Kilwa Kivindje. Die Rhede befindet sich 3 km seewärts; das Watt ist so sanft ablaufend, daß bei Niedrigwasser die Boote auf 1 km Entfernung vom Strand festsitzen und man gezwungen ist, diese Strecke zu durchwaten. Der Strand selbst besteht aus tiefem Sand- und Schlammboden, gegen Norden aus Mangrovesümpfen. Es ist eine bösartige Fiebergegend mit schlechtem Trinkwasser. Der Mdschindjera fließt als ein dürftiges Gewässer in die Bai. Nur im Westen erhebt sich ein grünes, fruchtbares und viehreiches Hügelland mit den Schambas der Araber zwischen Kokospalmen und Orangenbäumen. Trotz der ungünstigen Verhältnisse der Landung und des Klimas ist der Ort wegen der Zufuhr von Producten von der Nord- und der Südküste und aus dem Innern einer der größten Städte nach Dar-es-Salaam. Von der Decken schätzte schon vor dreißig Jahren die Einwohnerzahl auf 15000. Freilich wohnt die Masse in elenden Hütten; es existiren nur einzelne steinerne Häuser, darunter das Zollhaus, ein Bazar und ein verfallendes Fort.
Kilwa Kivindje errang seine Bedeutung erst, als die Nachbarstadt Kilwa Kisiwani in Verfall gerieth. Hier hatten sich um 1500 die Portugiesen angesiedelt und ein großartiges Fort mit Bastionen errichtet. Als sie es wegen des verderblichen Klimas verließen, kamen die Araber und schufen es zu einem politisch wichtigen und reichen Handelsplatz um; an 300 Moscheen sollen dort einmal gestanden haben. Von all dieser Herrlichkeit besteht jetzt nur noch ein antiquarisch interessanter Trümmerhaufen, außerdem ein zweistöckiges, sehr schadhaftes Zollgebäude, ehemals die Residenz des Gouverneurs, etwa zehn brauchbare steinerne Häuser und das Fort, das zwar 1857 neu aufgebaut wurde, zur Zeit aber den anschlagenden Meereswellen überlassen wird. Kisiwani liegt auf einer Insel voll wildwuchernder Vegetation in reizloser, unfruchtbarer Umgebung. Zwei Meerbusen umschließen die Insel: Kuawi im Norden und Mavudji im Süden mit dem Pactolushafen. In 1½ km Entfernung von ihr ist guter Ankergrund.
Von Kilwa Kisiwani bis zur Rovuma-Mündung fällt das Hochplateau fast direct zur See hinab; breite Korallenriffe umsäumen den (ausgenommen bei Lindi und Mikindani) ganz allmählich unter das Wasser verlaufenden Strand.
Dem gering bevölkerten, doch wildreichen Kiswere kann man nur bei Hochwasser sich nähern. Ebenso ungünstig ist der eine enge Einfahrt besitzende Landungsplatz bei Mdschinga.
Lindi dagegen hat in der äußern Bucht eine vorzügliche Rhede. Es ist neben Kilwa Kivindje der bedeutendste Ort, der Ausgangspunkt der Karavanen nach dem Nyassa-See. Es zählt 500 Häuser, in einem Hain von Kokospalmen, Bananen und Bambusen auf niedrigem sumpfigen Terrain zerstreut gelegen. Auf dem trockenen Land im Norden steht ein Fort halb in Ruinen. Der Lindi- oder Ukeredi-Fluß, der bis Liawa schiffbar ist und wahrscheinlich östlich von Masasi entspringt, mündet bei einem südlich sich erhebenden, mit Waldgestrüpp bedeckten Hügel von 50 m Höhe. Lindi ist ein Fiebernest. Die im Westen dicht herantretende Hochfläche hat gesündere Luft, wäre auch sehr geeignet zu Culturen und zur Viehzucht, ist aber nur spärlich bebaut.
Die Außenbai von Mikindani liegt offen, allen Stürmen ausgesetzt und hat keine Ankerplätze. Doch im Innern besitzt sie drei vollkommen geschützte Häfen, zu denen man zwischen Korallenriffen in tiefem Wasser bei Flut gelangt. Der beste Hafen wäre der von Pemba, allein hier fehlt jede Landverbindung. Gewöhnlich wird Kimberi angelaufen, das am Ausgang eines tief eingeschnittenen Thales und am Fuße eines 100 m hohen Berges liegt. Auch das niedrig gelegene Mirumba ist günstig; es besitzt eine Kaserne zur Vertheidigung, die aber beim Mangel von Geschützständen nichts gegen Kriegsschiffe zu leisten vermag.
Araber, Inder und Eingeborene bilden in großer Menge die Bevölkerung der drei Hafenplätze; lebhafter Handel wird mit Kopal, Kautschuk, Reis und Vieh betrieben.
Die Route von der Decken’s.
Um einen, wenn auch nur flüchtigen Blick in die Natur des Binnenlandes zu erhalten, muß man bis auf die Berichte von der Decken’s von 1860 zurückgreifen; kein zweiter Reisender hat uns sichere Kunde über diese Gegenden gegeben.
Von der Decken kam, von Kilwa Kisiwani bis Mesule, ungefähr 250 km landeinwärts. Das langsam bis 400 m ansteigende Plateau endet mit dem 610 m hohen Lukunde-Gebirge, einem Trümmerhaufen riesiger Felsblöcke, wie die vorher durchschrittene Landschaft zahlreiche Bäche nach Süden entsendet. Da das Land von Masasi und Makonde höher liegt als jenes von Mesule, und bei Kiswere ein Fluß, Umbekuru genannt, aus Westen strömend, mündet, so hat die Vermuthung, daß letzterer alle Bäche aufnimmt, welche die Route von der Decken’s von Norden nach Süden durchkreuzen, Anspruch auf Wahrscheinlichkeit.