Man geht in Zschopau (s. [S. 88]) über die steinerne Brücke und wendet sich, am Bahnhofe vorbei, dem Wege zu, welcher, den Fluss rechts lassend, thalaufwärts führt. Hinter der Bodemer'schen Fabrik treten die meist bewaldeten Thalwände nahe an den Fluss heran: der Weg steigt empor und leitet fast in der Mitte des Abhanges dahin. Links vom Wege trifft man eine Ruhebank, und dabei eine Tafel mit der Inschrift: »Heinrich Cotta, geboren den 30. Oktober 1763«. Gegenüber, am andern Gelände, sieht man von frischem, wohlbeschnittenen Tannengebüsch die Buchstaben »H. C.« gebildet, welche gleichfalls auf den berühmten Forstmann hindeuten. Die hohe Felsenecke, welche später an unserer Linken erscheint, heisst die Kanzel und gewährt eine prächtige Rückschau auf das Zschopauthal. Nach 1½stündiger Wanderung folgen wir einem steilen Pfade hinab nach dem Dorfe Scharfenstein[9] (748 E.), in welchem sofort das alte Schloss die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dieses liegt auf einem sich weit hervorstreckenden Felsenrücken, der auf 3 Seiten von der Zschopau umflossen und quer von der Eisenbahn durchschnitten wird. Auch ein Stollen führt unter dem Felsen hin, um das Flusswasser mit recht viel Fall zu der Fiedler-Lechla'schen Spinnerei zu leiten. Auf dem Schlossberg hat man eine gute Aussicht. Von der Burg interessiren am meisten der Wartthurm und die tief in den Felsen eingearbeiteten Keller und Gefängnisse. Das Schloss gehört seit 1427 denen von Einsiedel, und hat in dem Bauern- und in dem 30jährigen Kriege mehrfache Gefahren zu bestehen gehabt.

In Scharfenstein überschreitet man auf der »Kuhbrücke« die Zschopau, geht fast bis zur Griesmühle (Griessbachmühle) und wendet sich dann links lehnan in einen angenehmen Wiesengrund. Bei der Gabelung des Baches geht man geradeaus und kommt so nach Venusberg (1164 E.), von wo ein Weg durch das Rittergut hindurch, bei einem Göpel vorbei, in ¾ Std. nach Herold (850 E.), führt. Man ist hier auf der Weissbach-Annaberger Chaussee und diese verfolgt man, bis sich der Grund etwas erweitert; dann geht man rechts, überschreitet auf schwankem Stege (bei einem Wehre) den Wiltschbach, erreicht Stadt Thum und steigt von da, hinter dem Rathskeller weg, zu dem Greifenstein empor. – Man kann auch auf der Weissbach-Annaberger Strasse bis Ehrenfriedersdorf gehen und von hier aus (am besten mit Führer) den Greifenstein besteigen; doch ist der Weg etwas weiter.

Der Greifenstein, 2234´ ü. M., im Ehrenfriedersdorfer Freiwalde gelegen, ist eine merkwürdig-groteske, auch von der Sage vielfach umwobene Felsbildung. Auf einem Sockel von Gneis sind 7 freistehende, 30–50 Ellen hohe Granitmassen aus lauter über einander gelagerten Platten aufgethürmt, so dass man Cyklopenmauern oder die Reste einer grossen Burg vor sich zu sehen meint. Die eine Gruppe ist besteigbar und gewährt – in der benachbarten Restauration erhält man ein gutes Fernrohr – eine glänzende Umschau. Südwärts liegt der ganze Kamm des Erzgebirges vor uns und lässt die wichtigsten Höhepunkte, als Auersberg, Fichtel- und Keilberg, Scheibenberg, Pöhlberg, Bärenstein, Hassberg pp. deutlich erkennen; im Westen und Osten schliessen sich die wellenförmig gestalteten, von Thälern und Einschnitten reichlich durchsetzten Abhänge des Erzgebirges an und im Norden sieht man den Kolmberg, die Rochlitzer Berge und selbst den Petersberg bei Halle. Dazwischen begegnet das Auge in allen Richtungen den Wohnplätzen der Menschen. Man erblickt die Schlösser Frauenstein, Augustusburg und Sachsenburg, die Städte Thum, Geyer, Schlettau, Scheibenberg, Annaberg, Sayda, Frauenstein, Schellenberg, Mittweida, Hohenstein, Altenburg, Leipzig pp. und eine Menge von Höfen und Dörfern.

Vom Greifenstein gelangt man auf angenehmem Waldweg nach der nur ½ Stunde entfernten Bergstadt Geyer.

