Diese Abdachung bildet die zweite Terrasse des Wami-Gebietes; sie erhebt sich von 333 m bei Kidudwe bis zu 397 m bei Mvomero und setzt sich nach Usagara fort. Sie ist unwirthbares Savannenland mit Busch, mit morastigen Strecken östlich und mit dichtem Waldgestrüpp westlich von Mkindo. Nur in dem 10 km breiten Thal von Kidudwe und an den Ufern des Luseru bei Mkunga genießt man den Anblick einer fruchtbaren Landschaft.
Da das Gebirge zum größten Theil mit geschlossenen Wäldern bedeckt ist, bietet das Innere günstigern Boden zum Anbau. Eine ausführliche Schilderung des ganzen Umfanges verdanken wir einem einzigen Reisenden, dem englischen Missionar Last. Wenn sie auch möglicherweise etwas zu optimistisch gefärbt ist, so erhält sie doch im Gegensatz zu der erwiesenen Unfruchtbarkeit der andern bereisten Strecken einen gewissen Grad von Glaubwürdigkeit.
An dem Nordwestrande des Gebirges aus der Masai-Ebene fließt der Luseru herab; hier mündet das Thal des Luvumo, in welchem große Rinderheerden weiden und das Zuckerrohr gedeiht. Bei Sagasa fließt der Luidschi in den Luseru; an seinen Ufern wohnt bis Mgära eine dichte Bevölkerung; Zuckerrohr und selbst Bananen wachsen hier in üppigster Fülle. Bei Kisera, durch welches die Handelsstraße vom untern Wami nach dem elfenbeinreichen Masai-Land führt und das selbst in weniger fruchtbarer Gegend liegt, nimmt der Luseru von Südwesten den Boroma auf. Er entspringt auf rauhen Höhen und durchströmt bis Kibanti ein dürres, von Büffeln, Nashörnern und Elefanten durchstreiftes Savannenland; bei Kibanti entfaltet der von klarem Wasser getränkte Boden eine derartige Fruchtbarkeit, daß trotz starker localer Bevölkerung die weitere Umgebung mit Nahrungsmitteln versorgt werden kann. Ein zweites Kibanti befindet sich weiter südlich auf den Bergen, welche das rechte Ufer des Luseru begleiten, in einem Wald von gigantischen Wollbäumen, Farrnbäumen und Himbeersträuchern. Die französische Missionsstation Mondo (Kinjumbi), 450 m über dem Meere, liegt auf dem ansteigenden Gelände des westlichen Luseru-Ufers in einer reich bewohnten Gegend von so vortrefflicher Güte, daß nach Kapitän Foot’s Meinung Kaffee-, Cacao- und Zuckerplantagen lohnenden Ertrag liefern würden. Bis nach Mkunga hinab setzt sich die Fruchtbarkeit des Luseru-Thales fort.
Bevölkerung.
Von den Wanguru wissen wir nicht vielmehr, als daß sie Ackerbauer sind, im Wami-Thal nicht in bienenkorbartigen Hütten, sondern in viereckigen, einen Hofraum umschließenden Tembes wohnen. Während sie durch Vertreibung der Waschamba sich zu Herren des Luidschi-Thales gemacht, benehmen sie sich am Luvumo gegen die eindringenden Masai so furchtsam, daß sie alles ihnen geben und leisten, was verlangt wird. Im obern Luseru-Thal legen sie die Felder inmitten der Waldungen an, umzäunen diese mit Euphorbia-Hecken und lassen nur einen schmalen, über 200 m langen Pfad, der noch durch mehrere verbarrikadirte Thore überquert wird, bis zur Eingangspforte des Dorfes frei. So suchen sie sich gegen die Wahumba zu schützen, ein tapferes, kriegslustiges Räuber- und Jägervolk.
Die Wahumba wohnen diesseit und jenseit der Höhen von Sabundila und an den südwestlichen Grenzen gegen Usagara; sie werden ihrerseits wieder von den Masai verfolgt.
Außerdem lebt noch ein anderer abgesplitterter Völkerstamm innerhalb der Berge: die Wakamba. Sie sind hauptsächlich Jäger mit Pfeil und Bogen und streifen bis zum Tanganika-See; sie verkaufen entweder die erbeuteten Elefantenzähne für Rinder an die Masai oder sie bringen sie selbst auf den Markt nach Mombas.
Die Bewohner von Nguru räumen keinem andern als dem eigenen Dorfhäuptling irgendwelche Hoheitsrechte ein, und kein Häuptling hat sich, soviel wir bisjetzt wissen, jemals zu einer hervorragenden Stellung über die andern emporgeschwungen.
Usagara.
Die Grenzlinie im Osten läuft von der Mündung des Mvomero den Wami aufwärts bis zu dem Mindu- und Rufutu-Gebirge; im Süden durchschneidet es in dem Bezirk Kirigawana’s das Quellgebiet des Ruhembe-Iowa, im Westen zieht sie sich dem Fuße des Rubeho-Gebirges entlang von Maroro über Ugogi bis Tschunjo (westlich von Mbambwa). Im Norden kann man im allgemeinen die Masai-Ebene als Grenze bezeichnen; Nsogi scheint die erste größere Masai-Niederlassung zu sein. Läßt man, vielleicht mit Recht, Gedscha (das Land der Wakaguru) als wesentlich gesonderte Landschaft nicht gelten, so trennen die Berge von Sabundila und Kisiwa im Anschluß an das Kidete-Gebirge Usagara von Nguru.