Sebastiansberg, Stadt, fast am Gebirgskamme gelegen, mit 2000 E., hat Grenzverkehr und viel Holz- und Viehhandel.
Kommotau s. [S. 85].
XIX. Route: Von Annaberg über Jöhstadt, Pressnitz, Sonnenberg und den Hassenstein nach Brunnersdorf.
Beim Annaberger Schiesshause hinaus, erst auf einem Fahr- und dann auf einem Fusswege, nach Königswalde (s. [v. R.]) und von da auf der Chaussee nach Jöhstadt. Von hier kann man zwei verschiedene Wege nach Pressnitz einschlagen. Der nächste Weg führt bei »Stadt Leipzig« in den Grund hinab, geht über Dürrenberg und Hegerhaus und mündet auf die Pressnitz-Satzunger Chaussee, von welcher aus, vor dem Einmarsch in Pressnitz, sich ein Abstecher auf den nahen Hassberg (3051´) empfiehlt, da dieser nicht nur eine gute Aussicht in Nähe und Ferne, namentlich auf das Pressnitzthal, sondern auch eine üppige Flora darbietet. Leider fehlt dem Gipfel ein Aussichtsthurm, welcher zur Umschau doch so nothwendig ist. Der weitere Weg führt auf der Chaussee über Schweizerhäuschen und Pleil, doch lässt sich auch dieser etwas abkürzen, wenn man bei den ersten Häusern von Pleil links den Fussweg nach dem Walde einschlägt und so erst später wieder auf die Strasse gelangt. – Von Pressnitz hat man sich nach Sonnenberg (1000 E.) zu wenden. Man wählt dazu die Strasse über Reischdorf (2000 E.) oder den näheren Fussweg, welcher bei'm Herrnhaus in Pressnitz links abgeht und erst quer durch die Wiesen und dann auf den vorliegenden Höhenrücken dahinführt. Nachdem man in Sonnenberg die grosse, schöne und weithin nach Böhmen hinein leuchtende Kirche besehen hat, steigt man rechts zur Holzmühlenbachmühle hinab und besucht darauf, unterwegs noch das aus den Hussitenkriegen merkwürdige Platz (450 E.,) berührend, die Ruine Hassenstein, welche grossartig in ihren Trümmern und reizend in ihrer Lage ist. Vom Hassenstein geht man weiter bergab und gelangt auf angenehmem Wege nach dem fruchtbar gelegenen Orte Brunnersdorf (s. [R. XI.] S. 84).
Jöhstadt (Josephsstadt), Stadt am Schwarzwasser, ohnweit der böhmischen Grenze, 2306´ ü. M., mit 2286 E. Fertigt Spitzen, Posamenten, Zündhölzer und Metallwaaren. Der Ort besitzt eine Anzahl »Landrasender«, d. h. Hausirer, welche mit erzgebirgischen Handelsartikeln in ganz Deutschland umherwandern.
Pressnitz, Stadt am gleichnamigen Flusse, mit 3000 E. Hauptort der »fahrenden« Musiker, welche auf Märkten und Messen, bei Vogelschiessen und anderen Volksfesten sich hören lassen und sogar nach fernen Staaten, besonders nach Russland und Schweden ziehen. Seitdem in der Stadt eine gute Musikschule errichtet worden ist, haben sich die Leistungen der Pressnitzer »Kapellen« wesentlich gehoben.
