorkommender Gesinnung ist Mareale, der Beherrscher von Marangu.