Die Burg Oberlauterstein ist in dem Hussitenkriege, Burg Niederlauterstein im 30jähr. Kriege zerstört worden.

Marienberg, Stadt 1864´ ü. M., mit 5518 E. Verdankt seine Gründung – sie geschah 1521 durch Herzog Heinrich d. Frommen – dem Bergbau, treibt jetzt aber meist Feldwirthschaft, Grenzhandel und Spitzenklöppelei; auch hat es neuerer Zeit eine Flachsbereitungsanstalt. Die Stadt ist regelmässig angelegt, hat einen schönen, mit Linden bepflanzten Markt und eine sehenswerthe gothische Kirche. In der Kirchenbibliothek befindet sich ein werthvolles Manuscript, »die Coss« betitelt, von Adam Riese (vgl. Programm d. Annaberger Realschule v. J. 1860).

XVII. Route: Von Marienberg über Wolkenstein nach Annaberg und Buchholz.

Auf der Marienberg-Wolkensteiner Chaussee bis an den Wald, dann auf dem in das Holz einmündenden Fahrwege bis an ein Bergwerk und von da auf einem Fusssteig über das bereits sichtbare Dorf Geringswalde nach dem Wolkensteiner Warmbad, welches ausser der Quelle und den verschiedenen Wirthschaftsgebäuden angenehme Anlagen und Spaziergänge darbietet. Nach Besichtigung des Bades kann man sich direkt nach Wolkenstein wenden, gerathener aber ist es, an dem vorhandenen Bache, durch einen wilden Grund hinab ins Thal der Zschopau zu gehen, hier den Flossplatz und den Lauf der Eisenbahn anzusehen und nun erst – der Weg führt einige Zeit an dem Flusse aufwärts – nach Wolkenstein emporzusteigen. Allda besucht man vor Allem das Schloss, welches auf einem 250 Fuss hohen, jäh' nach der Zschopau abstürzenden Felsen erbaut ist. Die südlichen Schlossfenster und mehrere Stellen am Schlossrande gewähren eine prächtige Aussicht auf das Zschopauthal und die in demselben sich hinwindende Eisenbahn, sowie auf die umliegenden Höhen und einen Theil des Obergebirges. Auch ladet der ganze Bergabhang, von seinem reichen Bestande an Bäumen und Sträuchern der »Haag« genannt, zu einem Spaziergange ein, wenn auch die Wege mühsam dem Boden abgewonnen und etwas steil sind.

Von Wolkenstein kann man verschiedene Wege nach Annaberg (Buchholz) einschlagen. Entweder geht man auf der Chaussee, an den untern Häusern von Schönbrunn vorbei, nach Wiesenbad, betrachtet hier die Sehenswürdigkeiten und wendet sich dann auf der Strasse nach Annaberg. Oder man benutzt von Wolkenstein bis Wiesenbad die Eisenbahn, sieht sich in dem Orte um und fährt mit einem späteren Zuge nach Annaberg. Oder endlich man geht von Wolkenstein durch den Haag nach dem sogenannten Prinzessinnenweg, verfolgt diesen und wendet sich kurz vor Einmündung der Pressnitz linkshin nach Finsterau und von da über Streckewalde und Himmelmühle nach Wiesenbad, von wo Annaberg leicht zu erreichen ist. – Der dritte Weg ist der empfehlenswertheste, doch würde er noch angenehmer sein, wenn an der Spitze, welche Zschopau und Pressnitz mit einander bilden, ein Steg über Letztere führte und man so im Zschopauthale aufwärts nach Himmelmühle und Wiesenbad gelangen könnte.

Bad Wolkenstein ist der wärmste (30° C.) Gesundbrunnen Sachsens und mit Vortheil gegen Gicht, Rheuma und ähnliche Krankheiten anzuwenden. Die ziemlich tief liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefasst und dadurch gegen Zufluss von »wilden Wässern« geschützt worden.

Wolkenstein, Stadt, 1446´ ü. M., mit 2075 E. Lebt von Ackerbau, Spitzenklöppeln und Posamentiererei. Sehenswerthe Kirche. Das Schloss besteht aus einem älteren, in Trümmern liegenden, und einem neueren, noch erhaltenen Theil. Auf Schloss Wolkenstein haben im 15. und 16. Jahrhundert wiederholt sächsische Fürsten, besonders Georg d. Bärtige und Heinrich d. Fromme gewohnt; an Letzteren erinnert auch das von Wolkenstein ⁵/₄ Stunde entfernte Lehngut Heinzebank (Heinrichsbank).

Wiesenbad, freundlicher Kurort im Zschopauthale, hat ausser dem nahen Lustwäldchen noch andere interessante Punkte: so den grossen Riss, den Chocoladenfelsen und den Amethystenbruch. Die Quelle, 26° C. warm, hat ähnliche Wirkungen wie das Wolkensteiner Bad, zeigt sich aber von ganz besonderem Nutzen bei scrophulösen Kindern. – In der Nähe des Bades ist eine grosse Flachsspinnerei.

