Von Sayda (s. [S. 75]) folgt man der Chaussee über Pillsdorf (137 E.) nach Dörrnthal (1283 E.) und zwar bis zum Gasthof »Zum Feldschlösschen« an der Sayda-Freiberger Strasse. Bei diesem Gasthause hat man eine herrliche Aussicht über einen Theil des oberen Erzgebirges, indem man in südöstlicher Richtung den Fichtel- und Keilberg, den Pöhlberg, den Hassberg, den Bärenstein, den Scheibenberg und den Auersberg erblickt. Noch schöner ist die Aussicht, wenn man vom Feldschlösschen, 10 Minuten weit in der Richtung nach Voigtsdorf, auf die Dörnthaler Höhe geht. Es öffnet sich dann noch eine Fernsicht nach Nord und Nordost, so dass man in ersterer Richtung Freiberg und in letzterer Frauenstein sammt den im Hintergrunde liegenden Höhen bei Pulsnitz sieht. Bei hellem Wetter kann auch deutlich der Kolmberg bei Oschatz erkannt werden. – Vom Feldschlösschen führt der Dorfweg durch Dörnthal nach dem an letzteres sich anschliessenden Haselbach (701 E.) und von hier ein Fusspfad so nach Forchheim (1448 E.), dass man vom Gasthofe »Stadt Karlsbad«, am Schlosse des Freiherrn v. Biedermann vorüber, auf die Strasse nach Lengefeld gelangt, welche vor Erreichung dieses Ortes noch Görsdorf (515 E.) im anmuthigen Flöhathal und jenseits der Flöha den Gasthof »Zum Marterbüschel« berührt. Von Lengefeld geht die Strasse zunächst nach Wünschendorf (768 E.). Rechts des Weges erhebt sich malerisch über dem linken Ufer der Flöha, auf hoch gelegenem Felsen, die kleine Burg Rauenstein, zu welcher von unten aus ein überwölbter Zugang führt. Weiterhin geht der Weg durch Wald nach Börnchen, von wo man sich entweder über Krummhermersdorf (2280 E.) oder über Waldkirchen nach Zschopenthal (199 E.) und Zschopau wendet.
Lengefeld, Stadt, unfern der Flöha, 1507´ ü. M., mit 3288 E. Viel Weberei (400 Meister).
Waldkirchen, Dorf, 1556´ ü. M., mit 1635 E., Fabrikation von Holzwaaren, besonders von Haus- und Küchengeräthen.
Zschopau, Stadt am gleichnamigen Flusse, 1204´ ü. M., mit 7821 E. Treibt Wollen- und Baumwollenweberei; in der Nähe viele Spinnmühlen. Das Schloss »Wildeck«, dessen runder Thurm noch aus den Zeiten Heinrichs I. herrühren soll, ist jetzt Sitz des Gerichts- und des Forstamtes. Zu der Martinskirche führt von der Vorstadt eine 70 Stufen enthaltende Felsentreppe. Prächtiges Seminargebäude. Am Schiesshause köstliche Aussicht.
