1. Ueber Scheibenberg und Raschau. – Von Annaberg nach Buchholz und hier rechts die alte Schlettauer Strasse hinaus nach Schlettau. Dieser Ort wird auf der Hauptstrasse fast durchschritten, bei der Kirche aber wendet man sich rechts, um auf einem Feldwege einen Bogen der Chaussee abzuschneiden und so etwas rascher nach Scheibenberg zu gelangen. Hier gute Gelegenheit zur Besteigung des gleichnamigen Basaltkegels, der ähnliche Aussicht wie der Bärenstein darbietet. Von der Stadt Scheibenberg immer auf der Strasse hinab in das Mittweidathal, in den sogen. Raschauer Grund, und durch die daselbst liegenden Dörfer und Grünstädtel nach Schwarzenberg. Man wandert hierbei 1½ St. lang zwischen Häusern, da die Ortschaften Oberscheibe, Unterscheibe, Markersbach, Mittweida und Raschau sich dicht an einander schliessen. Bei Bad Raschau nimmt die Mittweida die von Rittersgrün kommende Pöhla auf, während sie selbst bei Schwarzenberg in das Schwarzwasser fällt. – Zwischen Annaberg und Schwarzenberg täglich 3mal Postverbindung; Fahrgeld 15 Ngr.
Buchholz (s. [R. XX.] S. 103.)
Schlettau, Stadt an der obern Zschopau, 1754´ ü. M., mit 1231 E. Treibt Posamentirerei und Schuhmacherei und hat eine Flachsbereitungsanstalt.
Scheibenberg, Stadt am gleichnamigen Berg, 2094´ ü. M., mit 2231 E. Hatte früher viel Bergbau, dem es auch seine Gründung verdankt; treibt jetzt besonders Posamentenfabrikation u. Klöppelei.
Schwarzenberg[15], alte Bergstadt, auf einer Felsenrippe ob dem Schwarzwasser, 1406´ ü. M., mit 3259 E. Endpunkt der Obererzgebirgischen Eisenbahn. Hat ein altes, doch vielfach umgewandeltes Schloss, dessen Verliessthurm aus dem 11. oder 12. Jahrhundert stammen mag. Einen guten Eindruck macht das vor der Stadt gelegene Bad Ottenstein (Wasserheilanstalt) mit seinen Felspartien und Promenaden. Nicht weit davon ist das Rettungshaus »Albert-Stift«. Die Stadt hat wiederholt, so noch 1824, von grossem Brandunglück zu leiden gehabt.
Die Gegend von Schwarzenberg ist ein Hauptquartier der sächsischen Eisenindustrie. Bei Bermsgrün, Erla und Crandorf, sowie bei Breitenbrunn, Grosspöhla und Rittersgrün treffliche Eisensteinlager und Verhüttung von Eisenerzen. Die Hohöfen, in denen das Feuer ein halbes Jahr nicht auszugehen pflegt, sind meist mit Giessereien, Hammer-, Walz- oder Drahtwerken verbunden. Die geschmolzene Eisenmasse wird aller 12 Stunden »abgestochen«, d. h. aus dem Hohofen abgelassen, und fliesst dann einem Feuerstrom gleich in trogartige Sandgräben, wo sie zu ungefügen Stücken, sogenannten »Gänzen«, erstarrt. Die Hammerschmiede sind derbe, kräftige Leute – ihr Körper scheint fest zu sein, gleich dem Eisen, das sie bearbeiten – und dabei voller Treuherzigkeit, wie die vielen über sie umgehenden Redensarten und Schwänke beweisen.
Durch die Eisenwerke ist eine besondere Industrie, die Blechlöffel-Fabrikation, hervorgerufen worden. Von den Orten Grünhain, Bernsbach[16], Lauter und namentlich Beierfeld werden jährlich gegen 300,000 Dutzend Löffel in mehr als 70 Sorten geliefert. Zunächst fertigt der »Plattenschmied« die Platten, d. h. ebene, spatelähnliche Eisenstücke, welche kaum im Groben den Umriss eines Löffels darstellen. Dann teuft der Löffelschmied (»Hohlmacher«) diese Platten aus, wozu er einen Ambos mit stählernen Modellen und verschiedene Teufhämmer gebraucht. Endlich werden die so entstandenen Löffel noch beschnitten, befeilt, gebeizt, gescheuert, verzinnt und polirt: in Allem hat ein Löffel, wenn er fein sein soll, 23mal durch die Hand zu gehen. – Zur Zeit des 7jährigen Krieges war dieser Industriezweig in der höchsten Blüthe: da wurden jährlich 18–20 Millionen Löffel fabricirt.
2. Ueber Elterlein und den Fürstenberg. – Von Annaberg nach Frohnau, in dem Dorfe aufwärts und beim Wegweiser rechts hinaus auf die Fahrstrasse nach Dörfel. Nach Ersteigung der vorliegenden Höhe eine prächtige Rückschau auf Annaberg und die dahinter liegenden Berge. In Dörfel über die Zschopau und dann durch das langgestreckte Hermannsdorf nach Elterlein. Von hier auf einem Fusssteige, erst Schwarzbach links und darnach Waschleite rechts lassend, nach dem Fürstenberge, an welchem den 8. Juli 1455 die Befreiung des Prinzen Albert stattfand. Zur Erinnerung an diese Begebenheit hat man 1822 über dem sog. Fürstenbrunnen einen Granitobelisk errichtet. – Im Walde brauchbare Marmorblöcke. – Unten bei dem Dörfchen Haide die Ruinen der von der Sage umrankten Dudels- – d. h. St. Oswaldskirche. Dem Fürstenberge gegenüber der »Graul« mit vielen Berg- und Hüttenwerken. – Zuletzt über Wildenau nach Schwarzenberg.
Elterlein, Stadt, 1919´ ü. M., mit 2307 E. Wahrscheinlich Geburtsort der Barbara Uttmann, der Erfinderin des Spitzenklöppelns.
3. Ueber Grünhain. – Wiederum nach Elterlein, von da aber auf den Ziegenberg und den noch weiter nordwestlich gelegenen Schatzenstein (2361´) und von diesem über Grünhain und Beierfeld (1245 E.), wo viele Löffelschmiede wohnen, nach Schwarzenberg.