Thum, Stadt, 1579´ ü. M., mit 2625 E., treibt Feldwirthschaft, Bergbau, Strumpfwirkerei und Posamentirerei. In der Nähe kommt ein besonderes Mineral, der Thumer Stein, vor. Bei Thum hat am 15. Januar 1648 ein Gefecht, des 30jährigen Krieges letzter Kampf in Sachsen, statt gefunden, weshalb vom Annaberger Zweigverein der Gustav-Adolph-Stiftung 1848 allda ein Denkstein errichtet worden ist.

Ehrenfriedersdorf, Stadt, 1676´ ü. M., mit 3026 E. Gleiche Erwerbsquellen wie Thum. Ringsherum und besonders am Sauberge bedeutende Berghalden von früheren Zinn- und Silbergruben. (An eine der Gruben knüpft sich auch eine merkwürdige Erzählung: »Die lange Schicht«). Für Mineralien ist die Gegend von Ehrenfriedersdorf ein reicher Fundort. – Zwischen Ehrenfriedersdorf und Thum standen früher Arsenikwerke (»Gifthütten«) in deren Nähe von den ausströmenden Dämpfen alle Vegetation erstickt wurde. Die also verödete Gegend hat davon den Namen »Elend« bekommen.

Geyer, Stadt, 1856´ ü. M. mit 4260 E. hatte ehemals blühenden Bergbau, auf welchen die am 11. Mai 1802 entstandene, gegen 70 Ellen tiefe Binge deutlich hinweist; jetzt ist derselbe erloschen; dafür treibt man Posamentiererei und Strumpfwirkerei. – Durch heftiges Sturmläuten beim sächsischen Prinzenraube sprang (1455) in Geyer die grosse Glocke und wurde darnach auf kurfürstliche Kosten umgegossen. – In der Nähe von Geyer liegt Siebenhöfen; bekannt, weil der um die sächsische Baumwollenspinnerei sehr verdiente Eli Evans sich daselbst 1812 eine eigne Spinnmühle errichtete.

XVI. Route: Von Olbernhau über Zöblitz nach Marienberg.

Von Olbernhau nach Grundau (53 E.), dann auf einem Fusswege, welcher die Chaussee links lässt, nach dem mittleren Theil von Ansprung (926 E.) und weiter auf der Strasse nach Zöblitz. Besuch der Serpentinsteinbrüche und einiger Werkstätten für Serpentinsteindrechselei. Am nordwestlichen Ende der Stadt, in der Nähe des Forstamtes, rechts hinab in das Thal der schwarzen Pockau, um die Ruine Niederlauterstein zu besteigen. Von dieser zurückgekehrt, auf angenehmem Wiesenpfade, welcher an der Pockau aufwärts führt, zum Gasthofe »Kniebreche« an der Zöblitz-Marienberger Chaussee. Unterwegs zeigt sich zur Linken bald ein Felsenvorsprung, auf welchem vormals die Burg Oberlauterstein gestanden hat; zur Rechten lugen später von der Höhe einzelne Häuser herab, welche zu dem Dorfe Rittersberg (312 E.) gehören. Von der »Kniebreche«, bei der die rothe und die schwarze Pockau zusammenrinnen, folgen wir (mit Führer!) dem Thal der letzteren und gelangen so zum »schwarzen Grund«, der wildesten Gegend des ganzen Erzgebirges. Nachdem wir die hohen, fast senkrecht aufsteigenden Felsen und die tosende Pockau betrachtet haben, erklimmen wir den Katzenstein und geniessen von einer weit vorspringenden Felsenplatte die Aussicht auf das eben verlassene Thal und dessen Umgebung. Vor uns liegt in jäher Tiefe der »schwarze Grund«; zur Linken gewahren wir eine ungeheure Felsenwand, die Ringmauer genannt, gegenüber eine fast isolirte Bergspitze, auf welcher ehemals ein Raubschloss gestanden haben soll, und dahinter den grossen Kriegwald. – Vom Katzenstein gehen wir durch den Wald nach dem Dorfe Pobershau (1426 E.) und von da über Wildenburg nach Marienberg.

Zöblitz, Stadt 1728´ ü. M., mit 1824 E. Mehrmals, besonders 1854, durch Brandunglück heimgesucht. Die Serpentinsteinbrüche befinden sich auf dem nach Ansprung hin streichenden Höhenzuge, »die Harthe« genannt. Die Schichtung ist also: oben liegt der untaugliche Kammstein, dann folgt der blaue Horn- oder Lawetzstein und zu unterst erst die brauchbare Masse. Seit 1613 hat Zöblitz eine besondere Steindrechslerzunft: 40 Innungsmeister fertigen Apothekerschalen, Wärmsteine, Büchsen, Schreibzeuge, Briefbeschwerer, Grabsteine pp. – Neuerer Zeit sind die Brüche, welche nicht sonderlich gehalten waren, in den Besitz einer Actiengesellschaft übergegangen und werden nun rationell abgebaut.