Wieviele selbständige Fürstenthümer am Kilimandscharo andauernd existirt haben oder noch existiren, läßt sich aus den verschiedenen Reiseberichten nicht sicher entnehmen. Mit einiger Bestimmtheit kann man gegenwärtig vier unabhängige Staaten nennen: Madschama, Moschi, Marangu und Rombo. Jeder Staat hat seinen König, Mangi; er ist unumschränkter Herr des Landes und des Volkes; selbst über die Ehen verfügt er. Er ruft alle Jünglinge und Männer, die waffenfähig sind, zusammen und überfällt bei günstiger Gelegenheit die Nachbarn. Doch ist er durch die Sitte gezwungen, bei kriegerischen Unternehmungen den Rath der Aeltesten anzuhören, die Siegesbeute und auch den Tribut der Karavanen mit seinem Volke zu theilen.
Die Gemeinden von Taveta, Kahe und Klein-Aruscha besitzen eigene Häuptlinge und sind voneinander und von den Nachbarstämmen politisch unabhängig.
Schlußbetrachtung.
Das Kilimandscharo-Gebiet liefert alle Nahrungsbedürfnisse in reichlichster Fülle: Getreide, Gemüse und Bananen von ganz besonderer Güte; Milch, Honig; Rinder, Schafe, Fische; in geringerer Menge Zuckerrohr und Taback.
Da das Land schwach bevölkert ist, so kann durch vermehrten Ackerbau die Production gesteigert werden.
Exportirt werden hauptsächlich Elfenbein, auch Straußenfedern. Der Wildreichthum bietet in Bezug auf Erwerb werthvoller Häute die lohnendsten Aussichten.
Als Importwaaren werden gesucht: Baumwollzeuge, Messing- und Eisendraht; weiße, rothe und blaue Perlen.
Zu europäischen Niederlassungen mit Negerarbeit eignen sich Klein-Aruscha, Kahe, Taveta, Rombo und die von der offenen Ebene direct erreichbaren Dschagga-Landschaften Marangu, Moschi und Madschama. Der Verkehr längs oder am Fuße der Gebirgsterrasse ist wegen der tiefeingerissenen Flußthäler und des Sumpfwaldes sehr erschwert.
Die Production über den Localbedarf und zum Zwecke des Exports findet zur Zeit zwei wesentliche Hindernisse: die Entfernung von der Küste und den Mangel an Arbeitern. Der Weg von Taveta nach Mombas, durch eine wasserlose Steppe führend, beträgt 250 km oder 14–18 Tagemärsche der Karavanen; die mit Wasser und Lebensmitteln besser versorgte Route von Taveta längs der Berge von Pare und Usambara nach Pangani beträgt über 300 km oder 21–24 Tagemärsche; zur Regenzeit ist sie streckenweise wegen der Ueberschwemmungen ungangbar. Den Fluß Pangani als Wasserstraße zu benutzen, ist wegen der Stromschnellen unmöglich.
Der Mangel an Arbeitern beruht auf der Unlust der Wadschagga, auch nur kurze Zeit ihrem kriegerischen Faulenzerleben zu entsagen. Daß die zum Ackerbau geneigteren Wakuafi bei der Aussicht auf Erwerb und bei zunehmender Sicherheit von Person und Eigenthum zur Einwanderung in größerer Menge sich bewegen ließen, ist nicht unwahrscheinlich, doch eine bisjetzt noch nicht praktisch erprobte Lösung der Arbeiterfrage.