Vegetation und Thierwelt.
Das Vegetationskleid, das die Natur über das Wami-Gebiet geworfen, ist im allgemeinen ein monotones: Savannen mit Dorngebüsch und lichtem Gehölz über die Ebenen, geschlossene Wälder über die Berge, streifenweise dazwischen Wiesenflächen und fruchttragende Felder. Die Aecker liefern Mais, Hirse, Maniok, ein weniges an Bananen und Taback. Von Bäumen sind zu nennen: die Deleb- und Dumpalme, die Bambusen in Fülle, die Sykomore, der Wollbaum und als besondere Eigenthümlichkeit der Miombo. Ferner gibt es in großer Menge Kalebassen (Bugu) und einen Baum, genannt Mkoma, der einen Stammumfang von 3½ m, angenehm schmeckende Steinfrüchte, und ein Holz, ähnlich dem Rosenholz besitzt, aus welchem Bogen und Pfeile geschnitzt werden. Die Kokospalme kommt nur in der Küstenniederung vor.
Trotz des vorhandenen großen Wasserreichthums ist die Culturfähigkeit eine beschränkte; sie zeigt sich nur an jenen Stellen an und in dem Gebirge, wo dichter Waldbestand die Feuchtigkeit langsam absickern läßt und mäßig geneigte Hänge den verwitterten Gneis als feinkörnigen Schwemmboden am Thalrand absetzen, wie dies am günstigsten in Nguru der Fall zu sein scheint. An den beiden Ufern des Wami auf der ersten Terrasse wird der Laterit von einer sehr dürftigen Humusschicht bedeckt. Die große Makata-Ebene ist ein zäher, uncultivirbarer Thonboden. Das Hochland der Kleinen Marenga-Mkali und das breite Matamombo-Thal tragen den ausgesprochenen Charakter dorniger, steiniger Steppe.
Ueberall, wo es hier Savannenland gibt, gibt es auch Heerden von Antilopen, Zebra und Giraffen; dazu gesellen sich in der Makata-Ebene Büffel und Wildschweine; in der Umgegend von Mbambwa das Nashorn und südwestlich des Nguru-Gebirges noch der Elefant, Löwe und Leopard. Hervorragend wildreich ist die Ebene am Westrande der Kleinen Rubeho-Berge bei Tubugwe gefunden worden. Der untere Wami wimmelt derart von Flußpferden, daß die Fahrt in den allein verwendbaren flachen Booten sehr gefährlich ist.
Als Hausthiere werden überall Ziegen, Hühner, auch Schafe gehalten; in seltenern Fällen Rindvieh. Man trifft nur in einigen Thälern Ngurus, in Usagara nur bei Kitangi, Mbambwa, Manjovi und Murundusi (bei Ugogi) auf größere Rinderheerden.
Von kleinem Gethier, das dem Menschen das Dasein erschwert und den Aufenthalt verleidet, sind hervorzuheben:
Die Tsetsefliege; sie zeigt sich auf der ganzen Karavanenstraße von Saadani bis tief nach Usagara hinein; ihrem Stich erliegen Ochsen, Maulthiere und Esel; sie soll übrigens nur in den Wäldern und Dschungeln hausen und das offene Feld vermeiden.
Die weiße Ameise; sie bevorzugt den rothen Thonboden und wandert in breiten Massen meilenweit; alles was nicht von Stein oder Eisen ist, zernagt und zerstört sie; sie läßt sich nur durch Feuer oder kochendes Wasser vertreiben; um doch etwas zu nützen, dient sie den Eingeborenen als Gewürz in den sonst geschmacklosen Mehlsuppen.
Endlich die Ohrwürmer von Mbambwa; an und für sich unschädlich wie bei uns, treten sie aber dort in solchen Massen auf und überkriechen derart die verborgensten Kleidungsstücke des Reisenden, daß Nacktheit und Flucht als die einzige Rettung erscheinen.