Ja, es ist eine tolle Geschichte, was die Menschen alles aus so einem alten Baume machen können! Aber was nutzt das ganze schöne Papier, wenn es nicht beschrieben oder bedruckt wird, sagten sich die Leute. Das sagte auch der langgelockte Dichtersmann, der da drinnen in der großen Stadt hauste, und so nahm er ein paar von den schönen weißen Bogen, tauchte die Feder in die Tinte und schrieb lauter Reime und Gedichte auf das Papier. Ja, da besang er den Wald mit seinen grünen Bäumen, und die Vögel, die da in den Zweigen wohnen, und sagte, daß es nichts Schöneres gebe in Gottes weiter Welt als den stillen Wald mit den rauschenden Wipfeln. – Ach, er dachte nicht daran, daß der alte Baum sterben mußte, damit der Dichter auf dem Papier seine Lieder über den Wald niederschreiben konnte.
Aber das meiste Papier, das aus dem Fichtenstamm entstanden, kam in eine große Druckerei, und da wurden die Gedichte über den Wald zehntausendmal abgedruckt, und aus dem Baum waren zehntausend Bücher geworden, die hinaus wanderten in alle Welt.
Eines kam auch hinauf in das Forsthaus im Walde, wo der junge Jäger wohnte. Der nahm es mit sich in die grüne Einsamkeit der Tannen und Buchen. Er lagerte sich unter einem hohen Baum und las darin.
„Schnedderengteng!“ sagte er ärgerlich. „Da hauen die Städter die Bäume um und machen Papier daraus, und aus dem Papier machen sie Bücher, und in den Büchern schreiben sie, daß man in den grünen Wald gehen soll, und ihn heilig halten muß. – Es ist ein verrücktes Zeug, und es ist schade um den Baum, der deswegen sterben mußte!“
Da nahm er das Buch und warf es weit fort in das grüne Walddunkel.
Lange lag es da! Die Ameisen krochen zwischen den Seiten. Reineke, der Fuchs, beschnoberte es mißtrauisch und konnte über das seltsame Ding nicht klug werden, und der Starmatz pfiff darauf und benahm sich noch weiterhin unanständig, denn er verstand nichts von Gedichten. Die Sonne vergilbte das Papier, dörrte es aus; der Regen durchweichte es, der Frost zerriß es, die Mäuse knabberten daran, der Schnee des Winters löste es auf in einen Brei. Der Brei sickerte langsam in den Erdboden hinein, gerade da, wo ein ganz winziges Fichtenzweiglein wuchs. Seine feinen Wurzeln saugten die Nahrung ein, und das zerstörte Buch gab der jungen Fichte wieder, was es dem alten Baum genommen hatte.»
Johann der Wunderbare
«Zu Basel,» so erzählte eines Abends der alte Ulebuhle, «lebte vor Jahren ein berühmter Uhrmacher, der war ein Meister in seiner Kunst, wie ihn die Welt noch nicht gesehen. Er baute wundervolle Uhren mit allerlei beweglichen Figuren, die zu jeder Stunde aus dem Gehäuse herauskamen, ihre Verbeugung machten und mit einem Stab die Stunde wiesen. Dann drehten sie sich um, schlugen mit einem kleinen Hämmerchen auf silbernen Glocken die Zeit, und dann verbeugten sie sich wieder und verschwanden.
Von weit und breit kamen die Leute herbei, um die Kunstuhren des Meisters zu sehen, und Fürsten und hohe Herren ließen sich für teures Geld da prunkvolle Werke bauen. Aber der Meister schuf immer wunderbarere Sachen. Da war ein Reiter aus purem Golde, der alle Mittag um zwölf eine Trompete zum Munde führte, ein lustiges Stücklein blies und dann eine Pistole abfeuerte. Das Pferd aber konnte wiehern und mit dem rechten Vorderhuf scharren. Schließlich baute er eine künstliche Ente, die auf dem Wasser schwimmen konnte und so natürlich schnatterte, daß alle Welt voll Staunen war. Setzte man sie aufs Trockene, so watschelte sie dahin und schlug auch zuweilen mit den Flügeln. Man ließ sie in der ganzen Welt sehen, als einen Beweis menschlicher Kunstfertigkeit, und endlich kaufte sie ein reicher Mann für viele tausend Gulden.