Mbambwa ist der Vereinigungspunkt der südlichen Karavanenstraßen, von Mvomero über Farhani durch das Mukondogwa-Thal, und der nördlichen, kürzeren von Mvomero über Mkundi und Mamboia. Letztere geht in einer Meereshöhe von 800–1000 m durch einen der besten Landstriche Usagaras. Westlich der felsigen Kidete-Berge breitet sich eine wildreiche unbewohnte Ebene aus. Bei Makubika wird sie zu einer gesegneten, reichlich bewässerten und gut bevölkerten Gegend, in welcher Rindviehzucht getrieben wird. Mamboia (1216 m), eine englische Missionsstation, liegt auf einem Hügel am Nordende des schönen Sima-Thales; die gute Qualität des Bodens erhält sich bis Nguru und Berega in der Richtung von Sabundila und Kisiwa am Westrand des Mguru-Gebirges, verwandelt sich aber von dort nordöstlich in steinige, dornige Steppen.

Das herrlichste Land findet man im 16 km breiten Becken von Kitangi (1050 m) an den Quellen des Mtate.

Die starke Bevölkerung treibt neben Ackerbau ergiebige Viehzucht; das Land ist offen, mit kurzem Gras und nur an den Wasserrinnen mit Busch bedeckt.

Den Mtate abwärts bleibt die Fruchtbarkeit auf gleicher Höhe; das Thal ist aber wegen räuberischer Einfälle zum größten Theil verlassen. Dieses Eden schließen im Westen die Kleinen Rubeho-Berge ab, deren höchster steilansteigender Uebergang 1368 m über dem Meere liegt. Nach Südwesten und Westen flachen sie sich ganz allmählich ab und bilden wahrscheinlich die nördliche Begrenzung des Matamombo-Thales; im Norden enden sie rasch in einer ungemein wildreichen, von Dschungeldickicht durchsetzten Ebene, die nach Westen über die Karavanenstraße herabbiegt und von einer Thalschlucht mit Steinsalzlager begrenzt wird. Hier und in dem unmittelbar westlich aufsteigenden Hügelzug von Mlali (1127 m über dem Meere) sind wahrscheinlich die Quellzuflüsse des salzig-bittern Matamombo zu suchen. Zwischen dem fruchtbaren und stark bewohnten Bezirk von Tubugwe und Mbambwa erheben sich die Kiboriani-Berge bis zu 1800 m. Nördlich von ihnen beginnt, bei Sagala, mit anbaufähigem Boden das mächtige Hochplateau Innerafrikas; bei der vorwiegenden Trockenheit, die nur während fünf Monaten von einzelnen Regenschauern unterbrochen wird, ist die Luft rein und frei von Malariakeimen.

Nicht zum Flußgebiet des Wami, aber ethnographisch zu Usagara gehört die sogenannte Kirigawana-Route; sie geht von Ugogi der Südseite des Rubeho-Gebirges entlang, übersteigt dieses bei Kiperepeta und endet bei Kikoboga am Südende der Makata-Ebene. Sie wird mit Vorliebe bei dem Marsch aus dem Innern gewählt, da hier weniger oder seltener an die Häuptlinge Tribut zu zahlen, überall der Nahrungsbedarf zu bekommen und die meist offene Steppe leicht zu passiren ist.

