»Tun Sie ganz, wie Sie wollen,« sagte er ruhig. »Sie wollen also Sir Jasper, Ihren Vormund, sofort von Ihrem Versprechen, mich zu heiraten, in Kenntnis setzen? Und ich darf wohl morgen zu Ihnen kommen?«
»Weshalb nicht?« Sie lachte fast, während sie ihn ansah. »Sie haben das Recht dazu, Herr Leath.«
»Freilich — es ist mein Recht. Also will ich Ihnen denn für heute Lebewohl sagen.«
Er nahm ihre Hand. Sie widerstrebte nicht, aber er fühlte, wie sie vor ihm zurückwich, wie er das schon vorhin empfunden; und sein kurzes Auflachen klang ebenso bitter wie das ihre soeben.
»Sie brauchen nicht bange zu sein! Ich will Sie nicht küssen — noch nicht. Ich glaube nicht, daß mir etwas daran liegen würde, solange Sie solch ein Gesicht machen.« Er nahm auch ihre andere Hand. »Florence, wie lange es wohl dauert, bis Sie mich küssen?«
Sie antwortete nicht; ihre Hände bebten hilflos in den seinen; sie vermochte nicht, ihn anzublicken.
»Nicht lange, glaub’ ich, nicht lange.« Seine Augen hingen voll Leidenschaft an ihrem blassen Antlitz. »Aber ich möchte wissen, wie viele Küsse jener Tor, der es zuließ, daß Sie mit ihm gebrochen haben, mir geraubt hat?«
Ihr Gesicht antwortete ihm. Sie blickte hastig auf, und er las Überraschung, Verachtung, lebhaften Widerspruch in ihren Zügen. Er lachte in ganz anderem Tone.
»Was, keinen einzigen? Dann will ich ihm vergeben, wie man einem Narren vergibt — mehr ist er nicht wert! Ich habe Sie noch mehr zu ehren als ich glaubte, — um so besser für Sie und für mich!«
Seine Stimme wurde weicher und klang nicht mehr triumphierend. »Armes Kind,« sprach er sanft, »Sie hassen mich jetzt mehr als je — nicht wahr? Das tut nichts. Sie sind erschöpft, und ich halte Sie auf. Bis morgen also, leb’ wohl, leb’ wohl!«