Das Landgebiet zwischen Rufidschi und Rovuma ist der am wenigsten erforschte Theil von Deutsch-Ostafrika; keine bedeutende, vielbegangene Karavanenstraße geht von irgendeinem Punkte der dazwischenliegenden Küstenstrecke aus, und bekanntlich haben von jeher die Karavanenstraßen den Forschungsreisenden die Richtung nach den unbekannten Fernen gegeben. Nur im südlichsten Theil, von Lindi und Mikindani aus, führt ein wichtiger Handelsweg am Nordufer des Rovuma nach dem Nyassa-See, und von dieser Gegend besitzen wir auch einigermaßen befriedigende topographische Nachrichten. Dagegen ist die Küste in allen Buchten und Flußdeltas und einige Meilen landeinwärts so vollkommen untersucht, daß wir über ihren Culturwerth und über die besten und schlechtesten Landungsplätze genügend orientirt sind. Auch die Richtung, Verzweigung und Benutzbarkeit der zwei Hauptströme unterliegen im allgemeinen keinen geographischen Zweifeln mehr.

Aber trotz dieses gegebenen Materials würde eine erschöpfende Darstellung des Landes in Bezug auf Gestaltung, Bodenbeschaffenheit, Vegetation, Bevölkerung und Culturfähigkeit mehr ein Product der Phantasie als des Wissens sein.

Der schmale niedrige Küstensaum, die Mrima von Usaramo, erweitert sich von Kikunja im Norden bis Furu im Süden zu einer Ebene von 50 km Ausdehnung; sie erstreckt sich zungenartig, vornehmlich am rechten Ufer des Rufidschi, an den Matumbi-Hügeln vorbei bis nach Korogera in einer unbestimmten Breite. Südlich von Furu verengert sie sich mehr und mehr und wird von Kilwa Kivindje bis Mikindani von dem dicht an das Meer herantretenden Hochplateau überdeckt.

Das linke Ufer des Rufidschi (das Plateau von Usaramo, 110–120 m hoch) erhebt sich bis Korogera ziemlich steil, dagegen scheint das rechte Ufer ganz allmählich als Hochfläche von Nord nach Süd emporzusteigen.

Diese Hochfläche erreicht ihre höchste Erhebung in der Landschaft Makonde mit 770 m. Vereinzelte (noch nicht durch die Forschung in Zusammenhang gebrachte) Bergkuppen und Höhenzüge sehen wie aufgesetzt aus: die Matumbi- und die Mandandu-Berge ca. 570 m (?), der Nangwale 426 m und Lukunde 610 m, endlich der Mtandi bei Masasi 640 m.

Eine Besonderheit dieser Hochfläche ist ihre gleichmäßig niedrig bleibende Ausdehnung bis weit nach Westen, nach dem Innern des Festlandes. Während die erste Terrasse Useguhas schon bei Magubika in einer Entfernung von 50 km von der Küste ihre höchste Höhe von 339 m und diejenige von Usaramo mit 240 m bei Msisi Mdogo in Kutu nach 200 km ihr Ende erreicht, schließt die Hochebene des rechten Rufidschi-Ufers erst bei Mkomokere in Mahenge mit 240 m Höhe nach einer Strecke von 330 km ab.

Die westliche Begrenzung ist nur im nördlichen Winkel durch die 2100 m hohen Uhehe-Berge festgestellt; die östliche bildet die Mrima von Kikunja bis Kilwa Kivindje und von da an das Meer bis zur Mündung des Rovuma.

Klima, Vegetation und Thierwelt.

Bei der ungeheuern Ausdehnung des gleichmäßig langsam ansteigenden Landes muß man auf ein gleichmäßiges, sonnendurchglühtes Klima im östlichen Theil des Innern schließen. Dagegen verdichtet sich die Feuchtigkeit der Küstenluft, unterbrochen durch diese breite Zone der Trockenheit, ähnlich wie im südlichen Usaramo, an den Bergen von Uhehe und an den Höhen von Lukunde, von Masasi und Makonde zu häufigen Niederschlägen, sodaß die Regenzeit am obern Rufidschi Anfang Januar beginnt, während sie bei Kilwa erst Ende März einsetzt.

Wegen der Lagunen und Sümpfe gilt das Klima an der Mrima und in der Thalebene des Rufidschi als sehr ungesund; etwas günstiger ist es an der Küstenstrecke von Kiswere bis Mikindani; als sehr gesund wird es in der hochgelegenen und waldreichen Masasi-Gegend gerühmt.