»Vor acht Jahren! Und ich sitze hier und erfahre es erst heute! Und wie hat sie Sie zurückgelassen? Allein?«

»Ganz allein.«

»Sie haben keine Geschwister gehabt?«

»Nein.«

Er hatte bei diesen beiden kurzen Antworten in den Garten hinausgeblickt. Sherriff beobachtete ihn einen Augenblick, öffnete die Lippen, als wollte er reden, schloß sie wieder, seufzte und nahm von dem Tische neben sich das Bild, das am gestrigen Tage zu der Entdeckung geführt hatte.

»Dies ist hergestellt worden, als sie ein junges Mädchen war,« sprach er. »Vor acht Jahren ist sie mindestens eine altere Frau gewesen. Trotzdem muß sie sich sehr wenig verändert haben, da Sie das Bild sofort erkannten.«

»Sie hatte sich ganz und gar verändert,« antwortete Leath, ohne sich umzuwenden. »Hätte ich nur die Erinnerung an meine Mutter, wie ich sie gekannt, gehabt, so würde ich jenes Bild nie erkannt haben. Aber ich besitze ein ebensolches, das natürlich aus derselben Zeit stammt. Ich weiß noch, daß ich es mitunter ansah und sie anschaute und mich verwundert fragte, ob die beiden Gesichter wirklich einer und derselben Frau gehören könnten.«

»Die Veränderung war so groß?« fragte der andere in schmerzlichem Tone. Er legte die Hand über die Augen. »Die Jahre sind unerbittlich,« meinte er dann sanft.

»Die Jahre tun viel, aber sie tun nicht alles,« antwortete Leath finster, noch immer, ohne sich zu regen. »Kummer, Gram, Armut sind noch grausamer.«

»War das ihr Los?« Die erhobene Hand verdeckte einen Ausdruck tiefen Schmerzes auf dem schönen alten Gesicht.