»Nichts! Noch einmal — lautet Ihre Antwort ›Ja‹ oder ›Nein‹?«

»Wenn sie ›Nein‹ lautet, so werden Sie reden?«

»Weshalb nicht? Weshalb sollte ich alles um nichts dahingeben?«

»Allerdings, weshalb? Das Glück und die Ehre der andern sind Ihnen nichts — ich gestehe, daß ich kein Recht habe, auf Edelmut bei Ihnen zu rechnen,« sprach sie mit bitterem Auflachen und blickte ihn an. »Und wenn ich Sie heirate, so wollen Sie auf alles verzichten — wollen das der Toten geleistete Gelübde, von dem Sie sprachen, vergessen?« Sie lachte bitter.

»Das will ich. Weshalb nicht? Die Toten sind schließlich tot. Wenn ich irgend jemand durch mein Schweigen ein Unrecht zufüge, so ist es nur mir selbst. Da das der Fall ist, so habe ich das Recht, wenn ich will, die Liebe sowohl der Rache wie der Gerechtigkeit vorgehen zu lassen.«

»Liebe?« wiederholte sie mit unsäglicher Verachtung. »Sie sagen, Sie lieben mich?«

»Sage, ich liebe Sie?« Er tat einen Schritt auf sie zu, bezwang sich dann aber schnell. »Nein,« sagte er gelassen, »ich brauche nicht erst zu sagen, was Sie wissen.«

»Es ist nicht wahr!« widersprach sie mit einer heftigen Bewegung »Ich hatte nie an so etwas gedacht.«

»Nein. Das glaube ich. Wer war ich, daß ich Sie lieben sollte? Aber Sie wissen es jetzt.«

Sie würde es geleugnet haben, hätte sie es vermocht, aber sie begegnete seinen Augen, und die Worte erstarben ihr auf den Lippen. Ja, es war wahr — er liebte sie; sein Blick, seine Stimme waren eine Offenbarung. Sie mochte schaudern, mochte sich dagegen auflehnen, aber sie mußte es glauben — er zwang sie dazu. In all ihrer Aufregung, ihrer Angst, ihrem Zorn mußte sie Talbot Chichesters gedenken, des Mannes, der sie auch geliebt haben sollte, und sie hätte in all ihrem Jammer fast auflachen können. Sie stand auf, stützte sich mit der Hand auf ihren Stuhl und begegnete dem Blick, der sie erbeben machte, dem sie aber nicht ausweichen wollte.