Jedenfalls, das dürfte unbedingt feststehen, erheischt die Colonisirung des Kilimandscharo-Gebietes im großen Stil in erster Linie den Bau einer Eisenbahn zur Verbindung mit dem Meere. Die kürzeste und billigste Verbindung wäre die von Taveta nach Mombas in der englischen Interessensphäre. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Eisenbahnbaues hängt ab von kaufmännischen und colonisatorischen Unternehmungen der Engländer in der Richtung gegen den Victoria-Nyanza und in dem Aufblühen deutscher Niederlassungen am Kilimandscharo. Beides dürfte noch in ferner Zukunft liegen.

Zur Zeit können in dem fraglichen Gebiete mit der Aussicht auf baldigen Ertrag nur Stationen errichtet werden, welche bezwecken, das Wild zu erlegen und die gewonnenen Häute als Handelsartikel zu verwerthen. Der Transport nach der Küste ließe sich durch Verwendung der Masai-Esel und Ochsen erleichtern. Den Elfenbeinhandel hier an der Quelle auf eigene Kosten zu betreiben, erscheint verlockend; die Erfahrung in andern ebenso günstig gelegenen Plätzen hat aber gelehrt, daß kein Europäer im Stande ist, so billig und geschickt Elefantenzähne zu kaufen, wie der mit den Verhältnissen auf das genaueste vertraute Araber und Suaheli.


Das Wami-Gebiet mit Aseguha, Nguru und Asagara.

Allgemeine Gestaltung.

Das Land vom Pangani bis zum Kingani hebt sich von dem durchschnittlich 10 km breiten, niedrigen Küstenstreifen von Ost nach West mit einer Zunge zwischen Wami und Gerengere in zwei Terrassen zu einer durchschnittlichen Höhe von 500 m empor. Auf der zweiten Terrasse fußt die Gebirgsmasse von Nguru und Usagara.

Die erste Terrasse ist im Norden vom Thale des Pangani und im Süden von jenem des Gerengere und des Kingani begrenzt. Ihre westliche Grenze zieht sich von dem Pangani-Ufer, gegenüber der Mündung des Luengera, in fast direct südlicher Richtung über Konde nach Mbusine und wendet sich von hier, dem Wami-Makata stromaufwärts bis zur Mündung des Miombo folgend, mit einer Schleife nach Süden, rückwärts über Kisukara nach dem Oberlauf des Gerengere. Sie steigt von der Küstenniederung rasch zu 250 m, dann ganz allmählich bis zu 333 m bei Kidudwe und bis zu 360 m in der Makata-Ebene empor. Ihre Breite beträgt zwischen Ndumi und Mbusine 75 km.

Die zweite Terrasse liegt als ein 15–20 km schmaler Streifen vor dem Ostabhang der Nguru- und Kidete-Berge in einer zwischen 330 und 700 m wechselnden Höhe. Ihre westliche Grenzlinie beginnt nach den bisjetzt angestellten Höhenberechnungen im Norden bei Lutyomo (508 m) am Pangani, geht nach Süden bei Muango (734 m) über ihre höchste Erhebung nach Kurimba (638 m), dann westsüdwestlich nach Kidudwe in Nguru und bildet in Usagara die obere Thalstufe des Wami, von 397 m bei Mvomero bis zu 481 m bei Farhani ansteigend, und schließt den südlichen Theil der Makata-Ebene von Muhanda (492 m) bis Kikoboga (513 m) ab.

Die auf der zweiten Terrasse sich erhebende Bergmasse ist eine zusammenhängende Gebirgskette, die mauerartig von Nord nach Süd und Südwest, von der Masai-Ebene bis zum Quellgebiet des Ulanga und zum Nordende des Nyassa-Sees sich ausdehnt. Das nördliche Massiv, im Süden vom Wami begrenzt, wird als Nguru-Gebirge bezeichnet. Wir besitzen noch keine sichere kartographische Aufnahme von demselben; wir sind auf die wenig exacten Aufzeichnungen des englischen Missionars Last beschränkt. Wir kennen weder die Ausdehnung nach Westen, noch die nach Norden oder Osten; wir kennen nur die Begrenzung im Süden. Für die Größe und für den Verlauf der Erhebung dienen allein zwei sichergestellte Punkte: im Norden das Hochthal von Mgära 1170 m und im Süden (nahe der Mündung des Luseru) Mkunga 365 m. Ferner mag die Annahme richtig sein, daß das Nguru-Gebirge aus einer (noch nicht bestimmten) Anzahl von Hügelreihen besteht, die parallel nach Süden verlaufen und in welche kleinere Querthäler eingebuchtet sind.

Das Nguru-Gebirge setzt sich in einem südwestlichen Bogen unter dem Namen der Kidete-Berge in die Landschaft Usagara fort. Diese nehmen die linke Thalseite des Wami-Makata bis Kondoa ein. Von hier steigen sie (unter keinem bekannten besondern Namen) zur höchsten Erhebung (1800 und 2100 m) in Usagara empor, über deren Paß (1876 m) der Weg vom Mukondogwa- nach dem Ruaha-Thal führt. Nach Nordwesten zweigt sich das Rubeho-Gebirge ab, welches zwischen der Kleinen und Großen Marenga-Mkali eine vielbegangene Einsattelung, den Windi-Paß (1737 m), besitzt und nach Norden in die Ebene von Mbambwa (986 m) abfällt. Im Halbkreis umschließt es zwischen dem Rumuma und Matamombo die Hochfläche der Kleinen Marenga-Mkali (852 m über dem Meere), welche der Oberlauf des Wami als Ugombe durchströmt.