Joachimsthal, Stadt, 2218´ ü. M., mit 6000 E. Gehört zur sogenannten heiligen Familie der Bergstädte, von denen Marienberg und Jöhstadt nach Christi Eltern, Annaberg und Joachimsthal nach den Grosseltern benannt sind. – Beschäftigt sich mit Bergbau, Spitzenklöppelei u. Handschuhnäherei. – Sehenswerthe, ursprünglich protestantische Dekanatskirche mit Bildern – auf einem Altarblatte auch das Portrait Luthers – von Kranach u. Dürer. Um die Stadt herum noch vier Kapellen; auf dem Schlossberge Trümmer der Burg Freudenstein. – Zur Zeit der Reformation haben Matthesius als Pfarrer und Nik. Hermann als Kantor in Joachimsthal gewirkt. – Von dem Orte soll der Name »Thaler« (Joachimsthaler) herstammen.
XXII. Route. Von Karlsbad nach Eger.
Diese Route wird am vortheilhaftesten mit Dampfwagen zurückgelegt. Die Eisenbahn geht im Egerthale hinauf, hat interessante Dämme und Viadukte zu passiren und bietet, ausser auf den Fluss, angenehme Aussichten auf nahe Wälder und die fernen Höhen des Erzgebirges. Bei Elbogen (2500 E.) unterbricht man die Fahrt, um diese Stadt in Augenschein zu nehmen. Sie hat altersgraue Mauern, Zinnen und Thürme und ist höchst malerisch auf einem steilen Felsenvorsprung gelegen, der von der Eger in elbogenartiger Biegung umflossen wird. Das Schloss steht seit 870. Auf dem Rathhause zeigt man einen bei der Stadt niedergefallenen Meteorstein.[14] Sehenswerthe, von 1833–36 erbaute Kettenbrücke: 100´ hoch, 200´ lang mit einem Eisengewichte von 1200 Centnern.
An der nächsten Stadt, an Falkenau (2500 E.), fährt man am besten vorüber, denn ausser einer schönen Lage, deren schon Göthe gedenkt, indem er sagt: »es ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne,« bietet sie wenig Bemerkenswerthes. Aber die Station Königsberg eignet sich wieder zum Absteigen, da man von hier aus die Probstei Maria-Kulm (vielbesuchter Wallfahrtsort mit guter Aussicht auf das Fichtelgebirge und die Gegend von Karlsbad) leicht erreichen kann. – In ununterbrochener Fahrt braucht man von Karlsbad bis Eger 2 Stunden. (II. Kl. 1 Fl. 79 Kr. III. Kl. 1 Fl. 8 Kr).
Eger, Stadt, am gleichnamigen Flusse, 1305´ ü. M., mit 13,000 E. Ehedem freie Reichsstadt; bis 1809 starke Festung. Im Stadthause (früher Pachhäbel'schen Hause) wurde Wallenstein am 25. Febr. 1634 durch den Irländer Deveroux mit einer Partisane erstochen, die man allda nebst einigen bezüglichen Gemälden noch zeigt. Auf der kaiserlichen Burg, an der nordwestlichen Seite der Stadt gelegen, waren kurz vorher die Freunde Wallensteins: Terzky, Illo, Kinsky und Neumann ermordet worden. Von dem Banketsaale, in welchem die That geschah, stehen nur noch einige Fensterbogen. Sonst enthält die Burg eine herrliche Doppelkapelle, welche im unteren Theil romanisch und im oberen Theile gothisch ausgeführt ist, und den schwarzen Thurm, welcher mit seinen Lavablöcken aus den Römerzeiten herstammen soll. – Von der Burg und von Krämlings Bastei treffliche Aussicht auf das Egerthal und dessen Umgebung.
