Klostergrab und Osseg s. [R. VI.], S. 78.
Oberleitensdorf, Flecken mit 4580 E. – Tuch- und Casimirfabrikation.
VIII. Route: Von Stift Osseg nach Sayda.
In Osseg wendet man sich den Bergen zu und geht beim Forsthause rechts den schönen Waldgrund hinauf. Man kommt nach Dorf Riesenberg und von da, an der Kapelle vorbei, auf die grossartige Ruine. Einer der vier vorhandenen Thürme ist zur Warte vorgerichtet und bietet eine reizende Aussicht auf das gesegnete Biliner Thal, auf das Mittelgebirge und auf nahe trefflich bewaldete Höhen. Nach genossener Umschau leitet ein steiler aber schattiger Weg hinauf nach Langewiese. Von hier mit Führer auf den Wieselstein (2944´), dessen Spitze geebnet ist und eine Aussicht gewährt, wie kaum ein anderer Punkt des Erzgebirges. Im Südosten erblicken wir das Mittelgebirge mit dem Milleschauer, vor ihm Schwaaz u. Dux; weiter rechts Bilin und den Borzen; noch weiter rechts Brüx und die Holtschitzer Höhen und vor diesen Georgenthal, neben welchem nach Westen hin das Eisenberger Schloss aus dem waldigen Saume des Erzgebirges hervorleuchtet. Ueber Brüx hinaus schweift der Blick ins mittlere Egerthal, d. h. in die Gegend von Postelberg u. Saatz; über Eisenberg her winken die Höhen von Karlsbad und daneben aus blauer Ferne die Spitzen des Fichtelgebirges; etwas mehr rechts, aber nicht so weit, sieht man das Reckenpaar, den Fichtel- und Keilberg; und davor den Hassberg; dann folgen der Pöhlberg, die Gegend von Marienberg, Freiberg und Tharandt, worauf die Tellkoppe, der Kahleberg, der Luchstein und die Nollendorfer Höhe nebst dem in weiter Ferne schimmernden Iserkamm den Kreis vollenden. Beim Heruntersteigen lassen wir uns den Weg nach dem Forsthause Georgenhöhe zeigen, und wenn wir dieses erreicht haben, (hier noch einmal nach dem richtigen Weg zu fragen, ist gut!) schreiten wir auf einem breiten Holzwege (Schneisse) dem in stiller Einsamkeit gelegenen Jagdschlosse Lichtenwaldstein zu. Von hier wenden wir uns nach Böhmisch- und Deutsch-Georgenthal und gehen dann über Kämmerswalde nach Sayda.
Langewiese, Dorf mit 380 Einwohnern. – Hutung und Waldarbeit.
Sayda, s. [R. 4.] S. 75.
IX. Route: Von Oberleitensdorf nach Olbernhau.
Von Oberleitensdorf über Hammergrund hinauf nach Kreutzweg und von da nach Böhmisch-Einsiedel, wo man sich für das lange Emporsteigen durch eine herrliche Rückschau auf das Böhmerland belohnt sehen wird. Nun geht es über Deutsch-Einsiedel, Heidelberg (mit Bad) und Heidelbach, an dem Abhange des Schwartenberges hin, nach Schloss Purschenstein, bei welchem man das Flöhathal erreicht. Von Neuhausen, welches neben Purschenstein liegt, führt der Weg über Dittersbach und Mörtelgrund nach Niederseifenbach, dann im anmuthigen Flöhathal hin, an der Einmündung der Schweinitz vorbei, in das Brandauer (Kohlen-) Becken, welches einerseits von der Flöha und andrerseits von der Natschung bespült wird. Man wendet sich beim Eintritt in das Becken etwas rechts und gelangt über Oberneuschönberg und Hammerwerk Grünthal nach Olbernhau.
Die Dörfer Heidelbach (136 E.), Heidelberg (1945 E.), Neuhausen (1337 E.) und Niederseifenbach (553 E.) gehören zu dem Bezirke der Holzspielwaarenfabrikation, für welche das benachbarte Seifen (1483 E.) Hauptort ist. Man kann behaupten, dass ⅚ der dortigen Bevölkerung von diesem Industriezweige leben. Alt und Jung, Männer und Frauen, Knaben und Mädchen sind bei Herstellung von Knöpfen, Puppengeschirr, Feder- und Nadelbüchsen, Pfeifen, Brummkreiseln, Holzsoldaten, Jagden, Schäfereien, Noahkästen, Kinderflinten u. s. w. u. s. w. – in den Handlungsbüchern giebt es 2000 Nummern Spielzeug – beschäftigt. Was wird da gedrechselt, geschnitzt, geleimt und gemalt! Die Arbeitstheilung ist streng durchgeführt: es giebt Drechsler, Schnitzer, Maler und Packer; und jeder macht Jahr aus Jahr ein ein und dieselbe Arbeit. Die schwierigste Aufgabe fällt dem Drechsler zu, weil er auf der Drehbank sogenannte Kränze oder Reifen herzustellen hat, welche durch Zerspalten sofort ein Schock Pferde, Kühe oder andere Thiere liefern.