Ueber die Temperaturen läßt sich gar nichts Positives sagen; Thomson hat wol in seinem Werke „Expedition nach den Seen” eine erkleckliche Reihe von Thermometerablesungen mitgetheilt; da sie aber nur zur Bestimmung des Barometerstandes vorgenommen wurden und keine Tageszeit, die jedenfalls verschieden war, angegeben ist, so sind sie in Bezug auf Temperaturverhältnisse unbenutzbar.

Bei Maples (Proc. of the R. G. S. 1880, S. 353) befindet sich allein eine bemerkenswerthe Notiz; während des November 1879 war in Masasi die Mitteltemperatur 22° R. von 9 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags blieb sie constant auf 29,2° R.

Den klimatischen Verhältnissen entsprechend gliedert sich die Vegetation in drei Zonen: in die der Küste, des mittlern Plateau und des Gebirgslandes.

Der niedrige Küstensaum ist zum größten Theil mit Sümpfen und Savannen, der hochgelegene mit dichtem Gehölz und Gestrüpp bedeckt im Zusammenhang mit anstoßenden Kopal- und Gummiwaldungen. An den wenigen Stellen, wo das Land urbar gemacht worden und bebaut wurde, zeigen sich Kokospflanzungen und Kornfelder in bestem Wachsthum.

Weiter landeinwärts läßt die ausdörrende Hitze nichts anderes aufkommen als kärgliche Savanne und dornige Akazienwaldungen. Eine Ausnahme schafft das vom Rufidschi im Mittellauf am rechten Ufer in weiter Ebene abgelagerte Schwemmland; dieses liefert dem Ackerbauer mehr als den eigenen Bedarf. Auch die massigen, in dem durchschnittenen wasserreichen Hügelland gelegenen Waldungen nördlich vom Rovuma, in denen die Kautschuk-Liane überaus kräftig wuchert, bergen in sich die Keime erfreulichster Culturfähigkeit, wie vereinzelte Niederlassungen, so Mesule und Masasi, beweisen.

Im Gebirgsland Mahenge offenbart sich auf den herabgeschwemmten, nahrungsreichen Bodenschichten die Ueberfülle der Pflanzenwelt sowol in der Mächtigkeit der Dschungeln und Gräser, als auch in dem reichen Erträgniß der bebauten Gefilde. Gänzlich unfruchtbar ist die Bergwildniß am obern Rufidschi zwischen Kingani und Schuguli; der steinige Grund bringt hauptsächlich nur dornige Mimosen hervor.

Auffallend ist in diesem ganzen Gebiet die Armuth an jagdbaren Thieren. Weder die Wälder noch die Steppen sind belebt; nur in den Fluten des Rufidschi und Rovuma treiben scharenweise das Flußpferd und das Krokodil ihr Unwesen.

Die einzelnen Landschaften und deren Bevölkerung.

Da weder geographisch noch ethnographisch abgegrenzte Bezirke nach unserer gegenwärtigen Kenntniß in dem Land zwischen Rufidschi und Rovuma (mit Ausnahme von Mahenge) existiren, muß die Topographie mit folgenden ungleichartigen Landcomplexen versucht werden: das Flußthal des Rufidschi und des Ulanga mit Mahenge, die Küste, die Route von der Decken’s und das Land Makonde mit Masasi.

Rufidschi-Thal und Mahenge.