Annaberg, wichtigste Stadt des Obererzgebirges, an dem der Sehma zugekehrten Abhange des Pöhlberges, ziemlich abschüssig, – 1700 bis 1980´ ü. M. – gelegen, mit 11,693 E. Verdankt seine Entstehung dem Silberbergbau, welcher der Sage nach durch Daniel Knapp, den Urkunden nach durch Kaspar Niezelt aus Frohnau in Aufnahme gekommen ist (1492). Die reiche Ausbeute lockte viele Bergleute und Grubenherren, Handwerker, Händler und Glücksritter herbei, so dass die »wilde Ecke« – so hiess damals die in Rede stehende Gegend – zahlreich besiedelt wurde. Dies gab Herzog Georg dem Bärtigen Veranlassung, allda (21. Septbr. 1496) eine Stadt zu gründen, welche anfangs »Neustadt am Schreckenberge«, darnach aber »St. Annaberg« genannt wurde. Am ergiebigsten zeigten sich die Erzgänge im 16. Jahrhundert, und diese Zeit ist es, wo die Annaberger Bergherrn wegen ihrer Ueppigkeit[10] verrufen waren. Annaberg hatte damals seine eigene Münzstätte (an sie erinnert die heutige Münzgasse) und schlug Geldstücke, welche von dem Fundorte »Schreckenberger« und von dem Gepräge »Engelsgroschen« hiessen. Die Ausbeute war bisweilen so gross, dass das Silber in Erzkuchen, also ungemünzt, vertheilt werden musste. Aber wie anderwärts, so hielt auch bei Annaberg der reiche Bergsegen nicht aus. Und als im 30jährigen Kriege noch Noth und Elend an die Bewohner herantrat, da kam der dasige Bergbau fast zum Erliegen und hat sich seitdem trotz mehrfacher, namentlich in neuester Zeit gemachter Versuche nicht wieder in Aufschwung bringen lassen. Das Sinken des Bergbaues war jedoch die Ursache, dass das durch Barbara Uttmann (1561) aufgebrachte Spitzenklöppeln in und um Annaberg rasche Verbreitung fand und die Stadt dadurch, sowie durch die von Georg Einenkel (1589) in Buchholz eingeführte und von da nach dem Nachbarort gekommene Posamentiererei eine ganz neue wirthschaftliche Grundlage erhielt. Was Annaberg damals als Bergstadt verlor, das gewann es bald darauf als Handels- und Industriestadt wieder und eine solche ist es auch bis auf unsere Tage, wo zu den vorhandenen Erwerbszweigen noch die Seidenweberei, die Crinolinfabrikation u. s. w. gekommen sind, geblieben.

Sehenswürdigkeiten: In Annaberg besucht man zunächst die Haupt- oder Annenkirche, welche mit reiner Kreuzesform im gothischen Style erbaut (1499–1519) ist. Der Hauptaltar enthält 10 Sorten Marmor und stellt in herrlicher Skulptur den Stammbaum Christi dar. Ausserdem sind noch drei Altäre: der Bergaltar (mit interessanten Bildern aus dem früheren Bergmannsleben), der Münzeraltar und der Bäckeraltar vorhanden, wie denn überhaupt die Kirche mit grosser Schonung für den protestantischen Kultus umgewandelt worden ist. Beachtenswerth sind ferner: die steinerne mit vieler Bildhauerarbeit gezierte Kanzel, die goldene Pforte, (1577 aus dem hiesigen Kloster entnommen), der becherförmige Taufstein (1560 aus dem Grünhainer Kloster anher versetzt) und neben anderen Gemälden besonders das von Lukas Kranach herrührende Bild (die Ehebrecherin vor Christus). An den Emporen sieht man 100, in gebrannter Erde ausgeführte Darstellungen aus der biblischen Geschichte; doch haben sich unsere Vorfahren auch nicht versagt, an der Brüstung der beiden Seitenchöre die Lebensalter der beiden Geschlechter sinnbildlich in humoristisch-satyrischen Reliefs anzubringen. – Der kegelschiebende Engel, welcher sich über dem Eingang zur »alten« Sakristei befindet, wird von Vielen für ein Wahrzeichen der Stadt gehalten. Die Thüre zu dieser Sakristei trägt interessante Schlösser, wahre Muster der alten Schlosserkunst. In der Sakristei selbst ist ein Tetzel'scher Ablasskasten zu sehen. – Im Jahre 1833–34 sind durch architectonisches Missverständniss aus den schadhaften Fenstern die gothischen Verzierungen und steinernen Zwischenrahmen herausgenommen und durch schlichtes Holzwerk ersetzt worden; neuerer Zeit aber werden die Fenster stylgemäss mit steinernem Maass- und Laubwerk wieder hergestellt. – Die ganze Kirche macht sowohl in Grösse als Bauart einen erhebenden Eindruck. Dies geht auch aus den Worten Johann Friedrich des Grossmüthigen hervor, der zu Herzog Georg, nachdem er mit diesem einem katholischen Gottesdienst in der Hauptkirche beigewohnt, sagte: »Der Gebauer ist wohl schön, nur der Vogel darin singt nicht gut.«