Der dreieckförmige Theil des nördlichen Usagara zwischen Makubika, Mbambwa und Kondoa ist in seinem Innern noch so wenig erforscht, daß ein sicheres orographisches Bild von ihm nicht gegeben werden kann. Doch haben die bisherigen Reiseberichte folgende Anhaltspunkte geliefert. Die Basis des Dreiecks Makubika-Mbambwa steigt in sich von 815 m zu 986 m an und liegt um 334 m, bezw. 505 m höher als das Flußthal des Mukondogwa bei Farhani, der Spitze des Dreiecks. Fünf Wasserläufe, der Loonga, Sima, Mtate, Mlali (?) und Matamombo durchkreuzen die Basis oder beginnen nahe südlich derselben; ihre Richtung muß im allgemeinen eine südliche sein. Nördlich geht die Basis theils in die ansteigende Ebene zum Fuße des Nguru-Gebirges, theils in die große Masai-Ebene über. Zwischen den parallelen Wasserläufen ziehen in verschiedener Erhebung gegen das Mukondogwa-Thal herab:
Die Niangara-Berge,
die Ruembe-Berge,
die Kleinen Rubeho-Berge mit einem Paß von 1368 m,
die Höhen von Mlali, 1127 m,
die Kiboriani-Berge, 1800 m.
Mit Ausnahme der letztern verflachen die Höhenzüge rasch an ihren nördlichen Ausläufern.
Das Gestein der Gebirge in Nguru und Usagara ist durchgehends Gneis und Hornblende mit Einlagerungen von Grünstein, Schiefer und Sandstein; die Färbung der Erde vorherrschend roth und grauroth. Die Umrisse der Berge wechseln auf das mannichfaltigste; oftmals erscheinen sie in wildgezackten Felsengraten, oftmals thürmen sich waldbedeckte Gipfel dicht hintereinander auf oder sie liegen, wenn von Süden betrachtet, als breite Kuppelmassen da: immer aber gewähren sie einen malerischen Anblick.
Flußsystem.
Der Wami fließt von der Hochfläche bei Ndiabi in allgemein westlicher Richtung nach der Küste und mündet in zwei Armen südlich von Saadani in den Indischen Ocean. In Useguha nur als Wami bekannt, führt er in Usagara von West nach Ost folgende Namen: Ugombe, Mukondogwa und Makata.
Nimmt man den längsten und stärksten Flußlauf als den Hauptstrom an, so muß der Beginn des Wami in dem Ugombe gesucht und deshalb sein Ursprung in das Rubeho-Gebirge, in die Umgebung des Großen Rubeho-Passes (1737 m) verlegt werden. Als ein reißendes Gebirgswasser tritt er in die Wüste der Kleinen Marenga-Mkali (852 m) und erscheint in einem breiten Bett mit niedrigen Ufern vor dem Bergthor von Ndiabi (738 m). Sein Lauf durch diesen Theil des Usagara-Gebirges ist als das Mukondogwa-Thal bekannt. Bei Sima (Muinin-Sagara) hat der Fluß in der Trockenzeit eine Breite von 45 m und nach dem Ausgang bei Kiora eine solche von 90 m. Die Uferränder sind, wo sie nicht dicht an die Abhänge sich anschließen, schilfig und morastig. Die ihn umgebenden Höhen sind theils dicht bewaldet, theils auf felsigem Grund mit Dorngebüsch besetzt; an vereinzelten Stellen bieten sie Raum für den Anbau von Feldern und zum Einnisten von Dorfschaften. Das Entzücken über die Schönheiten des Mukondogwa-Thales, das namentlich Stanley ausgesprochen, hat seinen Grund mehr in der Wirkung der malerischen Reize, als in der Existenz ausgiebiger Culturfähigkeit.
Bei Mbumi tritt der Wami in die 110 km lange, 30 km breite Makata-Ebene ein. Sie ist unfruchtbare Savannenwildniß, bei Regenzeit vollständig überschwemmt. Oestlich von den Bergen von Ukami und westlich von den Kidete-Bergen eingerahmt fließt der Wami in nördlicher Richtung bis Kwadibago, wo er an den Fuß der Nguru-Berge anstoßend nach Osten sich wendet. Hart am Ufer mit Dschungel, Wald und Schilf umgeben, ist die weitere Umgebung von Mbumi in Usagara bis westlich Mandera in Useguha uncultivirbare Savannenfläche, am rechten Ufer nur durch die nahegelegenen, ungefähr 5–600 m hohen Pongwe-Berge unterbrochen. Von Mandera bis Mlonga durchbricht er in einem engen, steilen Thal und mit vielfach gewundenem Lauf die Hügel von Udoë, um in zwei schmale Arme getheilt und durch Sumpfwaldungen hindurch bei Saadani kaum bemerkbar in das Meer sich mehr zu verlaufen als zu ergießen. Seine Tiefe beträgt bei Kakongo in der Makata-Ebene 2 m, bei Udoë nur noch 1 m, in der Trockenheit 0,3 m, an der Mündung selbst 2,4 m. Der Wami ist demnach kein schiffbarer Fluß, auch nicht für geringere Strecken.
Der Wami nimmt von Norden 13 und von Süden 4 größere Nebenflüsse auf.
Vor dem Eintritt in das Mukondogwa-Thal bei Ndiabi vereinigen sich mit ihm, von Nordwesten und Norden strömend: