Die Wakutu sind eine durch Klima und besonders durch Sklavenjagden gänzlich degenerirte Rasse. Schwächlich von Körperbau, elend genährt durch Mehlbrei unter Zusatz von Sesam- und Ricinusöl und durch moderige Fische aus stagnirenden Gewässern, dürftig mit einem Schurz aus Kalebassenfasern, in seltenen Fällen mit einem Stück Baumwollzeug oder Ziegenfell bekleidet, bewohnen sie niedrige, schmutzige Hütten. Entlaufene Sklaven und Sträflinge und heruntergekommene Freie aus der Küstengegend trieben zu Burton’s Zeiten ihr räuberisches Unwesen unter ihnen; der Sultan von Sansibar, zur Hülfe gegen diese angerufen, vermochte die fast vollständige Ausrottung nicht zu verhindern. Die Zuvorkommenheit der Wakutu gegen Fremde, ihre Bereitwilligkeit, Karavanen abgabenfrei durch das Land ziehen zu lassen, beruht auf ihrer Hauptcharaktereigenschaft, der Verzagtheit. Selbst als Träger sind sie kaum zu verwenden, denn die Furcht vor der Fremde macht sie, wo sich Gelegenheit findet, sofort zu Ausreißern.

Schlußbetrachtung.

Vom Gesichtspunkt der Besiedelung durch europäische Unternehmungen sind die Verhältnisse an der Mrima, am Kingani und im Gebirgsland wesentlich voneinander verschieden.

Die Mrima eignet sich in Bezug auf Klima und Boden unfraglich zur Anlage von Plantagen an folgenden Plätzen: bei Bagamoyo und Dar-es-Salaam; in der Thalebene des Mbesi bis Liwali und in dem „Garten von Kwale”. Die französische Mission bei Bagamoyo hat den Beweis geliefert, daß mit Sorgfalt und Ausdauer befriedigende Ernten werthvoller tropischer Producte erzielt werden können. Auch die blühenden Schambas der Araber überzeugen von dem gewinnreichen Erfolg cultureller Arbeit. Den Hauptertrag liefern die Kokospalmenpflanzungen. Die Mrima fällt freilich in die Zone der Souveränetät des Sultans von Sansibar; die daraus entspringenden Schwierigkeiten werden aber ein wirkliches Hinderniß dann nicht mehr bilden, sobald einmal die zugestandene deutsche Verwaltung hier effectiv geworden. Die größte Schwierigkeit dürfte darin zu suchen sein, daß herrenloses oder unberührtes Land hier selten oder in zu geringem Umfang existirt und daß der Kaufpreis rentabeln Bodens ein zu hoher ist, um die kostspielige Cultur durch deutsche Pflanzer zinstragend zu machen. Quantität und Qualität der Arbeiter wäre in genügendem Grad vorhanden, die Nähe des Meeres von besonderm Vortheil. An einzelnen Stellen würde man gewiß mit der feindseligen oder misgünstigen Haltung der Eingeborenen zu kämpfen haben; denn sie würden durch die Einwanderung vielmehr eine Störung ihres altherkömmlichen Thun und Treibens befürchten und sich dagegen wehren, als daß sie bei den ohnehin ziemlich geordneten Verhältnissen die Weißen als die sonst wirksamsten Beschützer von Person und Eigenthum begrüßten. Man müßte mit Vorsicht ans Werk gehen, jedenfalls anfangs der Versuchung widerstehen, den ergiebigen Kopalhandel den Händen der habgierigen Häuptlinge und Inder zu entziehen. Bei dem Mangel umfassender, diesen Punkt besonders berührender Berichte kann nicht mehr zu Gunsten oder Ungunsten der Colonisirung der Mrima gesagt werden.

Das rechte Kingani-Ufer verspricht nach den gemachten Erfahrungen und nach den Bodenuntersuchungen von Dr. K. W. Schmidt für die nächsten Jahre keine nennenswerthe Ausbeute, wobei jedoch nicht ausgeschlossen sein soll, daß umfangreiche Reisculturen in der Thalebene möglich sind und daß durch Ausrodung von Waldungen auf dem Plateaurand ziemlich ertragsfähige Felder in späterer Zeit gewonnen werden können. Dagegen berechtigt die außerordentliche Fruchtbarkeit der Umgebung von Usungula zu der Annahme, daß hier die Plantagenarbeit unter Zuhülfenahme künstlicher Bewässerung einer günstigen Zukunft entgegensieht.

Von den Gebirgsländern ist Kutu wegen dünner Bevölkerung und verderblichen Klimas nicht in Betracht zu ziehen, sondern nur Ukami. Es mag noch andere, dem Meere nähergerückte fruchtbare Landschaften in Ukami geben, zur Zeit kennen wir nur allein die Thäler von Mohale und Simbamweni als ungemein productiv. Die Existenz einer angesehenen fürstlichen Macht und das Vorhandensein einer an Ackerbau gewöhnten thätigen Bevölkerung sind wichtige und günstige Factoren. Ungünstig ist natürlich die von der See entfernte Lage (180 km oder 14 Marschtage) und die zur Zeit bestehende Bedrohung durch große Ueberschwemmungen.

Mit Ausnahme des sehr beliebten Tabacks von Sungomero exportirt die Küste allein, und zwar in erster Linie: Kokosnüsse und Kopal, dann Korn, Reis und Zucker. Der Import an Baumwollzeugen, Gewehren, Pulver, Eisen und Metallwaaren wird fast ausschließlich von der Bevölkerung der Mrima consumirt; die Kauffähigkeit und die Nachfrage nach Waaren im ziemlich menschenarmen Binnenland ist sehr gering.


Zwischen Rufidschi und Rovuma.

Allgemeine Gestaltung.