Udoë und Ukwere liegen am rechten Ufer des Wami. Udoë bietet, sowie man den südöstlichen, ausgetrockneten Grenzstrich überschritten, ein ziemlich erfreuliches Bild dar: Hügelreihen, waldbedeckte Abhänge, in den thonhaltigen Thalgründen gutbebaute Felder und auf den kurzgrasigen Wiesen ein Blumenmeer von Lilien und Narcissen. Aber das Wasser ist brakisch und kaum trinkbar. Von Simbambili führt der Weg über Mlonga zu dem durch Berge eingeengten Wami und am nördlichen Ufer auf steilem Fußpfad zu der französischen Missionsstation Mandera, die in einem durch viele Arbeit gewonnenen Gartenland ein ziemlich angenehmes Dasein fristet.
Ukwere ist armseliges Savannenland mit Buschwald. Der Weg von Rosako nach Mfute am Wami (bei der Mündung des Rukigura), von den von Bagamoyo nach Nguru und Usagara ziehenden Karavanen benutzt, bietet keine wesentlichen Hindernisse, er trifft sogar bei den Pongwe-Hügeln, die, 5–600 m hoch, die Ausläufer des Bergzuges bei Mandera sein dürften, trotz des rothen, zähen Lehmbodens auf eine mit zahlreichen Fächerpalmen und Ricinusbäumen geschmückte Gegend; aber der südliche Theil, den die Straße von Rosako zum Gerengere und nach Ukami durchzieht, birgt westlich von Mbiki ein 16 km breites, mühselig zu durchschreitendes Dschungeldickicht. Bei Msuwa und Kisimo beginnt der Boden an Fruchtbarkeit zuzunehmen. In dem welligen, zum Gerengere führenden Gelände liegen zahlreiche Ortschaften, und Musondi zeichnet sich durch schöne Wiesengründe, ja durch Bananenpflanzungen aus. Die Tsetsefliege soll nach Cameron’s Bericht hier nicht existiren.
Bevölkerung.
Die Waseguha sind von mittlerer, etwas schmächtiger Statur, braun oder schwarzbraun, mit krausem Kopf und Barthaar; die mittlern Schneidezähne werden ausgefeilt. Sie tragen einen Lendenschurz von Zeug oder Leder, begnügen sich aber gelegentlich mit Palmblättern. Wenn auch noch Schwerter, Pfeil und Bogen bei ihnen gesehen werden, so haben sie doch längst das Feuergewehr als Hauptwaffe sich erkoren. Dieses verschaffte ihnen auch einst die Möglichkeit, die schlechter bewaffneten Wasambara von dem nördlichen Ufer des Pangani in die Berge zu vertreiben und in dem Thale selbst sich dauernd niederzulassen. Sie erscheinen überall im Norden und Süden, wie auch die Wakwere, ihre Stammesgenossen, als fleißige Ackerbauer.
Derjenige Theil der Bevölkerung, welcher die Mrima oder die Küstenniederung bewohnt, hat sich ganz und gar dem Einfluß und der Nachäffung arabischer Sitten ergeben: es sind das die Wamrima. Sie tragen Fes, Hüften- und Schultertuch; die Weiber ein Sackkleid, das unter den Armen über die Brust gebunden bis zum Fußgelenk hinabreicht. Sie gelten als ein faules, heruntergekommenes, unzuverlässiges Volk, dessen Intelligenz in der Erfindung der glaubwürdigsten Lügen gipfelt.
Zu den übrigen Bewohnern der Mrima gehören die Suaheli, das sind Eingewanderte aus der Umgegend von Mombas und von der Insel Sansibar. Suaheli heißt allgemein und eigentlich jeder Neger, der entweder auf der Insel Sansibar oder auf dem Küstengebiet zwischen Lamu und Mombas geboren, also in den ersten Niederlassungen der Vollblutaraber seßhaft geworden ist. Der Suaheli ist Mulatte, das Product der Verbindung eines Arabers mit einer Negerin. Doch auch die Kinder von Mulattenältern rühmen sich Suaheli zu sein. Vom Araberthum haben sie die gekrümmte Nase, vom Negerstamm die wulstigen Lippen und den Prognathismus erhalten. Sie sind kurzköpfig. Ihre sie auszeichnende Tracht ist der Turban und ein langes, gelbes Oberkleid. Sie betrachten sich allein als die berechtigten Herren des Festlandes, den Araber von Oman aber als Eindringling. Mit dem größten Mistrauen begegnen sie den Beamten des Sultans von Sansibar.
Die Wadoë bilden durch ihre Sitten und ihr abgeschlossenes Stammesleben eine merkwürdige Enclave unter den Waseguha. Von jeher dem Glauben ergeben, daß die Einsetzung oder die Bestattung eines Häuptlings nur durch ein Festmahl von Menschenfleisch richtig und würdig gefeiert werden könne, waren sie, da das Verzehren der Stammesgenossen gegen die Sitte ging, auf Menschenraub in den benachbarten Bezirken angewiesen. Da sie auch an Karavanen sich vergriffen und die Sicherheit des Handelsverkehrs bedrohten, unternahmen die Araber einen Vernichtungskrieg gegen sie, aber nur mit halbem Erfolg. Sie wurden nur in engeren Raum zusammengedrängt. Man behauptet, sie seien stamm- und sprachverwandt mit der Bevölkerung von Manyema, westlich vom Tanganika-See. Sie besitzen ein einheitliches souveränes Oberhaupt; 1884 war es der steinalte Simbambili, dessen vierzig Kinder seine Herrschaft im ganzen Lande befestigten. Eine Art staatlicher Organisation besteht, indem Udoë in vier Districte eingetheilt ist. Die Wadoë sind fleißige Ackerbauer, schön und kräftig gebaut. Den französischen Missionaren, die von der Küste nach Mandera reisen, kommen sie stets mit Freundlichkeit entgegen.
Mit Ausnahme von Udoë und der Mrima, in welch letzterer der Sultan von Sansibar seinem einheitlichen Wirken durch die Walis wenigstens dem Namen nach Geltung verschafft, existirt in ganz Useguha keine größere politische Gemeinschaft als die der einzelnen Dorfschaften unter ihren voneinander unabhängigen Häuptlingen.
Nguru.
Das Gebirgsland, in dem der Luseru und der Rukigura entspringen und das diese mit vielen Nebenflüssen durchströmen, heißt Nguru. Eine schärfere Begrenzung läßt sich nur für die südliche Abdachung angeben. Das Stück des Wami, südlich von Kidudwe bis zur Mündung des Mvomero, ist die Südgrenze von Nguru.