Die Landschaft Mahenge liegt zwischen dem Ruaha und Ulanga und wird im Westen von dem 2100 m hohen Uhehe-Gebirge abgeschlossen.
Der Ruaha hat seine Quellen in den Konde-Bergen (am Nordende des Nyassa-Sees) und durchbricht nach langem, noch nicht erforschtem Laufe die Gebirgsmasse zwischen Uhehe, Usagara und Kutu. Trotzdem führt er weniger Wasser mit sich als der Ulanga; er ist unschiffbar wegen der zahlreichen Sandsteinbarrièren; er ist in der Trockenzeit im Land Mahenge sehr seicht. Bei der Mündung des Msendasi besitzt er eine Breite von 70–90 m. Der Msendasi fließt von den Höhen von Mgunda durch ein pfadloses, wildarmes Dickicht von Dschungeln und Wäldern.
Der Ulanga ist der Abfluß des 40–50 km sich ausdehnenden Sumpfes von Tschikoja; an seiner engsten Stelle hat er eine Breite von 68 m, bei Ngohoma wurde sie auf 200 m geschätzt. Im Oberlauf von hohen Bergen umgeben, flacht sich bei Ngohoma sein linkes Ufer zu einer bis an den Fuß der Uhehe-Berge reichenden Ebene ab, die zur Regenzeit weithin überschwemmt wird. Seine Schiffbarkeit scheint auf kurze Strecken beschränkt zu sein; jedenfalls findet sie an den Schuguli-Fällen und an der Unbefahrbarkeit des Rufidschi ein unüberwindbares Hinderniß der Fortsetzung.
Das Uhehe- oder Udschungwe-Gebirge (2100 m) wird nach vier- bis fünftägigem Marsch von Matanga aus auf einem Paß (2030 m) überschritten. Es stellt eine Reihe von Bergketten dar, eine fast vollkommen unbewohnte Wald- und Felsenwildniß, aber voll herrlicher, erfrischender Luft und von malerischem, großartigem Landschaftscharakter. Nach Westen fällt es allmählich und in geringer Tiefe ab zu dem monoton gewellten Hügelland von Uhehe.
Die Niederung von Mahenge besteht aus sehr fruchtbarem Schwemmland, das bei stets herrschender Feuchtigkeit allen Pflanzen zum üppigsten Wachsthum verhilft. Wo es bebaut wird, da gedeihen Reis, Mais, Bataten, Erdnüsse, Melonen, Taback, Zuckerrohr, Baumwolle, nur nicht die Banane. Da die Bevölkerung gering und die vorhandene mehr zu Raubzügen als zum Ackerbau geneigt ist, so erscheint Mahenge zum größten Theil als das Land der dichtesten Dschungel mit versumpften Strecken. Die einzige größere Culturstätte ist Mkomokere.
Die Mahenge sind heller von Farbe, feiner von Gesichtszügen und klüger von Verstand als die benachbarten Wakutu. Im Frieden reducirt sich ihre Bekleidung auf ein schmales Tuch, vorn und hinten am Gürtel herabhängend oder nur über die Schulter geworfen, auf ein Stückchen Thierfell oder Rindenzeug; für die Frauen auf eine Schürze von Affenhäuten und auf Armbänder von Messingdraht. Für einen Kriegszug jedoch schmücken sie den Kopf übermäßig mit Federn und behängen Rücken und Seiten mit Katzen- und Leopardenfellen. Besondere Sorgfalt verwenden sie auf den Bau und die Verwendung ihrer Hütten. Auf Mauern von geschickt bearbeitetem Flechtwerk ruht das runde oder viereckige Strohdach; oder es wird der Unterbau auf eine 1 m hohe Plattform gestellt und das Dach wie eine Kapuze zum Boden reichend darüber gestülpt. Sie erbauen für die Feldfrüchte eigene Speicher und für die Schafe, Ziegen und Hühner von den Wohnungen abgesonderte Ställe.
Die Mahenge wurden früher einmal von den Maviti, einem Zweigstamm der Zulus, der von dem Nyassa-See herabkam, in Furcht und Schrecken versetzt. Da dieser Kriegszug weiter nach Osten sich wälzte und überall die Bevölkerung bis zur Wehrlosigkeit einschüchterte, so nahmen die Mahenge, nachdem das Gewitter über sie weggezogen, Kleidung und Waffen der Maviti an und versuchten auf diese Weise und zwar mit Glück bei den Nachbarn Unterwürfigkeit mit leichter Mühe zu erlangen. So brachten sie selbst die Bewohner des ferngelegenen Korogera und Behobeho unter ihre unbeschränkte Botmäßigkeit.
Der Küstenstrich.
Von Mohoro bis Matompiani (nördlich von Kilwa Kivindje) zieht sich eine mit Wald und Gebüsch bestandene Savanne hin und endet in schwarzem, schlammigem Boden zwischen braunen, tiefeingeschnittenen Bächen; der niedrige und für Boote schwer zugängliche Strand verläuft in Mangrovesümpfe. Die spärliche Bevölkerung concentrirt sich in Furu und namentlich in Samanga; sie verstand es durch angestrengte Thätigkeit vereinzelte wüste Strecken in Reis- und Zuckerrohrfelder umzuwandeln und Futter für beträchtliche Viehheerden zu gewinnen.
Der Korallenarchipel von Kilwa Kivindje bis nördlich Kimbidschi (bei Dar-es-Salaam) und zwischen der Rufidschi-Mündung und der Insel Mafi bietet der Schiffahrt zu keiner Jahreszeit Schwierigkeiten oder Gefahren.