»Machen Sie es sich klar,« sprach sie langsam, »daß ich Sie fast hasse, Herr Leath?«

»Augenblicklich ja, Gräfin Florence — völlig.«

»Und obwohl Sie das wissen, sind Sie willens, mich zu heiraten?«

»Ich liebe Sie, und ich weiß wenigstens, daß Sie keinen andern lieben. Und möge Ihr Gefühl für mich sein, was es wolle, so ist es nicht Verachtung. Die Sache keines Mannes ist einer Frau gegenüber hoffnungslos, solange das nicht der Fall ist,« antwortete Leath kaltblütig. »Sie stellen mir die Frage, und ich beantworte sie. Angesichts Ihres Hasses, Ihres Grolles, Ihrer Empörung — nennen Sie es, wie Sie wollen — bin ich willens. Ich will mich des Wortes bedienen, da Sie es gebraucht haben.«

»Sie haben wenigstens Mut.« Sie blickte ihn wieder voll Verachtung an. »Die meisten Männer würden es sich, glaube ich, zweimal überlegen, ehe sie unter solchen Bedingungen eine Frau nehmen.«

»Nein, Gräfin Florence, nicht, wenn Sie diese Frau wären.«

Sie wandte sich von ihm weg. Nach einigen Augenblicken folgte er ihr an das Fenster, an das sie getreten war.

»Ich will nicht, daß Sie sich übereilen,« sagte er ruhig; »wenn Sie sagen: ›Gib mir bis morgen Zeit‹, so will ich warten. Aber es ist nicht anzunehmen, daß Sie mich dann weniger hassen werden, noch wird der Preis meines Schweigens bis dahin ein geringerer oder höherer geworden sein.«

»Ich weiß, Sie halten mich für brutal, — ich fürchte, ich bin es auch, — aber die Umstände entschuldigen mich vielleicht ein wenig. Unfreundliche oder kalte Worte würde ich aus freier Wahl nicht gerade Ihnen gegenüber brauchen. Darüber sollen Sie sich nicht zu beklagen haben, wenn Sie erst meine Frau sind. Ich stelle meine Frage noch einmal — ist Ihre Antwort ›Ja‹ oder ›Nein‹?«

Er wußte die Antwort, und sie ebenfalls — es konnte nur eine geben. Sie sagte nichts — Lippen und Zunge waren ihr wie ausgedorrt — aber langsam, sehr langsam und scheu hielt sie ihm die Hand hin. Er nahm sie, umschloß sie mit festem Drucke während eines Augenblickes und ließ sie dann los.