Unbequemlichkeiten verursachen nur die vielen Flußübergänge und das schlüpfrige Auf- und Absteigen an den Bergrippen, welche entweder mit schwarzschlammiger Erde bedeckt sind oder aus nacktem Felsgestein bestehen. Südöstlich von Ugogi, nach einem kurzen Marsch durch welliges, dorniges Land, eröffnet sich dem Blick bei Murundusi, dem Grenzort zwischen Uhehe und Usagara, eine herrliche, fruchtbare Gegend: feines Gras, Tamarinden, Sykomoren und Miombos von außergewöhnlicher Stärke, in denen Papagaien, Tauben und Dohlen nisten; zwischen den Behausungen der Eingeborenen Rinder in Menge; in Gruben von 5–6 m Tiefe vorzügliches Trinkwasser. Von hier bis Maroro (653 m) trifft man nur dürres, rauhes Land von rother Erde; vereinzelte Schluchten mit weißsandigen Ufern, von smaragdgrünen Bäumen umsäumt. Bei Rudi, das von Wahehe bewohnt wird, gibt es viel Tabackbau. Westlich von Kikako durchschreitet man auf steinigem Bergpfad den einzigen zusammenhängenden größern Wald. Maroro besitzt frisches Gewässer, das rasch in der schwarzen Erde der tiefern ebenen Lagen versumpft und hohes, binsenartiges Gras hervorschießen läßt. Auf den Feldern dazwischen gedeihen in der feuchtheißen Luft Mais, Durra, Bataten und Taback. Der Ort ist ungesund und die Plage der Mosquitos peinlicher als sonst auf diesem Wege. Von Maroro gelangt man durch Stein und Gestrüpp über den Paß von Kiperepeta nach dem von grünen Hügeln umgebenen, ziemlich fruchtbaren Bezirk von Kisanga, in welchem das Dorf Kirigawana liegt. Verleihen auch Sykomoren und Wollbäume dem Landschaftsbild einen etwas mehr erfreulichen Anblick, so ist doch das Erträgniß der Felder sowol hier wie am Ruhembe-Bach von geringer Beschaffenheit.

Bevölkerung.

Die Wasagara sind im Wami-Thal meist Ackerbauer und in den Hochebenen der Nordgrenze meist Viehzüchter. Ziegenfelle, Grasröcke, zuweilen auch Tuchfetzen bilden die spärliche Bekleidung; Ringe von Messingdraht um die Arme, die Fußgelenke, um den Hals (hier zuweilen weit abstehend) und schwer herabziehende Ohrgehänge bilden den Schmuck; Pfeile, Assegais und Steinschloßgewehre in geringer Zahl die Waffen. Stirn, Brust und Arme werden tätowirt. Wegen der häufigen Ueberschwemmungen und aus Furcht vor den thalwärts ziehenden Räuberhorden bauen sie sich fast ausnahmslos an den Abhängen des Gebirges an. Im mittlern Wami-Thal, zwischen Msuero und Kondoa, und theilweise in den nördlichen Districten bis Mbambwa wohnen sie in den schmutzigen, von Ungeziefer wimmelnden viereckigen Lehmgehöften, in den Tembes, sonst in den üblichen bienenkorbartigen Hütten. Von ihrem Nationalcharakter können wir nur die eine negative Thatsache anführen, daß sie kein besonders tapferes Volk sind und sich den Sklavenjagden der Waseguha, Wahumba, Wagogo und Wahehe wenn möglich durch das Verlassen von Haus und Hof entziehen. Elend und scheu ist ihr Aussehen und Benehmen im Mukondogwa-Thal, entschieden stämmiger und kampflustiger am Rumuma und an der Nordgrenze. Unter ihnen wohnt ein gesonderter Jägerstamm, wie die Wandorobbo unter den Wakuafi und die Wakamba unter den Wanguru, nämlich die Wakwa im Wami-Thal bei Mungubugubu und Msuero; sie erlegen Elefanten und Büffel mit vergifteten Pfeilen oder auch mit Steinschloßgewehren.

Eine politische Organisation für ganz Usagara oder nur für einen größern Theil existirt nicht. Was als Ortschaft in den Karten bezeichnet ist, bedeutet meistens einen Bezirk oder eine Gemeinde; die zugehörigen Hüttencomplexe haben ein gemeinschaftliches Oberhaupt, einen Dorfhäuptling. Diese „Herrscher und Fürsten” sind voneinander unabhängig und von keinem wird berichtet, daß er hervorragenden Einfluß in einem größern Umkreis gewonnen. Nur eine Ausnahme könnte bestehen, wenn sich die Verhältnisse seit der Reise des französischen Missionars Etienne Bauer im Jahr 1885 nicht geändert haben: das Land am Westufer des Wami zwischen Loonga und Komberina mit Farhani und Rudewa und am Ostufer mit Kakonga und Kisukara stehen unter der Oberhoheit der Fürstin Simbamweni in Ukami.

Schlußbetrachtung.