»Außer uns — keiner. Wollen Sie den Brief ansehen?«

Mit einem abermaligen Erschauern folgte sie seinem Geheiß und las ihn von der ersten Seite bis zur Namensunterschrift auf der dritten langsam durch. Ihre Hand sank wieder kraftlos in ihren Schoß.

»Ich begreife alles, was Sie wollen, daß ich begreifen soll,« hauchte sie fast unhörbar. Ihr Kopf sank zurück. »Mir wird schlecht, glaube ich,« stammelte sie, »wollen Sie mir etwas Wasser bringen?«

Auf dem Büfett stand Wein, den er ihr brachte, weil er ihr besser sein würde wie Wasser, wie er sagte. Es lag keine Zärtlichkeit in seiner Hilfeleistung, kaum sorgliche Beflissenheit — der ganze Mensch schien ebenso versteinert wie sein starres, fahles Antlitz. Als sie den Wein getrunken hatte, nahm er ihr das Glas aus der Hand und hub wieder zu reden an, ruhig und klar, aber nicht freundlich.

»Zweifeln Sie nicht an der Wahrheit! Sie irren sich, wenn Sie das tun. Ich hatte ausreichende Beweise von allem, ehe ich nach England kam. Meine einzige Aufgabe war, den Mann zu finden. Zweifeln Sie daran, daß es mir gelungen?«

»Nein — daran wage ich nicht zu zweifeln. Aber ich bin wie verwirrt. Das Ganze ist so entsetzlich. Lassen Sie mich nachdenken!«

Er gehorchte, trat an den Tisch zurück und band die Briefe, das Dokument, die Photographie wieder mit dem gelben Band zusammen. Es sah jetzt wieder wie das unschuldige flache Päckchen aus, das Sir Jasper Mortlake zu Asche verbrannt zu haben glaubte. Florence drückte die Hände gegen die Augen. Als er sich wieder zu ihr wandte und sie sie herabsinken ließ, waren ihre Lippen völlig farblos; nur in ihren großen Augen schien noch Leben zu sein, als sie ihn anblickte.

»Was,« hauchte sie in fast unhörbarem Flüstertone, »was wollen Sie tun?«

»Tun?«

Er wiederholte das Wort, als wundere es ihn, daß sie es brauchte.