[Routen.]

Die nachverzeichneten Routen sind meist an einem Tage zurückzulegen; nimmt eine Route mehr Zeit in Anspruch, so ist dies besonders angegeben.

I. Route: Von Dresden nach dem Mückenthürmchen (2 Tage).

1. Ueber Pirna, Gottleuba, Schönwalde. – Von Dresden mit Eisenbahn nach Pirna (II. Kl. 10 Ngr.; III. Kl. 7 Ngr). Zu Fuss zur Zehistaer Strasse; links ab in den Rottwernsdorfer Grund, wo in anliegenden Steinmetzhütten Cottaer und Naundorfer Sandstein zugerichtet wird. Von Rottwernsdorf verfolgt man einen sandigen Fahrweg und wendet sich dann links zur Cottaer Kirche. Besteigung des Cottaer Spitzberges, welcher eine schöne Aussicht bietet. Man sieht den Sattelberg bei Schönwalde, das Mückenthürmchen, den Geising, den Kahlenberg, die Tellkoppe, den Luchberg, den Wilisch, die goldene Höhe, Dresden, die Berge der sächsischen Schweiz und das ganze Elbsandsteingebirge. Zur Kirche zurückgekehrt, hält man sich links, gelangt zur Fahrstrasse von Pirna und auf dieser nach Berggieshübel, von wo man noch über Giessenstein nach Gottleuba geht, um daselbst Nachtquartier zu nehmen. – Die Tour Pirna-Gottleuba kann auch mit Post zurückgelegt werden. Fahrzeit 2 St. 15 M.; Preis 9 Ngr. – Am nächsten Morgen über Hellendorf zur böhmischen Landesgrenze, welche man kurz vor dem Dorfe Peterswalde überschreitet. Man geht durch den langen Ort hindurch und wendet sich links über Jungferndorf nach der »Nollendorfer Höhe« (bekannt aus dem Jahre 1813), wo sich dem Auge eine prachtvolle Aussicht darbietet. Im Osten erblickt man die Spitzen des Elbsandsteingebirges, des Lausitzer- und Isergebirges; im Süden das Mittelgebirge mit dem kleinen und grossen Milleschauer; während nach anderen Richtungen hin das nahe Gebirge die Aussicht versperrt. – Von Jungferndorf zurück nach Schönwalde, um den Spitz- oder Sattelberg zu besteigen. An der nördlichen Seite ist dieser Basaltkegel am zugänglichsten; sein Gipfel, auf welchem ein Crucifix mit starkem Postamente steht, gewährt die Aussicht auf das Mückenthürmchen, den Geising, den Luchberg, den Wilisch und andere Höhen des anliegenden Erzgebirges. Nun geht es über Streckenwalde und Ebersdorf nach dem Mückenthürmchen, womit das Ziel des Tages erreicht ist. – Nachtquartier in dem gut eingerichteten Gasthause.

Das Mückenthürmchen gehört zu den lohnendsten Aussichtspunkten des Erzgebirges. Am Abhange liegt in enger Schlucht das Bergstädtchen Graupen mit den Trümmern der Rosenburg, tief unten im Thale breiten sich Teplitz und zahlreiche Ortschaften aus und dahinter erheben sich die stattlichen Kegel des Mittelgebirges; auch schweifen die Blicke über das Mittelgebirge hinweg, hin zu dem im Blau des Himmels sich verlierenden Bergen der Lausitz und der Umgegend von Prag.

Pirna, Stadt an der Mündung der Gottleube in die Elbe, 350 Fuss über d. Meeresspiegel, mit 8410 Einwohnern. Treibt Elbhandel und Schiffsbau und liefert Siderolith- und Töpferwaaren. Am bekanntesten ist es durch den »Pirnaer« Sandstein, welcher bei Posta, Copitz und Postelwitz und andern benachbarten Orten gebrochen wird. Aus diesem Sandstein sind beispielsweise der Magdeburger Dom und das Berliner Schauspielhaus gebaut. Hart über der Stadt erhebt sich der Sonnenstein, welcher in früherer Zeit zur Vertheidigung des Elbpasses diente. Während er im 15. Jahrhundert den Hussiten widerstand, wurde er (1639) im 30jähr. Kriege von den Schweden (Baner) erstürmt; die angerichtete Verwüstung war so arg, dass seit jener Zeit »Pirnaisches Elend« sprichwörtlich geworden ist. Seit 1811 befindet sich auf dem Sonnensteine eine Heil- und Verpflegungsanstalt für Geisteskranke. – In Pirna sind die Vorverhandlungen für den 1635 geschlossenen Prager Frieden gewesen. Der Ablasskrämer Tetzel stammte aus Pirna.

Grosscotta und Kleincotta, Dörfer; jenes mit 434 und dieses mit 286 E. Liefern Sandstein, welcher sich trefflich zu Bildhauerarbeiten eignet. – Cottaer Spitzberg.