Vier Karavanenwege führen von Osten in das Herz von Usagara, nach dem Mukondogwa-Thal im engern Sinn: der erste von Nguru, der zweite von Ukami über die Makata-Ebene, der dritte von Kutu über den Goma-Paß und ebenfalls über den Makata, der vierte von Kutu über den Mabruki-Paß durch das Hochthal des Makata und am Ostrand des Rubeho-Gebirges entlang.
Der erste Karavanenweg tritt aus Nguru bei Mvomero in das Land von Usagara; er steigt auf der zweiten Terrasse bis Farhani von 397 m bis zu 481 m über dem Meere an. Dieses zur Trockenzeit ausgedörrte Savannenland mit Dschungelcomplexen und lichtem Gehölz von Akazien und Delebpalmen von ungefähr 80 km Ausdehnung wird in der Regenzeit auf weite Strecken hin zum Morast, namentlich südlich von Msuero und Rudewa. Als eine kleine fruchtbare erquickende Oase erscheint Msuero. Bei Farhani, Rehenneko und Kondoa (der französischen Missionsstation) ändert sich das Landschaftsbild noch mehr: schönbewaldete Berge treten nahe heran, eine zahlreiche Bevölkerung bestellt die von klarem Wasser durchrieselten Felder von Negerkorn, Mais und Bananen.[11] Die Ausdehnung des culturfähigen Bodens beträgt nicht viel mehr als 12 km; bei dem Eintritt in die Enge des Mukondogwa-Thales beginnt wieder die Wildniß.
Der zweite Karavanenweg überschreitet, von Simbamweni in Ukami ausgehend, eine niedrige Einsattelung der Mindu-Berge auf felsigem Grund und gelangt in die Makata-Ebene, welche aus zähem grauem Lehm besteht, in der Trockenzeit hart wie Stein wird und in tiefe Risse zerspringt, in der Regenzeit in schlüpfrigen Schlamm mit brusttiefen Rinnsalen sich verwandelt: eine breitwellige Fläche voll Riedgras mit vereinzeltem Bambusengebüsch und mit dichtem Baumwuchs an den Ufern des Makata-Flusses. Stanley brauchte zur Ueberschreitung der 30 km breiten Ebene, freilich in der Regenzeit, fünf Tagemärsche.
Der dritte Karavanenweg nimmt seinen Ausgang von Sungomero (150 m) in Kutu. Zwischen Blöcken von Schiefer, über Glimmer, Kies und Sandstein geht es im Rufutu-Gebirge steil aufwärts bis zum plateauartigen Goma-Paß (670 m). Man steht in einem Meer von Berggipfeln. Auf erst abschüssigem, dann auf sanftem Abstieg durch hohes Gras, Cacteen und Aloën kommt man nach Muhama, in eine freundliche Gegend mit Fächerpalmen, Melonenbäumen und reichen Mais- und Durra-Feldern, dann in den von niedrigen Hügeln eingeschlossenen und stellenweise von tiefen Schluchten durchschnittenen Thalgrund des Makata. Am jenseitigen Ufer dehnt sich bis zum Miombo eine Savannenfläche aus, die mit Gehölz von Delebpalmen und immergrünen Laubbäumen geschmückt ist. Am mittlern Miombo wird viel Taback gebaut. Von hier bis hinab zum Eingang in das Mukondogwa-Thal tritt ein mächtiger Urwald voll erstickender Miasmen auf, den im Nordwesten eine unfruchtbare Steppe begrenzt. Durch diese geht es zu den morastigen Ufern des Mukondogwa bei Mbumi hinab.
Der vierte Karavanenweg hat seinen Ausgangspunkt ebenfalls in Sungomero in Kutu und übersteigt das Rufutu-Gebirge in direct westlicher Richtung über den Mabruki-Paß und gelangt steil hinab in die Mulde von Kikoboga (513 m). Der südliche Abschluß der Makata-Ebene behält den Charakter der ganzen bei; nur herrscht nicht mehr grauer Lehmboden vor, sondern schwarze torfartige Erde mit zahlreichen Wassertümpeln. An den Ostabhängen des Rubeho-Gebirges, denen entlang am linken Makata-Ufer der Pfad von Muhanda (492 m) nach abwärts führt, wechseln Hügel und Schluchten ab. Zwischen Bananen und Delebpalmen und gutbebauten Feldern liegt das obere Mbumi (444 m).
