»Das war es. Ich will Ihnen das Herz nicht schwer machen, indem ich Ihnen davon erzähle — weshalb sollte ich? Jetzt ist es wenigstens vorüber. Eine abgehärmte, traurige, früh gealterte Frau, die gern gestorben wäre, als ihre Stunde schlug, wäre ich nicht gewesen, den sie liebte, wie unsere Mütter uns eben lieben: das ist meine Mutter, wie ich mich ihrer erinnere. Ich entschuldige es nicht, daß Sie Ihnen die Treue gebrochen — so teuer sie mir war, so kann ich das nicht entschuldigen, aber Sie dürfen mir glauben, wenn ich sage, daß sie schwer dafür gebüßt hat.«
»Ich habe es gefürchtet — gefürchtet!« sagte der alte Mann mit einem tiefen Seufzer. »Ich dachte oft, daß, wäre ihr Leben glücklich gewesen, ich wieder von ihr gehört haben würde, daß sie meiner doch noch gedacht hätte und mich ihr Glück hätte erfahren lassen. Sie haben nie von mir reden hören? Sie hat niemals zu Ihnen von mir gesprochen?«
»Mit deutlichen Worten niemals. Sie erzählte mir einmal, daß sie selbst an ihrem Kummer und Leid schuld sei — daß sie mit offenen Augen als Mädchen ihr Glück von sich gestoßen. Jetzt verstehe ich, was die arme Seele damit meinte! Damals nicht.«
Es trat ein kurzes Schweigen ein. Leath starrte noch immer finster zum Fenster hinaus. Sherriff blickte ihn mit merkwürdig zweifelndem Ausdruck zögernd an. Es war, als ob der eine die Worte erwarte, die auszusprechen der andere eine ängstliche Scheu empfand.
»Everard —,« es war eine Kleinigkeit, aber es rührte den jungen Mann tief, als er bemerkte, daß ihn Sherriff jetzt bei seinem Vornamen nannte, — »Everard, ich darf noch eine Frage an Sie richten?«
»Das wissen Sie, Herr Sherriff.«
»Was — was haben Sie mir über Ihren Vater zu sagen?«
»Was soll’s mit ihm?« Er sprach, ohne sich umzuwenden, aber sein Ton war schroff und scharf, und seine kraftvolle Hand ballte sich.
»Er ist tot, vermute ich. Nicht wahr?«
»Ich habe ihn nie mit Augen gesehen.«