XIV. Route: Von Olbernhau nach Rothenhaus und Eisenberg.
1. Von Olbernhau (s. [S. 82]) folgt man südöstlich der Chaussee bis Grünthal, geht in diesem Orte über die Flöhabrücke und wendet sich auf einem Wiesenpfade, welcher unmittelbar hinter dem Walzwerk hinführt, dem Dorfe Rothenthal (737 E., Holzdrechselei) zu. Am Ende dieses Dorfes überschreitet man die wildschäumende Natschung und gelangt so an den, auf österreichischem Gebiet gelegenen Eingang in das Natschungthal, welches, weil weiter oben der Teltschbach in die Natschung mündet, meist Teltschthal genannt wird. Neben der Einsamkeit und würzigen Waldluft gefällt die Bildung des Thales. Die Thalsohle ist oft so schmal, dass sie kaum Raum hat für den Fluss und die daneben angelegte Strasse; die Thalwände werden häufig von schroffen Felsen unterbrochen, so dass man an hohem bastionsähnlichen Gemäuer vorüberzugehen meint; das Thal selbst macht die vielfachen Windungen der Natschung mit und bietet so von Strecke zu Strecke veränderte Ansichten dar. Naturfreunde behaupten daher mit Recht, dass sich das Teltschthal wohl mit dem berühmten Schwarzathal in Thüringen vergleichen lasse. – Nach einer Wanderung von 1½ Stunden, wobei man an einer im Schweizerstyle erbauten Gartenwirthschaft vorüber gekommen ist, macht man mit dem Teltschbach eine Biegung nach links und erreicht bald darauf ein Eisenwerk, welches nach der früheren Besitzerin, der Gräfin Gabriele v. Boucquoi auf Rothenhaus, Gabrielahütte genannt wird. Von hier führt eine gut gebaute Strasse – nur muss man beim Verlassen des Waldes rechts gehen – nach dem Dorfe Kallich (850 E.), wo sich noch grössere, ebenfalls zur Herrschaft Rothenhaus gehörige Eisenwerke befinden. Während Kallich auf einem Hochplateau ziemlich kahl und reizlos gelegen ist, bietet der nicht weit hinter diesem Dorfe beginnende südliche Abhang des Gebirges um so mehr Abwechslung und Genuss dar. Von hier führt die Strasse fast immer im Tannenwalde bergab nach dem 1½ St. entfernten Göttersdorf (460 E.), senkt sich dann in einem Buchenhaine noch weiter hinunter und mündet zuletzt am Fusse des Gebirges in eine der schönsten und gesegnetsten Gegenden von ganz Böhmen. Dicht vor uns liegt auf einem Bergvorsprunge das Schloss Rothenhaus mit seinen Garten- und Parkanlagen und dahinter breiten sich die fruchtbaren Gefilde des Biela- und Egerthales aus.
Nachdem man in Rothenhaus den Park, das Schloss und den Schlossgarten – hier vergesse man den Gartensalon mit dem interessanten Fremdenbuch nicht! – besucht hat, begiebt man sich über Hohnofen (¾ Std.) und Dorf Eisenberg (¼ Std.) nach Schloss Eisenberg, welches durch seine malerische Lage, seine trefflichen Gemächer und seine reichhaltigen Treibhäuser berühmt ist.
2. Man kann auch zuerst Schloss Eisenberg besuchen. Dann wendet man sich, sobald man von Gabrielenhütte den Wald passirt hat, nicht rechts nach Kallich, sondern links hinauf nach Katharinenberg. Von dieser Bergstadt (1700 E., Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei) geht man auf dem Plateau hin nach Nickelsdorf, dann aber steigt man (am besten mit Führer) auf steilem, doch schattigem Waldpfade hinab nach Schloss Eisenberg. – Der Weg von Eisenberg nach Rothenhaus über Hohnofen ist nicht zu verfehlen.
3. Wem ein Ausflug von Olbernhau nach Rothenhaus oder Eisenberg zu weit ist, der besuche wenigstens die Basaltfelsen zwischen dem Schweinitz- und Natschungsthale, welche früher das »Steinerlt« hiessen, neuerdings aber die »Luisensteine« genannt werden. Man geht zu dem Zwecke in dem Dorfe Brandau bis zur Kirche und wendet sich da rechts auf einen Fahrweg, welcher sanft ansteigend in den Wald und dann ziemlich steil, unter stämmigen Fichten hin, auf den Bergrücken führt. Nach Ueberschreitung einer Waldblösse sehen wir die »Luisensteine,« zwei nur einige hundert Schritt von einander entfernte Felsgruppen, vor uns stehen. Wir besteigen die höhere, indem wir uns ihr von rückwärts nähern, und geniessen eine wundervolle Aussicht. Zu unseren Füssen liegt das grüne Schweinitzthal, umsäumt von bewaldeten Abhängen und schön geformten Bergkuppen. Gegenüber bemerken wir den Schwartenberg, mit den an seiner Böschung sich hinziehenden Häusern von Heidelbach und Heidelberg, und mehr zurück zeigen sich Stadt Sayda, Burg Frauenstein und Schloss Lichtenwaldstein. Weiter rechts sehen wir hinab auf die Dächer und Strassen von Katharinenberg und darüber hinaus auf das gesegnete Böhmerland mit dem Milleschauer, dem Borzen und anderen Spitzen des Mittelgebirges. Und auf der entgegengesetzten Seite erscheint das Flöhathal, das Städtchen Lengefeld, die Augustusburg und weit im Hintergrunde der Rochlitzer Berg.