Das Mukondogwa-Thal von Kondoa bis Ndiabi ist in der Sohle derart mit Schilf und Buschwald überwachsen und so leicht Ueberschwemmungen ausgesetzt, daß auf beiden Seiten nur über die Berge die Wege führen und mit Ausnahme von Kilosa, Sima und Kiora alle Hütten der Eingeborenen hoch auf den Abhängen liegen. Geht man von Kondoa am nördlichen Ufer thalaufwärts, so muß man auf steilem, felsigem Grund durch hohes Riedgras mühsam hinaufklettern; durch Dorngebüsch, Mimosen und Akazien gelangt man wieder hinab zu der Niederlassung von Kilosa (Misongi, Kadetamare), zuerst zu Reis- und Maisfeldern auf versumpftem Boden, dann zu günstiger gelegenem Land, auf welchem sogar Taback cultivirt wird. Zwischen Kilosa und Sima drängt sich das Gebirge mit vielen Dorfschaften dicht an das Flußufer heran. Sima (Muinin-Sagara), ehemals deutsche Station, der Endpunkt des sehr fruchtbaren Thales gleichen Namens, macht einen erfreulichen Eindruck durch seine Wälder von Palmen und hohen Laubbäumen und gutgepflegten Culturen. Von Sima bis zum Ende der Thalenge beim Absturz der Ruembe-Berge zieht ein breiter Streifen kräftigen Pflanzenwuchses, aber unbesiedelt in den untern Lagen hin, in den obern behält die Landschaft den dürren Savannencharakter bei.
Am rechten, südlichen Ufer, etwas oberhalb der Furt von Mbumi mündet das pittoreske enge Thal des Tschogwe. Kiora (ehemals deutsche Station), im Osten und Westen von dornigem Gestrüpp umgeben, ist zwar ein malerischer Platz, besitzt auch einige Felder, ernährt aber nur eine dürftige Bevölkerung und gilt als ungesund. Viel besser ist die Manjovi genannte Gegend auf den Höhen oberhalb von Kiora: zahlreiche Rinderheerden weiden auf prächtigen Wiesenfluren. Flußaufwärts von Kiora bis Ndiabi durchwandert man ein wüstes, welliges Tafelland mit dichtem Gebüsch von Aloën und Cacteen zwischen Sandhügeln und Steingeröll. Bei Ndiabi (738 m) am klaren und frischen Rumuma erreicht man eine anmuthige, fruchtbare und bewohnte Gegend; Tamarinden und Kalebassen stehen zwischen Feldern von Korn, Mais, Bohnen, Erdnüssen und Taback.
Nach der schwülen, durch verfaulende Vegetation mit Miasmen erfüllten Atmosphäre des Mukondogwa-Thales erfrischt in den ersten Stunden des Marsches die reine trockene Luft der Kleinen Marenga-Mkali (852 m über dem Meere) zwischen Ndiabi und dem Großen Rubeho-Paß. Bald aber lähmt die Monotonie der Landschaft die Freude des Wanderns: trostlose, wasserlose Savanne, unterbrochen nur von rauhen Hügeln mit Dschungeldickicht. Inenge (1089 m) am Fuß des Rubeho-Gebirges, in rothbrauner Ebene gelegen, bietet endlich Erholung und als Ueberraschung die lang entbehrten Nahrungsmittel: Butter, Milch und Honig. Steil und steinig aufwärts geht es durch das Gebirge voll aromatischer Kräuter in zwei Anstiegen zum Großen (1542 m) und dann zum Kleinen Rubeho- oder Windi-Paß (1710 m), an tiefen Abgründen und hohen Felskegeln vorbei. Auf ähnlich rauhem Wege, der zuletzt in eine Via mala sich umgestaltet, kommt man hinab nach Ugogi (830 m), dem letzten Ruheplatz vor der Großen Marenga-Mkali.
Die breite Hochebene, welche von Ndiabi am Ugombe-See vorbei und längs des Matamombo bis Mbambwa sich erstreckt, erscheint als ein von steilen, dunkelbraunen Berghängen umfaßtes früheres Seebecken. Das Wasser ist brakisch. Auf dem von der Sonne gebleichten staubigen Granitboden wächst dünnes, hartes Gras und stehen in weiter Zerstreuung einzelne Baobabs.
In Mbambwa (Mpwapwa) (986 m) betritt man wieder lachende Gefilde, mit frischem Grün bekleidete Hügel. Riesige Sykomoren, Tamarinden und Wollbäume gewähren den ersehnten Schatten und die dichte Bevölkerung versorgt aus ihren großen Rinderheerden die Karavanen mit Fleisch.