Useguha mit Udoë und Ukwere.

Die Grenzen der auf der Karte eingetragenen Landschaften können absolut keinen Anspruch auf Exactheit machen, denn sie sind nicht durch politische Verhältnisse geschaffen, sondern von den jeweiligen Reisenden als der Umfang einer annähernd einheitlichen Bevölkerung bezeichnet worden, und zwar entweder nach eigener Erfahrung oder auf Grund von Erkundigungen. Die Bevölkerung selbst aber ist, namentlich an den Grenzgebieten, stark fluctuirend, und was vor zehn Jahren vollkommen correct angegeben wurde, kann heutzutage in demselben Maße ungültig sein.

Useguha, also das Land, in welchem die Waseguha wohnen, greift mit seiner Nordgrenze über den Pangani hinüber bis zum Fuß des Usambara-Gebirges; die Westgrenze liegt vor dem Ostrand der Nguru-Berge, dessen ungefähre Lage wol in der Nähe des 38. Längengrades gesucht werden muß, aber keineswegs sichergestellt ist.

Von Kidudwe, dem südöstlichen Eckpunkt von Nguru, verläuft vermuthlich die Grenze in einem kurzen westlichen Bogen zum Fluß Gerengere, auf dessen südlicher Seite die Berglandschaft Ukami sich erhebt. Die Gegend von Msuwa und die Bezirke von Ukwere und Udoë, an das Thal des Kingani herantretend, trennen im Süden und Südosten Useguha von Usaramo.

Die Küste Useguhas vom Pangani bis zum Kingani bildet ein Stück jener flachen Niederung, welche von Mombas bis zum Rufidschi gleichmäßig mit dem Namen Mrima bezeichnet wird. Dicht an der See besteht sie aus Sand, weiter landeinwärts aus braunrothem Lehmboden, welchen Savanne oder strichweise Mais-, Hirse- und Maniokculturen bedecken und besonders Baumwollstauden mit für den Hausbedarf reichlichem Erträgniß, und schließt mit einem Buschwald von Akazien-, Kandelaber-Euphorbien, Dumpalmen und Kopalbäumen ab.

Der Hauptort an der Küste ist Saadani, ein Dorf auf einem grünen, schlammigen, mit Mangrovegebüsch bewachsenen Grund, unter Palmen versteckt, von einem aus Baumstämmen und Aesten hergestellten Palissadenzaun und von hohen Sandbänken und Dämmen umgeben. Saadani scheint ehemals von größerer Bedeutung gewesen zu sein; Burton sah 1858 noch die Ruinen von zwei Moscheen. Es ist jetzt der Ausgangspunkt der Karavanen nach Useguha und Nguru. Der Hafen ist ganz offen, durch keine Bänke geschützt. Die Seeschiffe müssen 5 km entfernt auf offener Rhede verankern; nur bei Flut können Barken bis zu einer nördlich gelegenen Sandbank gelangen; die letzte Strecke (1–1½ km) muß durchwatet werden. Am Nachmittag wird das Landen durch die herrschende Brandung erschwert, in den frühen Morgenstunden aber bei ruhigem Wasser leichter bewerkstelligt.

Die Karavanenstraße führt von Saadani nach Kidudwe in Nguru (140 km) in westlicher Richtung. Nach 8 km wird bei Ndumi (94 m ü. d. M.) die erste Terrasse erstiegen, deren höchster Punkt bei Magubika 339 m über dem Meere liegt. In Ndumi (25–30 Hütten) trifft man die letzten Kokospalmen an. Man hat früher geglaubt, auf dieser Strecke, von Saadani über Kidudwe nach Farhani, einen besser gangbaren Weg nach Usagara gefunden zu haben, als ihn die Ukami-Route Bagamoyo—Simbamweni—Farhani bietet, weil auf jenem die sehr schwierige und lästige Durchquerung der Makata-Ebene vermieden werden konnte. Ja, die Engländer unter Rev. Price machten sich im Jahre 1876 sogar ans Werk, die Straße für Ochsenfuhrwerk benutzbar herzurichten. Allein dies Unternehmen scheiterte vollständig, nicht nur wegen der hier vorkommenden Tsetsefliege, sondern auch wegen der vielen schwer passirbaren Dschungeln und der tief eingerissenen Bach- und Flußrinnsale, die bei Regenwetter mit tosenden Gewässern sich anfüllen.

Von Ndumi bis Kidudwe wechselt die Gegend zwischen Savanne und dichtem Wald; westlich von Magubika erschwert stundenlang ein stacheliges Gestrüpp auf morastigem Boden das Vorwärtskommen, und zwischen Matungu und Kidudwe liegt eine unbewohnte, dornige Savannenwildniß von 30 km Ausdehnung. Hier und da zeigt sich bebautes Land, so bei Mkange und Msisi; am günstigsten erschien die Lage von Mbusine am Rukigura, weshalb denn auch hier eine deutsche Station, Petershof, gegründet wurde. Allein trotz der Schilderung üppigster Vegetation an den mit Dörfern reichbesetzten Gehängen des Rukigura-Thales muß die Rentabilität der Plantage stark bezweifelt werden, weil der Lateritboden von einer viel zu dünnen Humusschicht bedeckt wird.

Schlägt man von Mbusine eine direct nördliche Richtung ein, so gelangt man nach Durchschreitung einer Waldzone in die offene und fruchtbarere Gegend von Konde und an den von West nach Ost fließenden Mligasi, der nördlich von Saadani das Meer erreichen soll. Bei Kurimba (638 m) gewinnt man die zweite Terrasse von Useguha, die bei Muango (734 m) mit dem Berg Kiwa ihre höchste Erhebung erreicht und dann langsam zum Thal des Pangani bei Lutyomo (508 m) abfällt. Graf Pfeil, der als erster Reisender dieses Stück Land 1887 durchwanderte, schildert die Umgebung des Kiwa bis Kiambo als besonders fruchtbar, den graurothen Boden lehmhaltig. Quellen und Bäche sind nicht zu sehen; die Eingeborenen holen das Wasser aus nur ihnen bekannten Vertiefungen. Wasserlose Steppe und lichtes Gehölz bedecken den nördlichsten Theil von Kiambo bis zum Pangani, dessen rechtes Ufer bis zur Küste den gleichen Landschaftscharakter trägt und auf dem nur zuweilen ein dichter Niederwald, ausgezeichnet durch die mächtigen Ranken der Landolphia, erscheint.

Südlich von Mbusine bis zum Gerengere erstreckt sich mit einer Erhebung bis zu 432 m eine wasserlose, mit Dorngebüsch und stacheligem Gras bedeckte und durch nackte Kiesflächen unterbrochene, unbewohnte Gegend.