XXXV. Route: Von Zschopau über Augustusburg und Lichtenwalde nach Frankenberg und Hainichen.

Von Zschopau (s. o. [S. 88]) fährt man mit der Eisenbahn, immer den gleichnamigen Fluss entlang, bis Erdmannsdorf (1079 E.). Hier verlässt man den Zug, um gleich hinter dem Bahnhofe, in angenehmem Waldthale (nicht auf der Chaussee!) nach Stadt Schellenberg und der darüber thronenden Augustusburg emporzusteigen. Diese gewährt von ihrer nordwestlichen Zinne eine wundervolle Umschau, indem der Blick über freundliche Ortschaften, lachende Fluren und grüne Wälder dahinschweift und ebensowohl den Kamm des Obergebirges mit den verschiedenen Gipfeln, als die Gegenden des Niederlandes mit dem Rochlitzer- und Kolmberg trifft! Das Schloss, von 1568–72 erbaut, besteht aus vier genau nach den Himmelsgegenden gelegenen Häusern (dem Sommer-, Küchen-, Linden- und Hasenhaus) und enthält 1 Kapelle, 5 Säle, über 150 Zimmer und Kammern und 25 Keller. Die Kapelle ist im byzantischen Style ausgeführt und besitzt ein Altargemälde von Kranach dem Jüngern. Sehenswerth sind auch der 300 Ellen tiefe Schlossbrunnen, eine uralte Linde und der frühere Bärenzwinger.

Von der Burg begiebt man sich, auf ihrer hinteren, d. i. westlichen Seite herabsteigend, über den Kunnerstein, welcher wegen der prächtigen Aussicht auf das Zschopauthal gern besucht wird, zurück nach Erdmannsdorf, um mit dem Dampfwagen nach Niederwiesa (722 E.) zu fahren und dann zu Fusse nach Lichtenwalde zu gehen. Ein schönerer Schlosspark als der von Lichtenwalde ist in ganz Sachsen nicht zu finden. Er ist terassenförmig und im französischen Geschmack angelegt und erstreckt sich über lauschigen Thalgrund wie über freiere Höhen. Wundervoll sind die langen Lindenalleen, ehrwürdig die Gruppen von Eichen, reizend die Baumgänge unter Buchengezweig. Auch wenn die Wasserkünste nicht gehen – gewöhnlich sind sie nur zu Pfingsten und Johannis in Thätigkeit – wird man sich von Lichtenwalde erquickt und gehoben fühlen. Dazu ist in der Nähe noch eine interessante Partie. Jenseits der Zschopau trifft man auf den Harrassprung, welcher von der Sage und Poesie so verherrlicht worden ist. Man gedenkt bei ihm um so lieber der besungenen Mähr', weil des Flusses Felsenrand und das winkende Schloss das Wagniss des Ritters[20] verstehen und würdigen lehren. – Nun geht man an der Zschopau abwärts bis Frankenberg, besichtigt die Stadt und fährt dann mit der Bahn nach Hainichen, womit das Tagesziel erreicht ist.

Schellenberg, Stadt, 1550´ ü. M., mit 1943 E. Treibt neben Feldwirthschaft etwas Woll- und Baumwollweberei.

Frankenberg, Stadt a. d. Zschopau, 812´ ü. M., mit 9408 E. Hat viel Fabriksthätigkeit in baumwollenen, halbwollenen und mit Seide gemischten Stoffen; auch Damastweberei. – Etwas unterhalb Frankenberg thront an der Zschopau das malerische Felsenschloss Sachsenburg, zu welchem eine in Stein eingehauene Treppe von 180 Stufen emporführt.

Hainichen, Stadt a. d. kleinen Striegis, 950´ ü. M., mit 7713 E. Ist der Mittelpunkt einer lebhaften Flanellindustrie, zu welcher die Garne in der Stadt und Umgegend gesponnen werden. In der Nähe etwas Kohlenbergbau. Hainichen ist Geburtsort des Dichters Gellert († 1769); an ihn erinnert ein Denkmal auf dem Markte und ein nach ihm benanntes Rettungshaus.

XXXVI. Route: Von Chemnitz über Oederan nach Freiberg.

(Eisenbahnroute.)

Von Chemnitz fahren wir mit dem Dampfwagen durch Niederwiesa nach Flöha, dann in vielen Windungen, wobei Einschnitte, Dämme und Brücken nicht fehlen, das Flöhathal hinauf nach Falkenau (1019 E.) und von da hinüber nach Oederan. Hier verlassen wir den Zug, um der Stadt und der hinter ihr gelegenen Schönerstädter Höhe einen Besuch abzustatten. Später fahren wir mit der Eisenbahn weiter und gelangen über Frankenstein (541 E.) und Kleinschirma (505 E.) nach Freiberg, der alten Berghauptstadt, welche den Schlusspunkt unserer Routen bilden soll. – Wer Freiberg und Umgegend genau kennen lernen will, muss zwei Tage darauf verwenden; soll dabei die interessante »Grabentour« (s. o. [T. XI.] S. 45) gemacht werden, so ist noch ein Tag mehr nothwendig.

Oederan, Stadt am Hölzelbache, 1144´ ü. M., mit 5997 E. Hat ansehnliche Weberei, besonders Flanell- und Tuchfabrikation. In der Nähe die aussichtsvolle Schönerstädter Höhe und etwas weiter, in einer Abzweigung des Flöhathales, der schauerliche, düstere Höllengrund.