XXIII. Route: Von Eger über Franzensbad nach Elster.
Von Eger kann man sich mit Eisenbahn nach Franzensbad begeben, viel lohnender aber ist es, den Weg dahin (2½ St.) zu Fuss zurückzulegen. Zu dem Ende geht man vom Ringe (Markte) nach der Kunstmühle, passirt zwei hintereinander liegende Stadtthore und wendet sich, rechts vom Egerflusse, einem Promenadenwege zu, der durch den Wald nach dem Siechenhause (Versorgungsanstalt und Jägerhaus mit Restauration) führt. Dieses bietet eine gute Aussicht auf die Stadt Eger und die dahinter liegenden Höhen und wird wegen seiner trefflichen Lage von den Franzensbader Kurgästen und den Bewohnern Egers viel besucht. Umfassender ist der Blick von der St. Anna-Kapelle, welche ¼ St. ob dem Siechenhause, links von der Chaussee nach Wunsiedel, gelegen ist. Hier sieht man Franzensbad und Mariakulm, sowie den Südabhang des Erzgebirges, ferner (nach Marienbad hin) die Königswarther Höhen und den Dillenberg und weiter rechts endlich das Fichtelgebirge mit dem Ochsenkopf, Schneeberg, Waldstein und der Kösseine. – Von der Kapelle zur Chaussee zurückgekehrt, wendet man sich links auf einem Waldpfade hinab zur Eger und überschreitet dieselbe auf einem Stege. Nun gelangt man nach dem Dorfe Stein und von diesem auf gut gehaltenem Wege nach dem Kammerbühle, einem erloschenen Vulkane, der sowohl wegen des Baues seines Kraters, als wegen der Schichtung und Beschaffenheit seiner Gesteine bei den Geologen (Göthe, Humboldt, Cüvier, Bonpland) in grossem Ansehen steht. – Vom Kammerbühl führt ein angenehmer Promenadenweg nach Franzensbad, dessen Sehenswürdigkeiten in wenig Stunden in Augenschein genommen sind. Endlich fährt man mit dem Dampfwagen bis Station Mühlhausen, von welcher Bad Elster bald erreicht wird.
Franzensbad, auf einer moorigen Hochebene, 1281´ ü. M., mit 90 Häusern, gehört zu den berühmten böhmischen Kurorten, hat aber wenig Naturschönheiten, für die man indess durch künstliche Anlage (Park, Loimannscher Park, Neue Anlagen) zu entschädigen gesucht hat. Seine Heilquellen (Franzensquelle, Salzquelle, Wiesenquelle, Neuquelle, Luisenquelle, kalter Sprudel) sind sämmtlich eisenhaltige Glaubersalzwässer mit starkem Gehalt an Kohlensäure und werden besonders zur Reinigung des Blutes und zur Belebung des Magens und der Schleimhäute verordnet. Ausgezeichnete Moorbäder. – Bei Besuch der Quellen und Wandelbahnen (vor der Franzensquelle und zwischen der Salz- und Luisenquelle) staunt man über die Pracht der Kaiserstrasse und der Morgenzeile, namentlich zeigen in Letzterer die Häuser und Läden eine Eleganz, wie sie wohl kaum in einem anderen Bade wiedergefunden wird. Im Park das von Schwanthaler modellirte Bronzestandbild des Kaisers Franz I., des Wohlthäters von Franzensbad.
Elster, besuchtester Kurort Sachsens, an der weissen Elster, 1464´ ü. M. Anmuthige Lage in einem von bewaldeten Höhen umsäumten Thalkessel. Geschmackvolle Häuser und Parkanlagen. Am Brunnenplatze das königliche Badegebäude und die durch Verkaufsgewölbe geschmückte Wandelbahn, welche in ihrer Mitte eine grosse Trinkhalle mit der Marien-, Königs- und Albertsquelle enthält. Hinter der Kolonade führen gut gehaltene Wege auf den Brunnenberg, während andere Spaziergänge im Thale fortleiten und auch den tempelartigen Ueberbau berühren, unter dem die Salz- und Johannisquelle liegen, welche durch eine zweite Wandelbahn mit der Moritzquelle verbunden sind. Die Quellen des Bades gehören zu den alkalisch-salinischen Eisenwässern und gleichen in ihren Wirkungen denen von Franzensbad. – Zu Ausflügen eignen sich in der Nähe, ausser Mühlhausen und dem Brunnenberg, das Bergschlösschen, die Schwedenschanze, Waidmannsruhe, der Friedrichstein, Carolaruh und Albertshöhe; etwas weiter (½–1 St.) das Dorf Grün mit der Drahtmühle und den Restaurationen: »Zum grünen Thal« und »Zum weissen Schwan« und nach Adorf zu die Wirthschaft: »Zur Ziegelei« und die Arnsgrüner Kuppe.