„Vier Monde hat der Uranus. Man kann sie von der Erde aus in einem großen Fernrohr deutlich sehen.“
„Aber sie taugen alle miteinander nichts,“ schimpfte der alte Diener.
„Sei still, Dummkopf!“ schrie erbost der gelehrte Mann. „Erstens sind sie viel kleiner als der Mond der Erde, und zweitens erleuchtet sie die ferne Sonne so wenig, daß sie nur ein schwaches Licht widerstrahlen. Es kann doch nicht alles hier so sein wie auf der Erde, Nörgelpeter. Sei froh, daß du anschaun kannst, was vordem nie ein Mensch gesehen!“
„Endlich ist es ein wenig heller geworden, im Licht der drei Tranlampen da oben, aber man sieht nichts als Eis und keine Spur von Menschen. Es ist Zeit, daß wir ins Warme kommen.“
Der Professor schwieg. Er war mit seinen Gedanken beschäftigt. Ja, der Uranus schien unbewohnt. – Sie wanderten noch ein gutes Stück, mühsam und ganz ermattet, da hielt der Gelehrte plötzlich inne. Nicht weit entfernt schimmerte aus dem Boden ein Lichtstrahl hervor. Sicher, da war eine Lampe unter der Erde, oder vielmehr unter dem Eise.
Auch der alte Diener sah es, und mit letzter Kraft humpelten die beiden Wanderer darauf zu. Richtig, da war eine Öffnung im Boden, so groß wie ein Brunnenschacht, und ein Gitterwerk verschloß sie. Man sah eine Treppe aus glänzendem Metall, die in die Tiefe führte, und Lampen beleuchteten den Weg hinunter in das Innere des Schachtes.
„Gott sei Dank!“ rief Christian. „Wo Lampen sind und eiserne Treppen, da sind auch vernünftige Leute; vielleicht vernünftiger als auf Erden,“ fügte er mit einem Blick auf seinen Herrn hinzu, aber der untersuchte schon das Gitter, um hineinzugelangen.
„Es läßt sich nur von innen öffnen,“ sagte er, „es muß hochgeklappt werden, denn es soll wohl das Hineinfallen von Steinen oder von Eis in den Schacht verhindern. Aber ich wette drei Jahre von deinem Leben, daß irgendein Signal vorhanden ist, das drunten in der Tiefe anzeigt, daß jemand hinein will, denn die Uranusmenschen werden doch wohl mal aus ihren unterirdischen Löchern hervorkriechen!“
„Ganz meine Meinung,“ sagte Christian. „Aber wenn wir nicht bald hineinkommen, sind wir erfroren. Ich kann kein Glied mehr rühren. Indessen schnuppert meine Nase warme Luft, die aus dem Schacht herausdringt. Himmel, was ist es kalt auf diesem vermaledeiten Urian!“
„Halt!“ schrie plötzlich der Professor, „ich hab’s. Da, diese Metallplatte; ich glaube, man muß mit dem Fuß darauftreten. Das wird das Signal sein, die Gitter zu öffnen.“