XI. Route: Von Rothenhaus nach Klösterle.
Von Rothenhaus durch die gewerbreiche Stadt Görkau nach dem Bahnhofe Udwitz, um mit nach Kommotau zu fahren. Wem die Abfahrtszeit nicht passt, der wandere von Görkau, wo man hinter dem Gottesacker weggeht, über die Alaunhütten nach Kommotau. In letzterer Stadt besuche man den Marktplatz, den Felsenkeller und das Schiesshaus. Nun geht es (Eisenbahnbenutzung bis Priesen empfiehlt sich nicht) über Czernowitz und Kralup nach dem unter vielen Obstbäumen gelegenen Brunnersdorf. Hier theilt sich die Strasse. Man kann rechts über Niklasdorf direct nach Klösterle gehen; gerathener aber ist es, links nach dem alterthümlichen Kaaden zu wandern und sich von da durch einen angenehmen Fussweg, dicht an der Eger hin, nach Klösterle führen zu lassen. – Die Route ist angenehm und voller Abwechslung. Allerwärts hat man prächtige Garten- und Obstanlagen und rechts immer zur Seite die wallartig sich abdachenden, aber schön geformten Abhänge des Erzgebirges. Bei Brunnersdorf schaut von der Rückwand eines Waldthales die Ruine Hassenstein hervor und darüber auf dem Gebirgskamme thront die stattliche neue Kirche von Sonnenberg. Und wenn man der Stadt Klösterle sich nähert, sieht man das Egerthal von gut bewaldeten Bergkegeln umsäumt, von denen einige mit Burgen gekrönt sind. Links erscheint die Ruine Leskau und rechts die Ruine Schönburg. – Für die bald zu eröffnende Eisenbahn Kommotau-Karlsbad werden Kaaden und Klösterle Stationsorte.
Görkau, Stadt an der Biela, mit 2000 Einwohnern. – Ackerbau und Gewerbthätigkeit. – Die dasigen Baumwollspinnereien sind von sächsischen Unternehmern gegründet. – Protestantische Kirche.
Kommotau, Stadt mit 7200 E. – Getreidehandel; Obst- und Gartenbau; Maschinenfabrikation, Braunkohlenbergbau. – In der Dechanteikirche das merkwürdige Ziskabild, welches die Verheerung der Stadt durch die Hussiten darstellt. – Die Stadt als Knotenpunkt der Eisenbahnen Annaberg-Kommotau, Kommotau-Karlsbad, Kommotau-Teplitz und Kommotau-(Priesen)-Prag in entschiedenem Aufschwung begriffen.
Kaaden, Stadt an der Eger mit 5000 E. – Zählt zu den ältesten Städten des Egerthals. Bemerkenswerth: Das altertümliche Stadtthor, das Rathhaus (aus dem 15. Jahrh.), das Franziskanerkloster und das Kloster der Urselinerinnen.
Klösterle, Stadt an der Eger mit 2250 E. – Grosse gräflich Thun'sche Porzellanfabrik. – Am Marktbrunnen neben katholischen Heiligen mehrere mythologische Figuren. Das gräfl. Thun'sche Schloss, 1856 durch Feuer zerstört, ist vollständig wieder aufgebaut.
XII. Route. Von Klösterle nach Hauenstein.
Von Klösterle folgt man westwärts der rechts von der Eger sich hinziehenden Chaussee und gelangt so nach Pirschstein (400 E.) und Mühlengrund. Nach Durchschreitung des letzten Ortes führt ein, an den Telegraphenstangen kenntlicher Weg über eine Anhöhe, welche einen prächtigen Rückblick auf die bewaldeten Berge und die Ruinen bei Klösterle, sowie auf die fruchtbare Ebene bei Saatz gestattet. Auf demselben Wege gelangt man bergab nach Wotsch (250 E.) und dann auf der Strasse nach Wartha, von wo in nicht grosser Ferne rechts ein angenehmes Seitenthal zu einem Besuche von Hauenstein einladet.
Hauenstein, zur Herrschaft Pressnitz gehörig, stellt ein wahres Idyll dar. In der Mitte des Oertchens befindet sich eine hochgelegene Kapelle, rings um dasselbe ziehen sich reizende Anlagen hin, die sich bis zum Eichelberg erstrecken. Auf dem Rücken dieses Berges geniesst man die Aussicht auf die fernen Bergketten des Fichtel- und die nahen des Erzgebirges, dann auf die Burgen Engelhaus, Himmelstein und Schönburg und auf das zwischen bewaldeten Höhen sich hinziehende Egerthal. Wer in Hauenstein übernachten will – die Morgen sind hier besonders schön – muss ziemlich zeitig eintreffen, weil daselbst (beim herrschaftlichen Gärtner) nur wenige Fremde logiren können. Bemerkenswerth ist, dass ein Dachshund sehr geschickt den Führer nach den Hauptpunkten (Parapluie, Koppe, Eichelberg) der Umgebung macht.