XX. Route. Von Annaberg über Weipert nach Kupferberg und Klösterle.
Vom böhmischen Thore rechts nach dem nahen Dorfe Kleinrückerswalde (707 E.) und dann auf die Annaberg-Weiperter Chaussee, welche auf dem Höhenzuge zwischen der Sehma und Pöhla dahinläuft. Man kommt an dem Kunnersdorfer Chausseehaus und der daneben liegenden Restauration »Zur Morgensonne« vorüber, überschreitet auf interessant construirter Brücke den tiefen Einschnitt der Annaberg-Weiperter Eisenbahn und gelangt von »Becks Gasthof« nach dem Flecken Bärenstein (1612 E.). Auf dem Marsche sieht man links im Grunde die Mildenauer Kirche und einige Häuser von Königswalde und auf der Höhe das Jöhstädter Schiesshaus; rechts im Thale hat man Buchholz, Sehma, Cranzahl und davor an der Berglehne Kunnersdorf und das Gut Königslust. Von genanntem Durchstich führt die Eisenbahn nach dem Annaberger Flossgraben[13], um auf demselben bis an Weipert zu gelangen. In Bärenstein schickt man sich zur Besteigung des gleichnamigen Berges (2762´) an. Man geht zu diesem Behufe in der Nähe der Kirche rechts von der Strasse ab und gewinnt so einen Fusspfad, welcher von südöstlicher Seite zur Höhe emporführt. Beim Steigen liest man an einer Steinplatte: »Den 22. August 1858 geruhte Se. Majestät der König Johann von Sachsen den Bärenstein zu besuchen.« Das Plateau ist gut berast und erlaubt ein bequemes Umherwandern. An der nördlichen Kante ist die Aussicht am lohnendsten: Gerade aus sieht man Buchholz und Annaberg, daneben den Pöhlberg; weiter zurück den Greifenstein, Schönfeld und Augustusburg; rechts im Grunde erscheint die Mildenauer Kirche, darüber die Höhe von Marienberg, davor das Pöhlthal mit Königswalde; weiter folgen der Grumbacher Berg, Jöhstadt, der Hassberg und der Spitzberg; nunmehr gleitet der Blick am Kamme des Gebirges hin nach dem im Süden liegenden Keil- und Fichtelberg; rechts draussen erscheint der Auersberg, westlich davon der Ochsenkopf und die Morgenleite bei Schwarzenberg, weiter herein der Plesselstein und der Scheibenberg, rechts daran liegt Schlettau und hinter ihm Hermannsdorf und Geyer, an welches sich der Greifenstein wieder anschliesst. – Bei'm Herabsteigen schaut man auf das anmuthige, an beiden Seiten vielfach mit Häusern besetzte Thal der Pöhl, welche von hier bis Wiesenthal die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen bildet und darum nur der Grenzbach genannt wird. – Man geht nun auf der Chaussee nach Weipert, (industrielle Stadt mit 5000 E.) und wendet sich hier links einem Bergwerke zu, um an demselben vorbei zum Forsthause zu gelangen, hinter welchem ein geradliniger Waldweg nach Schmiedeberg (2800 E.) hinüber leitet. Von Schmiedeberg kann man der Strasse über Oberhals nach Kupferberg folgen; näher aber ist es, wenn man unterhalb der Kirche links den Berg hinauf geht und den Waldweg nach dem Kupferhügel (2790´) einschlägt. Auf Letzterem steht eine Kapelle, bei welcher man eine Aussicht geniesst, die von den Böhmen selbst zu den schönsten ihres Landes gezählt wird. Nach Sachsen zu ist zwar der Blick durch bewaldete Höhenzüge und Bergspitzen etwas beschränkt, nach Böhmen hin aber ist er um so freier. Man überschaut einen grossen Theil des Elbogener, des Saazer und Leitmeritzer Kreises, sammt den darinliegenden Schlössern, Dörfern und Städten, und wird von den Reizen des Egerthales und Mittelgebirges geradezu überrascht.
Von der Kapelle zu dem Städtchen Kupferberg (870 E.) hinabsteigend, bemerkt man viele Halden und Bingen, beredte Zeugen des ehemals lebhaften Bergbaues. Das Städtchen macht einen ärmlichen Eindruck, wird sich aber durch die Annaberg-Kommotauer Eisenbahn, welche in der Nähe eine Haltestelle bekommt, sicherlich heben. – Gleich unterhalb Kupferberg beginnt die südliche, steile Abdachung des Erzgebirges. Man besuche hier noch die links von der Chaussee stehenden Felsen, welche gleichfalls eine gute Ansicht des Böhmerlandes darbieten, und steige dann auf der sich vielfach windenden Strasse bergab, wende sich aber bei der letzten grossen Krümmung links auf einem Fusswege nach dem Dorfe Kunau, von welchem man auf einem reizenden Waldthalwege nach Klösterle (s. [R. XI.] S. 85) gelangt.